didacta 2012: Digitale Schulbücher auf allen Betriebssystemen und auf allen Endgeräten
Interview mit dem Geschäftsführer der VdS Service GmbH, Christoph Bornhorn über den Startschuss des Projekts "Digitale Schulbücher" auf der didacta
Mehr zu: didacta - die Bildungsmesse, E-Learning, Interviews, Medienkompetenz, Schulbuch, Unterrichtsgestaltung, Unterrichtsmaterial, Schule(red) Spätestens seit Apples Paukenschlag zum iSchulbuch ist klar: Die digitalen Lernmaterialien werden im Schulalltag eine größere Rolle spielen. Die Schulbuchverlage arbeiten bereits seit Längerem an einer praktikablen Lösung für Lehrer und Schüler. In der kommenden Woche wird das Projekt "Digitale Schulbücher" auf der didacta in Hannover vorgestellt. Was sich dahinter verbirgt, erklärt der Geschäftsführer der VdS Service GmbH, Christoph Bornhorn, im Gespräch.
Welches Konzept steht hinter dem Projekt "Digitale Schulbücher"?
Christoph Bornhorn: Mit "Digitale Schulbücher" können Schulen, Lehrkräfte und Schüler Bücher verschiedener Verlage in einem Regal verwalten, lesen und nutzen – online oder offline. Der Nutzer muss sich nicht mit unterschiedlichen Softwarelösungen und Anzeigeformaten mehrerer Verlage auseinandersetzen. Stattdessen kann er mit einer Technik alle Bücher in einem digitalen Bücherregal nutzen. Online- und Offline-Version können synchronisiert werden. Dies ermöglicht den Einsatz in vielen unterschiedlichen Lern- und Lehrszenarien. Ein Schüler oder Lehrer kann zum Beispiel "Digitale Schulbücher" mit Hilfe einer kostenlosen Software auf seinem privaten Laptop offline nutzen. Zusätzlich kann er aber auch von jedem Rechner mit Internetzugang – in der Schule oder anderswo – über www.digitale-schulbuecher.de online auf seine Bücher zugreifen.
Wie funktioniert das?
Christoph Bornhorn: Der Nutzer erwirbt zunächst einen Freischaltcode für ein digitales Schulbuch im Webshop eines Verlages, der sich an "Digitale Schulbücher" beteiligt. Jetzt hat er die Wahl. Er kann diesen Code entweder in die Online- oder in die Offline-Version eingeben. Beide Versionen sehen identisch aus und funktionieren identisch. Der Nutzer lädt sich die Offline-Version als kostenlose Software herunter, installiert sie lokal auf seinem Rechner und gibt dort den Freischaltcode ein. Oder er gibt den Code über die Online-Version ein, die unter www.digitale-schulbuecher.de zu erreichen sein wird. Anschließend wird das jeweilige Werk in das digitale Buchregal heruntergeladen und steht dort zur Nutzung bereit.
Woher weiß ich, dass das von mir gesuchte Schulbuch auch digital angeboten wird?
Christoph Bornhorn: Die Freischalt-Codes für die Bücher werden direkt in den Webshops der beteiligten Verlage erworben und werden dort entsprechend ausgewiesen sein. "Digitale Schulbücher" ist also kein zentraler "Schulbuch-Store".
Welche Funktionen bietet das digitale Schulbuch?
Christoph Bornhorn: "Digitale Schulbücher" hat die Bedürfnisse von Lehrern und Schülern im Blick: Die Lösung ist auf die Schulpraxis ausgerichtet und enthält zum Beispiel wesentliche Whiteboard-Funktionen. Der Nutzer kann Notizen machen, Lesezeichen setzen, zeichnen, er kann Texte markieren, abdecken und freistellen, Bücher schnell durchsuchen und vieles mehr.
Gibt es auch multimediale Inhalte?
Christoph Bornhorn: In der Preview-Version, die auf der didacta präsentiert wird, sind die Grundfunktionen der Lösung implementiert. Es handelt sich aber um ein dynamisches Projekt: Weitere Funktionen, wie zum Beispiel die Einbindung animierter und multimedialer Inhalte, werden Schritt für Schritt umgesetzt.
Auf welchen Plattformen wird das digitale Schulbuch genutzt werden können?
Christoph Bornhorn: "Digitale Schulbücher" wird alle Betriebssysteme und Endgeräte abdecken. Schülern und Lehrern wird nicht die Nutzung einer bestimmten Technik vorgegeben. Das System wird sowohl auf Windows also auch auf Mac-Rechnern lauffähig sein. Geplant ist zudem, digitale Schulbücher auf das Tablet zu bringen und dabei sowohl das iPad als auch Android-Geräte zu berücksichtigen. "Digitale Schulbücher" ist eine herstellerunabhängige Lösung: Ein Schüler, der in der Schule einen PC und zu Hause einen Mac hat, kann die Bücher auf beiden Rechnern nutzen.
