Naturwissenschaften: Die besten Lehrer des Jahres
Mehr zu: Auszeichnungen, Individuelle Förderung, Jugend forscht, Naturwissenschaften, Referendariat, Schule(red/pm) Die Gymnasiallehrer Dr. Dahlia Fischer, Carl-Benz-Gymnasium Ladenburg (Baden-Württemberg), und Dr. Friedrich Lütke Twenhöven, Hermann-Tast- Schule Husum (Schleswig-Holstein), sind "Lehrer des Jahres für naturwissenschaftliche Fächer". Sie haben gestern in Oldenburg den mit jeweils 10.000 Euro dotierten Klaus-von-Klitzing-Preis erhalten, den die Universität und die EWE Stiftung zum siebten Mal vergeben. Erstmals wählte die Jury zwei Preisträger aus. Insgesamt lagen 35 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet vor.
Der Namensgeber des Preises, der Physik-Nobelpreisträger Prof. Dr. Klaus von Klitzing, überreichte die Auszeichnungen persönlich. Mit Fischer und Lütke Twenhöven seien zwei Lehrkräfte ausgewählt worden, die sich mit größter Selbstverständlichkeit auch in ihrer Freizeit dafür einsetzten, Schülerinnen und Schüler für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Beiden liege insbesondere die Förderung des Teamgeists und der selbstständigen Arbeit am Herzen. Die Erfolge in zahlreichen Schülerwettbewerben belegten eindrucksvoll die hohe Qualität der Unterrichtskonzepte beider Lehrer, erklärte von Klitzing, der auch Mitglied der Jury ist.
Auch an Wochenenden und in den Ferien
Dr. Dahlia Fischer unterrichtet die Fächer Chemie, Physik, Naturwissenschaft und Technik sowie Naturphänomene und ist seit 2005 am Carl-Benz-Gymnasium Ladenburg tätig. Bereits während ihres Referendariats von 2005 bis 2007 initiierte und betreute sie naturwissenschaftliche Schülerforschungsprojekte außerhalb der regulären Schulzeiten. Dafür nutzt sie auch ihre Erfahrungen in der universitären Forschung, die sie vor ihrer Lehrtätigkeit in Heidelberg, Oxford und Karlsruhe sammelte. Fischers Schülerinnen und Schüler nehmen regelmäßig und erfolgreich an Wettbewerben teil, dazu gehören der Bundeswettbewerb "Exciting Physics", der Regionalwettbewerb "Explore Science" der Klaus Tschira Stiftung sowie "Schüler experimentieren" und "Jugend forscht". Die Teilnehmerzahl hat sich unter Fischers Regie deutlich erhöht.
Die Lehrerin leitet in einem Team zudem ein naturwissenschaftliches Austauschprojekt mit einer Partnerschule in Belgien und engagiert sich als Dozentin in der Begabtenförderung. Ihr Ziel ist es, die natürliche Begeisterung von Kindern für Alltagsphänomene zu fördern und in den Unterricht einzubinden. Die Schärfung der Beobachtungsgabe und die anschließende Analyse und Interpretation des Beobachteten sollen dafür sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Interessensgebiete finden. Jährlich profitieren bis zu 130 Jugendliche von Fischers Arbeitsgruppen und ihrer Betreuung – auch an den Wochenenden und in den Ferien.
Für die Verbindung schulischer und universitärer Forschungsaktivitäten engagiert sich Fischer ebenso wie für die Sponsorenakquise zur Projektfinanzierung. Die "freie Forschungstätigkeit" als Lernmethode und festen Bestandteil des Lehrplans zu etablieren – dieses Ziel hat sich Fischer für die Zukunft gesetzt.
Beste Forscherschule Schleswig-Holsteins
Dr. Friedrich Lütke Twenhöven unterrichtet seit 1991 an der Husumer Hermann-Tast-Schule die Fächer Biologie und Chemie. Seit Beginn seiner Lehrertätigkeit motiviert er seine Schülerinnen und Schüler durch experimentellen Unterricht und setzt sich dafür ein, ihnen ein breit gefächertes Angebot an naturwissenschaftlichen Aktivitäten zu bieten. Er gründete eine "Nawi-AG" für alle Schulstufen und – gemeinsam mit einem Kollegen – eine Schüler-Technik-Akademie. Dem begeisterten Biologen ist es wichtig, Zugänge und Anlässe zu schaffen, um die Umwelt wahrnehmen und Interesse entwickeln zu können. Seit Jahrzehnten initiiert und betreut er zahlreiche "Jugend-forscht"-Projekte, häufig kehren seine Schüler als Sieger zurück.
Lütke Twenhöven arbeitet eng mit seinen Kollegen zusammen. Gemeinsam richteten sie an ihrer Schule – 2011 wurde sie als "Beste Forscherschule Schleswig-Holsteins" ausgezeichnet –naturwissenschaftliche Wettbewerbe, einen Schulgarten und einen Tierraum ein. Ein besonderes Anliegen Lütke Twenhövens war es, das Fach "Forschen und Technik" als Wahlpflichtfach in der Mittelstufe einzuführen. Auch dank seines Engagements sind die Naturwissenschaften an seiner Schule ein Markenkern des Schulprofils geworden. Der Preisträger ist gleichzeitig Initiator, Coach, Netzwerker und Fundraiser.
Mehr als 200 Schülerinnen und Schüler begeistern sich jährlich für Lütke Twenhövens Angebote. Dabei ist es gelungen, gleichermaßen Jungen und Mädchen anzusprechen. Besonders am Herzen liegen dem Biologen Schülerinnen und Schüler, die es im Schulalltag schwer haben. Ihre Talente zu entdecken und zu fördern ist ihm ein besonderes Anliegen. Von der Politik wünscht sich der Lehrer kleinere Klassen und mehr Freiraum im Stundenplan für selbstbestimmtes, interessengeleitetes Lernen, Forschen und Entdecken. Der Klaus-von-Klitzing-Preis geht auf eine Idee des Oldenburger Neurobiologen und Rektors des Hanse-Wissenschaftskollegs, Prof. Dr. Reto Weiler, zurück. Der Jury gehören neben von Klitzing Vertreter der Universität Oldenburg, der EWE Stiftung und der Karl Heinz Beckurts-Stiftung an.
Klaus von Klitzing, der die ersten Jahre seiner Schulzeit in Oldenburg verbrachte, ist unter anderem Direktor am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart und Mitglied des Internationalen Solvay Instituts. Darüber hinaus ist er Mitglied der Entscheidungskuratorien zur Vergabe des Bayer Climate Award, des Innovationspreises der deutschen Wirtschaft sowie des Wittgenstein-Preises. 1980 entdeckte er einen neuen Quanteneffekt und erhielt 1985 den Nobelpreis für Physik. Die nach ihm benannte von-Klitzing-Konstante beeinflusste wesentlich die moderne Halbleiterentwicklung und die Präzisionsmesstechnik. 2006 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Oldenburg verliehen.
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