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Ethikunterricht

"Dieses Fach kann viel leisten"

Prof. Dr. Barbara Brüning zum Stellenwert des Ethikunterrichts

Mehr zu: Ethik, Gewalt in der Schule, Interviews, Perspektive: Bildung, Schulbuch, Unterrichtsgestaltung, Unterrichtsmaterial, Schule
06.12.2012 -

"Der Ethikunterricht kann sich positiv auf ein Klima in der Klasse oder sogar in einer Schule auswirken", sagt die Hamburger Philosophie- und Pädagogik-Professorin Dr. Barbara Brüning. Warum das so ist und was ein Schulbuch dazu beitragen kann, erläutert sie in unserem Interview.

Frau Brüning, Sie sind Herausgeberin eines neuen Schulbuchs für den Philosophie- und Ethikunterricht. Das Lehrwerk für die nichtgymnasiale Mittelstufe trägt einen interessanten Namen: Respekt. Ist der Name auch Programm?

Barbara Brüning: Ja, das ist er. Der Ethik- und Philosophieunterricht soll ja dazu beitragen, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, einander zu respektieren. Das heißt, sich mit Achtung zu begegnen und Dinge, über die sie stolpern, weil sie ihnen fremd sind, mit rationalen Mitteln zu bearbeiten. Respekt soll heißen, dass man allmählich lernen muss, Achtung gegenüber anderen Kulturen und anderen Menschen zu entwickeln, die einem auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt sympathisch erscheinen.

Ist das nicht ein sehr hoher Anspruch an Fach und Buch?

Barbara Brüning: Wo, wenn nicht im Fach Philosophie und Ethik sollte dieser Anspruch verwirklicht werden? Hier sollte man darüber nachdenken: Was gefällt mir an anderen Kulturen, an anderen Religionen, an anderen Menschen, an anderen philosophischen Auffassungen? Und was gefällt mir nicht? Warum lehne ich das ab und kann ich mich vielleicht trotzdem damit anfreunden, bestimmte Dinge auch wertzuschätzen, die mir vorher nicht so wertvoll erschienen sind?

Die Schüler an einer Hauptschule Frankfurt, an einer Mittelschule in Sachsen oder einer Sekundarschule in Berlin finden also in dem Buch keine langen philosophischen Texte von Aristoteles oder Kant?

Barbara Brüning: Wenn Sie das Buch aufschlagen, sehen Sie, das sind Themen aus der Lebenswelt der Schüler: Teilnahmeverbot an der Klassenfahrt aus religiösen Gründen, Mobbing im Netz oder Gewalt auf dem Schulhof. Es ist gut, wenn Schülerinnen und Schüler darüber nachdenken. Die philosophische Vertiefung wäre dann: Wieso kommt es überhaupt zu Gewalt? Ist es natürlich, dass Gewalt zu unserem Leben gehört? Müssen wir das so akzeptieren? Kann man Gewalt durch Zivilcourage eindämmen? Guter Ethikunterricht geht immer von lebensweltlichen Problemen aus und vertieft sie durch philosophische Gedanken, auch von Aristoteles und Kant.

Ist das ein ganz neuer Ansatz für ein Ethik-Schulbuch?

Barbara Brüning: Das Buch ist anders als bisherige Bücher. Wir haben uns überlegt, wie man Schülerinnen und Schüler durch Bildgeschichten, durch Comics, durch Fotogeschichten ethische Probleme nahebringen kann. Bilder sind für uns nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern wir haben ganz bewusst überlegt: Durch welche Bildgeschichten können wir ethische Probleme für Jugendliche transportieren? Natürlich gibt es auch Texte, aber die Bilder spielen eine gleichberechtigte Rolle. Und wir wollen, dass Schüler auch mal selbstständig in diesem Buch blättern, mal bei einem Comic hängenbleiben und über diesen Comic auch das ethische Problem kennenlernen und darüber nachdenken, ohne dass es im Unterricht thematisiert wird.

Wieso haben Sie dieses Buch so konzipiert?

Barbara Brüning: Bevor diese Reihe entstanden ist, sind Lehrerinnen und Lehrer zu ihren bisherigen Erfahrungen mit Lehrbüchern im Ethikunterricht befragt worden. Dabei wurde der Wunsch nach einem Buch deutlich, in dem ethische Probleme nicht nur über lange Texte transportiert werden. Denn viele Schülerinnen und Schüler schalten bei längeren Texten ab. Man muss sie erst allmählich daran gewöhnen. Deswegen war die Konzeption des Buchs ganz bewusst darauf gerichtet, auch über Bildgeschichten aus der Lebenswirklichkeit ethische Probleme zu transportieren.

Wenn das Fach so viele konfliktträchtige Themen behandelt, kann es möglicherweise auch zu einem besseren Schulklima beitragen?

Barbara Brüning: Ich verfolge diesen Anspruch auf jeden Fall und ich finde es gut, dass es ein Fach gibt, in dem über kulturelle Konflikte und über unterschiedliche Wertvorstellungen diskutiert wird. Schüler wissen nicht unbedingt, was für einen Schüler, der aus einem anderen Kulturkreis kommt, wertvoll ist und warum das so ist. Für mich ist es wichtig, dass man die unterschiedlichen Wertvorstellungen erst einmal kennenlernt, dass man sie schätzen lernt und dass man dann aber über mögliche Konflikte gemeinsam nachdenkt. Wenn das in diesem Fach regelmäßig getan wird – und das Fach erhebt ja durch seine Rahmenpläne auch diesen Anspruch – dann kann sich das auch positiv auf ein Klima in der Klasse oder sogar in einer Schule auswirken. Dieses Fach kann viel leisten, wenn es von engagierten Lehrerinnen und Schülerinnen und Schülern getragen wird.

Haben Sie schon Rückmeldungen von Lehrern auf Ihr Buch?

Barbara Brüning: Wir haben das Buch in unterschiedlichen Bundesländern vorgestellt und eine Lehrerin in Hessen hat gesagt: "Ich habe mich 20 Jahre lang geweigert, ein Buch einzusetzen, weil die Bücher immer von den philosophischen Texten ausgingen. Aber wir müssen doch von der Lebenswelt der Schüler ausgehen, damit sie sich angesprochen fühlen. Nur so kann man die Philosophie nutzen, um die Jugendlichen ein Stück in ihrem Denken weiterzuführen Jetzt weiß ich, dass ich ein Buch nehmen werde."

Homepage Prof. Dr. Barbara Brüning
Das Lehrwerk ´Respekt`

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