Wann wird gestartet?
Christoph Bornhorn: Marktstart für das Projekt wird der Beginn des Schuljahres 2012/2013 sein.
Wie stellen sie sich denn den Einsatz im konkreten Schulalltag vor? Eigentlich müssten doch alle Schüler über ein entsprechendes Gerät verfügen – alles andere wäre ungerecht.
Christoph Bornhorn: Wir plädieren schon lange dafür, dass spezielle Budgets für digitale Bildungsmedien bereitgestellt werden müssen. Wir gehen davon aus, dass digitale Angebote in Zukunft stärker in der Schule zum Einsatz kommen werden, schließlich wandelt sich das Mediennutzungsverhalten von Schülern erheblich. Doch um diesen Wandel in der Schule so umzusetzen, dass alle Schüler etwas davon haben, müssen natürlich zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt werden. Nur auf diesem Weg kann Bildungsgerechtigkeit insoweit hergestellt werden. Die Politik ist hier gefordert.
Gibt es denn Ihrerseits dazu bereits Gespräche mit der Politik?
Christoph Bornhorn: Das Interesse an "Digitale Schulbücher" ist sehr groß, auch von der Politik. Wir werden die didacta dazu nutzen, das Projekt politischen Entscheidungsträgern vorzustellen.
Wie sieht es mit dem Kopierschutz aus?
Christoph Bornhorn: Das Projekt wird ein Digital Rights Management System beinhalten.
Können die Bücher nur gekauft oder auch ausgeliehen werden?
Christoph Bornhorn: Das hängt von den Lizenzausgestaltung des jeweiligen Verlags ab. "Digitale Schulbücher" bietet jedenfalls die technischen Voraussetzungen für die Befristung von Lizenzen. Damit ist also eine Schulbuchleihe grundsätzlich möglich.
Dazu auf der didacta 2012
Auf der didacta werden 27 deutsche Bildungsmedienverlage eine Preview-Version der Lösung "Digitale Schulbücher" vorstellen. Halle 16 Stand E22
Eher eine Absichtserklärung
Ich habe die digitalen Schulbücher heute auf der Didacta live erlebt - da hat man noch viel Arbeit vor sich, wenn das bis zum Herbst fertig sein soll. So taugt es fast nichts.
Zu sehen war ein auf iMacs unter Windows präsentierter Flash-basierter PDF-Viewer. Na, herzlichen Glückwunsch.
Man kann nicht sinnvoll markieren, weil der Stift den Text im PDF nicht erkennt. Unterstreichungen sind krickelig oder man muss mühsam eine Linie einzeichnen. Man kann nicht mal im Inhaltsverzeichnis auf den Kapitelnamen klicken um auf die entsprechende Seite zu kommen. Suchfunktion? Fehlanzeige. Haptisches Blättern? Videos? Sowas gibt's nur in iBooks 2.
Ich möchte nicht wissen, wie die Akkulaufzeit sinkt, wenn man die ganze Zeit den Flashplayer laufen hat, nur weil man sein Schulbuch braucht... Immerhin wird es für das iPad wohl eine Alternativimplementierung geben müssen.
Ich höre jetzt lieber auf mit Meckern...
Immerhin bringt das System eine Gewichtsreduktion, wenn man das Buch nicht mehr neben den Laptop in den Schulranzen stecken muss.
Ich empfinde den gegenwärtigen Hype um neue Medien an den Schulen auch völlig überzogen und fern der dort tatsächlichen notwendigen Veränderungen. Man hat manchmal den Eindruck, dass die Verantwortlichen entweder auf massive Werbung der Verlage und Programmhersteller hereinfallen oder aber ähnlich naiv wie Teenager dem jeweils neuesten Techniktrend hinterherhecheln.
Meine Eindrücke vom Unterricht mit solchen Materialien in Spanien, wo dieser Trend schon eine Weile läuft, sind jedenfalls sehr ernüchternd, angefangen schon damit, dass mir technisches Versagen von Tafel, Kreide und Schulbuch bisher nicht bekannt sind. Ich verweise dabei gerne auf ein aus Spanien stammendes Video, das uns die Vorzüge des Buches noch einmal in Erinnerung ruft: www.youtube.com/watch?v=YhcPX1wVp38.
Es wäre wünschenswert und auch dringend erforderlich, Geld statt in immer neue Medien endlich in die Verkleinerung der Klassen zu stecken, damit könnte man sich die meisten "Reformen" der letzten und wohl auch der kommenden Jahre sparen.
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