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Schulbücher

Urheberschutz – Garant für gutes Lernen?

Was Urheberrecht und Schulbuchqualität miteinander zu tun haben

Mehr zu: E-Learning, Perspektive: Bildung, Referendariat, Schulbuch, Unterrichtsgestaltung, Unterrichtsmaterial, Urheberrecht, Schule
08.10.2012 -

"Nach 25jähriger Berufserfahrung könnte ich zwar ohne Schulbuch arbeiten, aber es wäre ein hartes Brot. Und wenn ich an die Referendare und die Junglehrer denke: Sie wären damit vollkommen überfordert", erklärt Birgit Ohmsieder, Englischlehrerin an einem Berliner Gymnasium.

Doch mit der aktuellen Diskussion über das Urheberrecht in digitalen Zeiten wird auch die Frage über die Daseinsberechtigung des Schulbuchs wieder neu gestellt. Vereinfacht gesagt: Wenn Lehrer die Schulbücher nicht unbegrenzt kopieren, einscannen und digital verteilen dürfen, dann machen sie eben die Unterrichtsmaterialien selbst und nutzen zum Beispiel Vorhandenes aus dem Netz. Das Urheberrecht also als Todesglöckchen für das Schulbuch? Und warum läutet es gerade jetzt?

Für Urban Meister, Geschäftsführer Cornelsen Schulverlage, gibt es zwei Gründe, warum das Urheberrecht zum großen Thema geworden ist. "Die digitalen Medien gewinnen immer mehr an Bedeutung. Das gilt für das Schulbuch genauso wie für andere Bücher. Wir haben dort aber einen Rechtsbereich, der noch nicht so ausgestaltet ist, dass wir sagen können: Es ist stimmig, alle kennen die Regeln und alle empfinden die Regeln als fair. Und zwar so, dass es für die Urheber weiterhin ein Auskommen gibt, dass es die Voraussetzungen für die Vermittlungsfunktion durch die Verlage gibt und dass gleichzeitig auch die Nutzer und die Leser zu ihrem Recht kommen.

Urban Meister, Geschäftsführer in den Cornelsen Schulverlagen
Urban Meister, Geschäftsführer in den Cornelsen Schulverlagen - Bild: Cornelsen

Der zweite Grund liegt in der Politik. Über neue Gruppen wie die Piraten werden teilweise provokante Thesen aufgestellt, die wieder etwas infrage stellen, was wir seit Jahrzehnten als geklärt geglaubt haben, nämlich, dass geistiges Gut genauso wertvoll sein kann wie ein materielles Gut."

Unterricht ohne Schulbuch?

Anders als bei einem belletristischen Werk und auch bei vielen Fachbüchern sind an einem Lehrwerk für die Schule viele "Macher" beteiligt: Autoren, Herausgeber, Berater, Illustratoren und Fotografen. Von einem Schulbuch allein können sie alle nicht leben, selbst wenn es ein Bestseller würde. Aber von Luft und Liebe auch nicht. Die Autorenhonorare machen im Durchschnitt nur sieben Prozent des Ladenverkaufspreises aus - für alle am Werk beteiligten Schreiber. Genauso groß - oder klein - ist übrigens auch die Gewinnmarge der Verlage. Beim wahllosen Kopieren oder digitalen Vervielfältigen dieser Werke ist der Effekt vorhersehbar: Mangelnde Absatzzahlen bringen das Geschäftsmodell Schulbuch - egal ob es gedruckt oder digitalisiert angeboten wird - schnell ins Wanken. Werden die Werke nicht mehr verkauft, dann fehlen die Voraussetzungen für Entwicklung und Produktion.

Unterricht also ohne Schulbuch? Für Birgit Ohmsieder keine angenehme und auch keine realistische Vorstellung. "Beispiel neunte Klasse und das Thema Australien: Angenommen, ich würde einen Text finden, der mir gefällt, dann müsste ich diesen Text kürzen, ihn annotieren und dann noch überlegen: Wie kann ich jetzt das im Lehrplan vorgesehene Gerundium einführen? Eine ganze Palette von Aufgaben, die mir als Lehrer zuwachsen würde, die ich überhaupt nicht erfüllen könnte."

