EU-Kommission warnt vor Lehrermangel
Mehr zu: Europa, Lehrerbildung, Lehrermangel, Sonderthemen(red/pm) Einem aktuellen Bericht der Europäischen Kommission zufolge könnte es in einigen Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, das Vereinigte Königreich, Italien, die Niederlande, Österreich und Belgien, in Zukunft zu einem erheblichen Mangel an Lehrkräften kommen.
Der Bericht "Schlüsselzahlen zum Bildungswesen in Europa 2012" wurde den EU-Bildungsministern heute Morgen auf ihrer Tagung in Brüssel vorgelegt. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Zahl von Hochschulabsolventen für das Lehramt zurückgeht, während gleichzeitig viele der jetzigen Lehrkräfte das Rentenalter erreichen. Der Bericht weist jedoch auch auf positive Zeichen hin: In den meisten Mitgliedstaaten ist die Mittelausstattung des Bildungsbereichs stabil. Außerdem hält der Bericht fest, dass ein Hochschulabschluss nach wie vor die beste Absicherung gegen Arbeitslosigkeit darstellt und für Hochschulabsolventen die Chance, schnell einen Arbeitsplatz zu finden, höher ist als für Nicht-Akademiker.
"Dieser Bericht ist ein wertvolles Instrument für politische Verantwortungsträger und liefert nützliche Anhaltspunkte für künftige Entscheidungen. Die berufliche Entwicklung der Lehrkräfte ist ein Schlüsselfaktor für eine hochwertige Ausbildung unserer Schülerinnen und Schüler. Aus diesem Grund stellt das Programm "Erasmus für alle" (das neue von der Kommission vorgeschlagene Programm für allgemeine und berufliche Bildung und Jugend) darauf ab, die berufliche Entwicklung der Lehrkräfte zu stärken und gleichzeitig die Bildungssysteme zu modernisieren", so Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend.
Laut des Berichts sind gezielte Schulungsmaßnahmen für Lehrer, wie Mentoring, Anleitung bei der Bewertung und Beobachtung der Klassenführung, in Europa nun stärker verbreitet. Gleichwohl reichen diese Maßnahmen nicht aus, um den Lehrberuf attraktiver zu machen. Im Rahmen des Programms "Erasmus für alle" beabsichtigt die Kommission daher, zur Attraktivität und Qualität dieses Berufs beizutragen und 1 Million Lehrkräften die Möglichkeit zu bieten, Unterrichtserfahrung in einem anderen europäischen Land zu sammeln.
Der Bericht hält fest, dass der Anteil der Hochschulabsolventen gestiegen ist und dass diese doppelt so schnell einen Arbeitsplatz wie Geringerqualifizierte finden (innerhalb von 5 Monaten gegenüber 9,8 Monaten). Dies zeigt, dass das Ziel der Europäischen Union, den Anteil der Hochschulabsolventen bis zum Jahr 2020 auf 40 % zu erhöhen, auf soliden Fakten beruht. Tatsache ist allerdings auch, dass Hochschulabsolventen zunehmend für die von ihnen ausgeübte Tätigkeit überqualifiziert sind und bestimmte Berufe mit besseren Beschäftigungschancen verbunden sind als andere: Der Wahl des Studiengangs kommt somit wachsende Bedeutung zu.
Hintergrund
Der Bericht "Schlüsselzahlen zum Bildungswesen 2012" wurde den EU-Bildungsministern zusammen mit einem gemeinsamen Bericht des Rates und der Kommission mit dem Titel "Die allgemeine und berufliche Bildung in einem intelligenten, nachhaltigen und integrativen Europa" unterbreitet (siehe MEMO/12/76).
Der Bericht wurde gemeinsam vom Netzwerk Eurydice und von Eurostat ausgearbeitet. Er skizziert die wichtigsten Entwicklungen der europäischen Bildungssysteme in den letzten zehn Jahren und liefert statistische Daten und qualitative Informationen zur Organisation, Verwaltung und Funktionsweise von 37 europäischen Bildungssystemen, von der Vorschulerziehung bis hin zur Hochschulbildung. Die Daten werden über die nationalen Eurydice-Stellen, Eurostat und die internationale PISA-Studie 2009 (Programme for International Student Assessment) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erhoben. Der letzte Bericht mit Schlüsselzahlen zum Bildungswesen wurde 2009 veröffentlicht.
Die Veröffentlichung greift die Prioritäten für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung und die europäische Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum auf. Die 95 Indikatoren im Bericht betreffen u. a. folgende Bereiche: demografischer Kontext, Bildungsstrukturen, Beteiligung, Ressourcen, Lehrkräfte und Verwaltungspersonal, Bildungsprozesse, Qualifikationsniveaus und Übergang zur Beschäftigung.
Das Eurydice-Netz stellt Informationen und Analysen zu den europäischen Bildungssystemen und -strategien bereit. Es besteht aus 37 nationalen Eurydice-Stellen mit Sitz in allen 33 Ländern, die am EU-Programm für lebenslanges Lernen teilnehmen (EU-Mitgliedstaaten, EFTA-Länder, Kroatien und die Türkei). Es wird von der EU-Exekutivagentur "Bildung, Audiovisuelles und Kultur" in Brüssel koordiniert und verwaltet.
Weitere Informationen:
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
Video-Interview mit Brian Holmes und Andrea Puhl von der Exekutivagentur "Bildung, Audiovisuelles und Kultur" zu den Schlüsselzahlen zum Bildungswesen 2012
Website von EU-Kommissarin Androulla Vassiliou
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