Braune Öko-Siedler wollen Schulen unterwandern
Mehr zu: Mecklenburg-Vorpommern, Politische Bildung, Schule(dpa) Mecklenburg-Vorpommern ist nach einer Studie der Heinrich-Böll-Stiftung ein Zentrum brauner Öko-Siedler. Sie kaufen demnach Land und Bauernhäuser, die dort günstig zu haben sind, betreiben Bio-Landwirtschaft und versuchen, Gemeinden, Vereine, Schulen und Kindergärten in ihrem Sinne zu unterwandern. Das geht aus der jetzt in Schwerin vorgestellten Publikation der Heinrich-Böll-Stiftung hervor.
Allein im Raum Güstrow/Teterow sollen inzwischen 60 Erwachsene der Szene mit teils zahlreichen Kindern leben. Die Zahl dieser Siedler, die eine "germanische" und "artgerechte" Form des Lebens aufbauen wollten, steige, sagte Richard Scherer vom Kirchgemeinderat in Reinshagen, einem Dorf in der Region, in einem Interview in der Broschüre. "Sie kommen ganz gezielt hierher, weil sie genau wissen, dass es sich hinsichtlich ökonomischer, kultureller und sozialer Strukturen um einen leeren Raum handelt." Auch gibt es historische Anknüpfungspunkte. In Koppelow nahe Krakow am See unterhielt die völkisch-nationale Siedlungsbewegung der Artamanen in den 1920er Jahren ihr deutschlandweit größtes Siedlungsprojekt. Zu den Artamanen gehörten spätere NS-Größen wie Heinrich Himmler oder der Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß.
"Doch braune Ökologen beschränken sich nicht auf eine Region, sie sind bundesweit unterwegs", betonen die Herausgeber der 112-seitigen Publikation. Zunächst träten sie zurückhaltend auf. Auch seien sie nicht unmittelbar zu identifizieren, da die meisten nicht in der NPD seien oder sich nicht dazu bekennen würden. Wer sich ihnen entgegenstelle, müsse jedoch mit massiven Anfeindungen rechnen.
Die Politikwissenschaftlerin Gudrun Heinrich von der Universität Rostock räumte ein, dass die Forschung zu Rechtsextremen in der Umweltbewegung noch am Anfang stehe. Die Broschüre sei eine erste Zusammenfassung des gegenwärtig Bekannten und nicht Ergebnis eines Forschungsprojekts. Susann Schulz von der Heinrich-Böll-Stiftung bekannte, das Problem sei "größer als wir dachten".
Angesichts der vielfältigen Aktivitäten von Rechtsextremen beklagen Bildungsexperten und Sozialwissenschaftler Defizite des Staates im präventiven Kampf gegen Rechts. So müssten der aktuelle Rechtsextremismus und Rassismus stärker an den Schulen thematisiert werden. Auch müssten die Lehrer besser dafür ausgebildet sein, sich mit Schülern über Rechtsextremismus auseinanderzusetzen.
Sachsen-Anhalt Nr.2 im Netzwerk Courage
Im Kampf gegen Rassismus sind Sachsen-Anhalts Schulen besonders aktiv. Im Netzwerk "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" gehören sie zur Spitze. Pro 100 000 Einwohner gibt es im Land zwölf Schulen, die diesen Titel tragen. "Damit liegt das Land nach Bremen mit 13 solcher Schulen auf Platz zwei", sagte Sanem Kleff, Leiterin der Bundeskoordination und Vorstandsvorsitzende des Trägervereins "Aktion Courage e.V." der Nachrichtenagentur dpa. Am 14. Januar sollte das Domgymnasium Naumburg als 1000. Schule in das Netzwerk aufgenommen werden. Aus Sachsen-Anhalt gehören dann 67 Schulen diesem Netzwerk an.
Rund 750 000 Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und andere Pädagogen besuchen bundesweit eine Schule, die sich freiwillig verpflichtet hat, aktiv gegen Rassismus sowie jede Form von Diskriminierung und Mobbing vorzugehen. Für eine Bewerbung müssen laut Kleff wesentliche Kriterien erfüllt werden: 70 Prozent der Schüler, Lehrer und anderen Beschäftigten einer Schule müssen unterschreiben, dass sie sich gegen Rassismus und Fremdenhass einsetzen. "Ganz wichtig ist die Kultur des Hinschauens, also dass sich die Schüler und Lehrer verpflichten einzuschreiten, wenn Diskriminierungen in ihren Umfeld erkannt werden", sagte Kleff. "Außerdem muss die Schule einmal im Jahr ein Projekt auf die Beine stellen."
Das Netzwerk "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" wurde 1995 als Reaktion auf rassistische Morde in Mölln, Solingen und andernorts gegründet.
(dpa-Dossier Bildung Forschung Nr. 03/2012, 16.01.2012)
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