Experte: Mehr Lehrer für Inklusion erforderlich
Mehr zu: Bayern, Bildungsausgaben, Bildungschancen, Inklusion, Schule(dpa) – Künftig sollen in Bayern behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam die Schulbank drücken. Doch für die Umsetzung der sogenannten Inklusion sind nach Einschätzung des Münchner Professors Ulrich Heimlich weit mehr geeignete Lehrer erforderlich. "Ich sehe ein Riesenproblem in der personellen Ausstattung der Schulen", sagte der Lernbehindertenpädagoge in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
Der Staat müsse die Lehrer durch Fortbildungsmaßnahmen und Beratung intensiv unterstützen. "Das Engagement der Lehrkräfte in diesem Bereich ist sehr hoch, darf aber nicht die einzige Ressource sein", forderte Heimlich.
Seit dem 1. August ist in Bayern das Inklusionsgesetz in Kraft, das Kindern mit Behinderung den Zugang zu allen Schulen ermöglichen soll. Um Lehrer zu entlasten und alle Kinder ausreichend zu fördern, müsse den Lehrkräften mindestens ein Sonderpädagoge zur Seite gestellt werden, sagte Heimlich. "Möglicherweise werden auch "Integrationshelfer" benötigt, wenn es um die Pflege der Kinder in der Schule geht, die Betreuung oder Toilettengänge."
Zwar führe an der Inklusion kein Weg vorbei – doch bei der Umsetzung steht den Schulen nach Einschätzung Heimlichs viel Arbeit bevor. Nicht nur unter Sonderpädagogen bestehe die Sorge, ob die Einführung klappt. Auch viele Eltern seien noch skeptisch, weil sie bislang keine Erfahrung mit dem gemeinsamen Lernen gemacht hätten. "Wenn sie allerdings erlebt haben, wie die Inklusion auf ihre Kinder wirkt, dann wächst auch die Zustimmung", sagte Heimlich.
So profitieren nach Meinung des Experten alle Schüler von gemeinsamem Unterricht. Heimlich widersprach der Kritik, nicht behinderte Kinder würden an inklusiven Schulen in ihrer Entwicklung beeinträchtigt. "Ihre Schulleistungen sind nicht schlechter als anderswo. Aber gleichzeitig werden Sozialkompetenzen wie Toleranz, Einfühlungsvermögen und Hilfsbereitschaft gestärkt."
Auch für behinderte Kinder sei die Inklusion sinnvoll: Sie könnten sich besser entwickeln und in ihren Lernergebnissen vom gemeinsamen Unterricht profitieren, sagte Heimlich. "Schüler mit Behinderung strengen sich nicht nur an, sondern erzielen in der inklusiven Schule auch bessere Schulleistungen als in Förderzentren."
Arne Meyer (dpa-Dossier Bildung Forschung Nr. 38/2011, 19.09.2011)
© 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
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Ich arbeite seit 13 Jahren integrativ, d.h. im Rahmen der sogenannten Außenklassen bieten wir seit vielen Jahren bereits gemeinsamen Unterricht an. Die oben genannten Forderungen kann ich nur unterstützen. Mehr Lehrer, mehr Unterstützung durch entsprechende Fortbildungsangebote, wobei die Teilnahme der Teams von Schulamtsseite möglich gemacht werden sollte, Anrechnungsstunden für den hohen Abstimmungs- und Besprechungsaufwand mit Teamkollegen.Viele Bedingungen sollten von offizieller Seite noch festgezurrt und ermöglicht werden, damit ein qualitativ guter gemeinsamer Unterricht machbar ist, sowohl für die beteiligten Schüler als auch für die Lehrerinnen und Lehrer.
Die personelle Ausstattung sollte sich m.E. aber nicht auf Lehrer oder gar Sonderschullehrer beziehen, sondern auf Integrationsassistenzen (Heilerzieher, Sozialpädagogen)!
Die bringen die entscheidende Perspektive auch dem letzten Lehrer viel besser nah, als es ein Lehrerkollege könnte, nämlich die Perspektive jedes (!) einzelnen Kindes. Es ist eine Schande, dass diese Berufsgruppen in der Lehrergruppe oft immer noch als minderwertiger und schlechter ausgebildet gelten- die machen im Gegenteil den meisten Lehrern in vieler Hinsicht was vor!
Dann müssen jetzt nur noch die Ministerien zusammenrücken und die Finanzierung z.B. nach 35a direkt in die Schulen verschieben...
Wie gesagt, es ist eigentlich alles ganz einfach...genug Geld ist in beiden Systemen vorhanden...nur nicht die Möglichkeit, es effektiv zu verwenden!
Der obige Satz "Zwar führe an der Inklusion kein Weg vorbei" outet jedoch den "Experten" als Laien, der immer noch nicht verstanden hat, dass es nicht darum geht, behinderten Kindern alles recht zu machen, sondern die Neuorientierung eines selektiven Schulsystems auf das einzelne Kind, wohlgemerkt jedes einzelne (blonde, braune, behinderte oder nichtbehinderte, blauäugige, kluge oder was auch immer...!) Kind endlich zu realisieren.
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