Die Autorin Cecile Rossant arbeitet als Muttersprachlerin mit an Englischschulbüchern. Sie vergleicht das Schulbuchmachen mit einem Architekturprojekt, "bei dem ganz verschiedene Experten gemeinsam an einer Sache arbeiten, und während dieser Arbeit permanent miteinander im Gespräch bleiben müssen." Als Mutter ist ihr das Schulbuch wichtig, weil "Kinder Kontinuität brauchen, sie brauchen eine Geschichte, eine wiedererkennbare Gestaltung. Und ganz wichtig: Sie können das Lernen mit anderen Kindern teilen."

"Kinder brauchen Geschichten."
"Kinder brauchen Geschichten." - Bild: bikl.de

Schulbücher sorgen für methodische Abwechslung

Das Schulbuch als "Fortsetzungsgeschichte" hat eine weitere entscheidende Funktion, erläutert Birgit Ohmsieder: "Wenn ich mit einem Lehrwerk in Klasse 7 anfange, weiß ich, dass ich ein Spiralcurriculum erfülle. Das heißt, wenn ich bis Klasse 10 weiter mit diesem Lehrwerk arbeite, dann sind meine Schüler topfit vorbereitet, für das, was sie in der Sekundarstufe II erwartet."

Aber kommt ohne Schulbücher nicht gerade auch neuer, ganz frischer Wind in die Klassenzimmer? Birgit Ohmsieder ist eher skeptisch. "Jeder Lehrer hat ja seine Spezialitäten und das Schulbuch zwingt mich als Lehrer, auch Unterrichtsformen zu verwenden, die ich nicht so mag. Schulbücher sind inhaltlich und methodisch sehr abwechslungsreich. Wäre das nicht so, dann würde jeder Lehrer nach seinem Stil unterrichten. Und man unterrichtet in der Regel gern so, wie man selbst auch gut lernt. Damit würde man aber automatisch einen ganz großen Teil der Schüler mit ihrem Lernstil vernachlässigen."

Zeitersparnis und rechtssichere Materialien

Qualitätsgesícherte Lehrwerke zu entwickeln ist sehr aufwendig. So arbeiten etwa die in Berlin ansässigen Cornelsen Schulverlage mit rund 7.500 Autoren, Herausgebern, Beratern und mit 5.000 Grafikern, Fotografen und Illustratoren zusammen. Und die Übertragung ins Digitale geschieht keineswegs eins zu eins und per Knopfdruck. "Wir versuchen, die aktuellen Konzepte wie Differenzierung, Individualisierung oder Inklusion umzusetzen und zu überlegen, wo digitale Medien helfen können", erläutert Christine Hauck, Abteilungsleiterin New Business bei Cornelsen. "Etwa mit einem Angebot, mit dem Lehrer zunächst digital den Leistungsstand der Schüler messen und danach individueller den einzelnen Schülern fördern und fordern können. Oder, indem wir dem Lehrer helfen, bei seinen täglichen Arbeiten Zeit zu sparen. Damit er also besseren Unterricht machen kann, ohne aber den ganzen Nachmittag die unterschiedlichsten Medien zusammensuchen zu müssen. Und ein ganz wichtiger Aspekt: Mit diesen Inhalten bieten wir den Lehrkräften rechtssichere Materialien." Um all dies leisten zu können, müssen Verlage darauf setzen, dass sie Aufwand und Kosten, die sie in analoge und in digitale Schulmedien stecken, zurückbekommen.

Die heutigen Schulbücher und Lernmedien seien "so etwas wie das kulturelle Selbstverständnis einer Gesellschaft ", erklärte der Grundschulpädagoge und Direktor des Münchener Zentrums für Lehrerbildung Prof. Dr. Joachim Kahlert auf der letzten Schulbuchkonferenz in München. Möglich, dass dieses kulturelle Selbstverständnis gerade in digitalen Zeiten ganz besonders auf das Urheberrecht angewiesen ist. "Das Urheberrecht muss die Werthaltigkeit geistigen Guts in der analogen wie in der digitalen Medienwelt verankern", bestätigt Urban Meister. "Dabei muss es Balance halten zwischen Urhebern, Verlagen, Interessen der Gesellschaft und einzelnen Nutzern."

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