Schwerin: Kommission für neues Schulsystem
Mehr zu: Inklusion, Mecklenburg-Vorpommern, Schule(dpa) – Kinder mit Behinderung, Lernschwierigkeiten oder auffälligem Verhalten sollen in ganz normalen Schulklassen unterrichtet werden. Der Versuch, diese Forderung der Vereinten Nationen in Mecklenburg-Vorpommern (MV) umzusetzen, scheiterte 2011 an mangelhafter Vorbereitung. Lehrer fühlten sich überfordert, Eltern protestierten.
Eine am 16. Januar eingesetzte Expertenkommission soll jetzt die Lage analysieren und ein Konzept erarbeiten, wie die Inklusion bis 2020 im Nordosten erreicht werden kann. Das Problem: In Mecklenburg-Vorpommern werden zu viele Kinder auf Förderschulen abgeschoben. Dort schaffen sie in der Regel nicht einmal den Hauptschulabschluss. Nirgendwo in Deutschland ist der Anteil dieser Jugendlichen so hoch wie in MV.
Der Kommission gehören Wissenschaftler aus Rostock, Berlin und Italien ebenso an wie der ehemalige Landtags-Vizepräsident der Linken, Andreas Bluhm, und Schulleiter aus Mecklenburg- Vorpommern. Geleitet wird sie von der Rostocker Wissenschaftlerin Katja Koch, deren Spezialgebiet die frühe sonderpädagogische Entwicklungsförderung ist.
"Wir werden jetzt zügig eine Bestandsaufnahme vornehmen und die Frage beantworten, wie viel und welche Inklusion unter den gegebenen Voraussetzungen nötig und möglich ist und welche Schritte [...] bis 2020 gegangen werden sollten", sagte Koch. Lehrer müssten weitergebildet, Förderungen entwickelt werden.
Das Bildungsministerium kündigte Fachkongresse an, um eine breite Öffentlichkeit an der Diskussion zu beteiligen. Gewerkschaften und Verbände, Eltern- und Schülervertretungen sollen die Expertenkommission in einer eigenen Gruppe kritisch begleiten, betonte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD). Auf Grundlage des Berichts der Expertenkommission wolle die Landesregierung im kommenden Jahr einen Vorschlag zur Umsetzung der Inklusion vorlegen. Schon seit zwei Jahren werden in Mecklenburg-Vorpommern lernschwache Erstklässler nicht mehr in Förderschulen eingeschult – allerdings ohne große Vorbereitung der Grundschulen.
(dpa-Dossier Bildung Forschung Nr. 04/2012, 23.01.2012)
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