Weltlehrertag – 5. Oktober 2011
Artikel von Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend
Mehr zu: Europa, Internationaler Austausch, Lehrerbildung, Weiterbildung, Weltlehrertag, Sonderthemen(pm) Anlässlich des Weltlehrertages 2011 möchte ich meine ehrliche Bewunderung für die sechs Millionen Lehrerinnen und Lehrer in der Europäischen Union zum Ausdruck bringen. Ihr Beitrag zu unserer Gesellschaft ist von ganz zentraler Bedeutung. Es sind die Lehrerinnen und Lehrer, die jedem einzelnen unserer Kinder und Jugendlichen helfen, Wissen zu erwerben und ihre Persönlichkeit, ihre Begabungen und ihre Fähigkeiten zu entfalten, und die die jungen Menschen so auf ein erfülltes und erfolgreiches Erwachsenenleben vorbereiten.
Sie stehen deshalb im Zentrum der Anstrengungen, die die Kommission unternimmt, um den Mitgliedstaaten bei der Verbesserung ihrer Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung Hilfestellung zu leisten. Hierbei zähle ich auf die Unterstützung der Lehrer und ihrer Verbände. Vielen Leserinnen und Lesern wird bekannt sein, dass die EU im Rahmen ihrer Programme jedes Jahr Tausenden von Lehrern ermöglicht, an Weiterbildungsmaßnahmen im Ausland teilzunehmen, ihre Klassen bei Austauschreisen zu begleiten und mit Schulen in anderen Ländern zu kooperieren.
So waren zwischen 2007 und 2009 allein 3506 Lehrerinnen und Lehrer aus Deutschland zur Weiterbildung im Ausland. Gesamtkosten: €8 900 000. Wir planen, die Mittel für solche Programme in den kommenden Jahren erheblich aufzustocken. Unsere Aufgabe ist es aber auch, Fachleute und Interessenvertreter zusammenzubringen, damit nach neuen Wegen zur Verbesserung der nationalen Bildungssysteme gesucht werden kann. Die für Bildungsfragen zuständigen Ministerinnen und Minister haben uns gebeten, den Schwerpunkt dabei insbesondere auf die Verbesserung der lebenslangen Weiterbildung von Lehrern und Schulleitern zu legen.
Die ersten fünf Jahre im Beruf sind für viele junge Lehrerinnen und Lehrer fordernd und aufreibend. Ein erheblicher Teil von ihnen gibt den Beruf völlig auf, was für die betroffenen jungen Menschen ebenso wie für unsere Schulen einen großen Verlust bedeutet. Dabei ließen sich diese Probleme verringern oder sogar ganz vermeiden, wenn die Bildungsbehörden ein paar einfache Maßnahmen zur persönlichen, sozialen und beruflichen Unterstützung junger Lehrerinnen und Lehrer träfen, damit diese in der Lage sind, bei ihrer täglichen Arbeit in Schule und Klassenzimmer ihr "Bestes" zu geben.
Ich freue mich daher, dass die Europäische Kommission in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus vielen EU-Ländern ein "Handbuch für politische Entscheidungsträger" zur Entwicklung von Einführungsprogrammen für Junglehrer erstellt hat (hier anklicken). Die Vielfalt in unseren Bildungssystemen ist ein hohes Gut. Deswegen bietet dieses Handbuch auch nicht die EINE Lösung; vielmehr lässt sich aus den verschiedenen darin beschriebenen Bausteinen ein geeignetes Einführungsprogramm zusammenstellen. Ich bin davon überzeugt, dass das Handbuch für junge Lehrer von echtem Nutzen sein und zu spürbaren Verbesserungen führen wird.
Gute und geeignete Absolventen für den Lehrerberuf zu gewinnen, stellt freilich in vielen Ländern eine große Herausforderung dar. Im Jahr 2012 werden wir Untersuchungen und Anregungen dazu veröffentlichen, wie sich das Berufsziel Lehrer attraktiver gestalten ließe.
Da die Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer immer größer und auch ihre beruflichen Aufgaben immer umfangreicher und komplexer werden, konzentriert sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf die Kenntnisse, Einstellungen und Kompetenzen, über die Lehrer verfügen müssen. Wir werden daher noch vor Jahresende eine Übersicht bewährter Vorgehensweisen im Zusammenhang mit Lehrerkompetenzen veröffentlichen.
An diesem besonderen Tag sollten wir allerdings auch eine Gruppe verdienter Menschen nicht vergessen, die meist unerwähnt bleibt: die Ausbilderinnen und Ausbilder der Lehrer. Die Unterrichtsqualität an unseren Schulen hängt entscheidend vom Wissen und von der Erfahrung dieser Ausbilder ab – sei es, dass sie als erfahrene Lehrer ihre jungen Kollegen an den Schulen unterstützen, dass sie als Schulleiter die Personalentwicklung fördern oder dass sie in Lehre und Forschung an den Hochschulen tätig sind. Wir bereiten zurzeit eine größere Veranstaltung im März 2012 vor, bei der wir nach dem Prinzip des Voneinander-Lernens erörtern wollen, wie die Bildungsbehörden diese Schlüsselgruppe besser unterstützen könnten.
Allen Lehrerinnen und Lehrern, Schulleiterinnen und Schulleitern, Ausbilderinnen und Ausbildern sage ich daher ein herzliches Dankeschön!
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