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Ausbildungspakt

Jeder zweite Bewerber wartet auf Lehrstelle

Mehr zu: Ausbildungspakt, Duale Ausbildung, Lehrstellenmangel, Berufliche Bildung
11.11.2011 -

(dpa) – Nur jeder zweite Bewerber findet in Deutschland auf Anhieb eine Ausbildungsstelle, obwohl die Zahl der Plätze auch in diesem Jahr gestiegen ist. Ein Grund dafür: Viele junge Menschen bewerben sich auf die wenigen Stellen in besonders beliebten Branchen. Dagegen suchen beispielsweise Unternehmen aus dem Hotel- und Gaststättenbereich händeringend Auszubildende.

54 Prozent der bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldeten Bewerber standen Ende September in einer Berufsausbildung, teilte die BA am 7. November in Berlin mit. Die übrigen wählten einen anderen Weg, machten etwa ein Praktikum, setzten die Schule fort oder landeten in einer Fördermaßnahme. Zwei Prozent der Bewerber blieben auf der Suche. Bei weiteren 16 Prozent war der Verbleib unklar.

Insgesamt zählte die BA Ende September 29 700 offene Lehrstellen und 11 600 suchende Bewerber. Der Überhang an Stellen wuchs damit seit 2010 von 7300 auf 18 100. Beide Seiten müssten Kompromisse eingehen, sagte BA-Vorstand Raimund Becker. Die jungen Menschen müssten auch andere Stellen akzeptieren als ihre Traumjobs – im Gegenzug müssten die Unternehmen Bewerbern mit Defiziten eine Chance geben.

Insgesamt lobte Becker aber die guten Ausbildungschancen für Jugendliche, die sich weiter verbessert hätten. Auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nannte die Lage "ausgesprochen erfreulich". Anders wertet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Zahlen des Ausbildungspakts aus Politik und Wirtschaft: Zähle man die 65 200 Bewerber mit, die sich mit Fortbildungen und Praktika über Wasser hielten, ergebe das 76 800 Suchende – mehr als doppelt so viel wie es offene Stellen gebe. "Viele Branchen, die lautstark über fehlende Auszubildende klagen, haben oft miese Ausbildungsbedingungen", erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock.

Tatsächlich suchen gerade die Branchen, die im Ausbildungsreport des DGB von den Azubis schlecht bewertet wurden – unter anderem das Hotelund Restaurantgewerbe. Hier kommen nach Zahlen der BA 12 beziehungsweise 17 offene Stellen auf einen Bewerber. Beim Verkauf von Lebensmitteln sind es sogar 24.

Umgekehrt gibt es etwa beim Veranstaltungsmanagement und bei den Innenarchitekten viermal so viele Stellen wie Bewerber. In der Tierpflege sind es sogar zehnmal so viele.

Insgesamt registrierte die BA bis Ende September 538 200 Bewerber (13 700 weniger als 2010) für 519 600 Ausbildungsplätze (plus 36 100). Allerdings hatte der Bildungsbericht von Bund und Ländern im vergangenen Jahr ermittelt, dass 1,5 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne Berufsabschluss waren und auch nicht in einer Fortbildung steckten. Das entsprach 17 Prozent der entsprechenden Jahrgänge.

(dpa-Dossier Bildung Forschung Nr. 46/2011, 14.11.2011)


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