SPD plant Bildungsreformen von unten
Mehr zu: Bayern, Gemeinschaftsschule, Schulstruktur, Spaenle, Schule(dpa) – Die SPD in Bayern will eine Bildungsrevolution von unten initiieren: Ungeachtet des "Neins" aus dem Kultusministerium wollen die Sozialdemokraten gemeinsam mit Kommunen und Eltern die Zulassung der ersten Gemeinschaftsschulen in Bayern durchsetzen. "Unsere Kampagne für die Gemeinschaftsschule läuft sehr gut", sagte SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen der Nachrichtenagentur dpa.
"Das Interesse ist enorm. Mehrere Dutzend Kommunen haben sich bereits bei uns gemeldet. Sie sind von unserer Idee der Gemeinschaftsschule überzeugt." Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) lehnt einen Abschied vom bisherigen dreigliedrigen Schulwesen strikt ab. Die SPD geht jedoch davon aus, dass Spaenle auf Dauer die Einführung einer gemeinsamen Schule für alle Kinder nicht ablehnen kann, wenn einzelne Kommunen und Eltern das wollen und einen fertigen Plan zur Einführung des neuen Schultyps präsentieren.
"Am Ende, wenn das Konzept steht, stellen die Gemeinden einen Antrag beim Kultusministerium für die Zulassung der neuen Schulform bei sich im Ort", sagte Kohnen. Nach dem SPD-Konzept soll die Gemeinschaftsschule eine ergänzende Ganztags-Schulart sein, die alle Schularten vereint. Die Gemeinschaftsschulen sollen eine Alternative zum bestehenden System sein, Realschulen und Gymnasien sollen aber weiterbestehen.
Die beiden oberbayerischen Gemeinden Denkendorf und Kipfenberg seien die ersten Interessenten an der Gemeinschaftsschule gewesen, sagte Kohnen. "Dort sind wir deshalb schon sehr weit. Seit Mai erarbeiten wir gemeinsam mit einem pädagogischen Expertenteam einen Vorschlag, wie eine Gemeinschaftsschule vor Ort aussehen kann. Um alle Beteiligten und Interessierten mitzunehmen, wurden vor Ort Fördervereine gebildet." Die meisten Anfragen kämen aus ländlichen Gemeinden, es gebe aber auch schon Nachfragen aus größeren Städten.
Kultusminister Spaenle wolle die Zulassung der Gemeinschaftsschulen ablehnen. "Aber auch wenn Spaenle dagegen ist – wir werden die Gemeinschaftsschule vorantreiben. Stellen Sie sich vor, dass 20 bis 50 Kommunen eine Gemeinschaftsschule bei sich haben wollen. Wenn die Eltern dieser Gemeinden auf die Barrikaden gehen, kann sich Spaenle doch gar nicht mehr verweigern." In Schleswig-Holstein gebe es inzwischen mehr Gemeinschaftsschulen als Gymnasien, und dort regierten CDU und FDP.
"Spaenle wird die Dreigliedrigkeit nicht halten können", sagte Kohnen. Der Minister äußerte sich indes entschlossen, Gemeinschaftsschulen zu verhindern. In Anklang an die Gesamtschulen der 1970er Jahre sagte Spaenle der Nachrichtenagentur dpa am 1. September: "Einen Marsch in die Vergangenheit werden wir auf gar keinen Fall mitmachen." Spaenle verwies auf Nordrhein-Westfalen, wo die rot-grüne Landesregierung das dreigliedrige Schulwesen nicht abgeschafft hat: "Denn auch in Nordrhein- Westfalen, wo die SPD mitregiert, ist eines definitiv beerdigt: Das ist die Einheitsschule." Mit dem Versprechen, alle Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse unterschiedslos in einer Schule zu unterrichten, gaukle die SPD den Menschen falsche Hoffnungen vor, kritisierte Spaenle.
Carsten Hoefer (dpa-Dossier Bildung Forschung Nr. 36/2011, 05.09.2011)
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