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WZB-Studie:

Deutsche Berufsausbildung sehr spezialisiert

Mehr zu: Duale Ausbildung, Berufliche Bildung
21.12.2012 -

(dpa) – Etliche Staaten orientieren sich an der dualen Berufsausbildung in Deutschland bei Reformen im eigenen Land. Doch auch das deutsche System hat seine Schattenseiten: Die "sehr hohe berufliche Spezialisierung" in der deutschen dualen Ausbildung dürfte ein Grund für ein hohes Risiko sein, nur befristete Jobs zu bekommen oder erwerbslos zu werden, heißt es in einem Beitrag in den "WZB-Mitteilungen" vom Dezember.

Darin vergleicht der Autor Christian Ebner vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) vier europäische Länder mit einer dualen Berufsausbildung: Dänemark, Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Danach liegt Deutschland mit rund 350 anerkannten Ausbildungsberufen weit vorn, gefolgt von der Schweiz und Österreich mit rund 250 und schließlich Dänemark mit knapp 150. "Mit zunehmender Zahl anerkannter Ausbildungsberufe ist anzunehmen, dass die Ausbildungen spezialisierter sind und das Spektrum der Berufe, die ausgeübt werden können, schmaler wird", schreibt Ebner in seinem Beitrag "Spezialisierung hat ihren Preis: Die Breite der Ausbildung beeinflusst die Chancen auf dem Arbeitsmarkt". Aber auch die Absolventen des wenig spezialisierten dänischen Systems hätten ein deutlich höheres Risiko als in den anderen Staaten, nach der Berufsausbildung nur eine geringqualifizierte Stelle zu bekommen. "Damit erscheint ein mittlerer Grad an beruflicher Spezialisierung wie in Österreich und der Schweiz optimal", bilanziert der Autor.

Um einer zu großen Spezialisierung entgegenzuwirken, gebe es zum Beispiel in Österreich die Möglichkeit, eine "Doppellehre" mit Abschlüssen in gleich zwei Ausbildungsberufen zu machen, schreibt Ebner unter Hinweis auf seine ausführliche Studie "Von der Lehre in den Arbeitsmarkt. Die duale Berufsausbildung im internationalen Vergleich", die 2013 gedruckt vorliegen soll.

Zudem verfügt Österreich über fünfjährige Berufsbildende höhere Schulen (BHS), die auch eine Hochschulzugangsberechtigung verleihen (Matura). Deren Absolventen behaupteten sich auffallend gut auf dem Arbeitsmarkt, so die Analyse. Zur Ausbildung an diesen Schulen gehörten nur geringe praktische Ausbildungsanteile. "Hier stellt sich die Frage, inwieweit bestimmte Berufsbereiche nicht auch stärker theoretisch unterrichtet werden könnten, wenn die Relevanz der Ausbildungsinhalte für den Arbeitsmarkt sichergestellt ist", gibt Ebner zu bedenken.

Mit der dualen Ausbildung auf akademischem Level in Deutschland befasst sich der Bildungsforscher Lukas Graf in derselben Ausgabe der WZBMitteilungen. In seinem Beitrag "Wachstum in der Nische: Mit dualen Studiengängen entstehen Hybride von Berufs- und Hochschulbildung" beschreibt Graf auch die Hindernisse für eine politisch gewollte größere Durchlässigkeit zwischen Berufs- und Hochschulbildung.

"Im Berufsbildungssystem gibt es beispielsweise eine Reihe von Akteuren, denen nicht daran gelegen ist, den Anteil des allgemeinbildenden Unterrichts auf Kosten der betrieblichen Praxisanteile zu erhöhen. Das gilt insbesondere für Betriebe, die vornehmlich an Auszubildenden als billige Arbeitskräfte interessiert sind." Im Hochschulsystem wirkten zugleich "elitäre Ansprüche des Bildungsbürgertums" als Bremskräfte.

Trotzdem hätten sich in Deutschland in einem bottom-up-Prozess die dualen Studiengänge entwickelt, die es inzwischen in allen 16 Bundesländern gebe, berichtet Graf. Grundprinzip sei eine systematische inhaltliche und organisatorische Verknüpfung von Theorie- und Praxisphasen. Duale Studiengänge würden durch die Kooperation von großen und mittleren Betrieben mit an innovativen Studienprogrammen interessierten Hochschulen, Berufsakademien oder auch einigen Universitäten vorangetrieben. Solche Studiengänge gebe es in dieser Form bislang nur in Deutschland; im österreichischen oder Schweizer Bildungssystem seien sie bislang kaum bekannt. Ob duale Studiengänge zu einer höheren sozialen Mobilität beitragen, müsse abgewartet werden, meint der Autor. Denn bislang richteten sich die meisten dualen Studiengänge an besonders leistungsstarke Schulabgänger mit Berechtigung zum Studium.

Ursula Mommsen-Henneberger (dpa-Dossier Bildung Forschung Nr. 52/2012 vom 24. Dezember 2012)

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www.wzb.eu/de/publikationen/wzb-mitteilungen


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1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Fliegenfischer, am 08.01.2013, 17:22

Mir ist auch schon aufgefallen, dass es da gewisse Widerstände gibt den Anteil allgemeinbildender und theoretischer Anteile zu erhöhen. Z.b. hier:

www.bs1landshut.de/cmst...ildungsberufe.php

Nachdem im bundesweit gültigen Rahmenlehrplan 1,5 Schultage pro Woche vorgesehen sind, in Bayern aber aufgrund des Widerstandes der Wirtschaft nur 1 Schultag zur Verfügung steht, können die geforderten Lerninhalte nur gekürzt, oder teilweise gar nicht behandelt werden

nicht das wir irgendwann nur noch einen halben Tag Unterricht haben. Was mit den allgemeinbildenden Fächern sonst noch so passiert, muss man nicht erwähnen. Die werden so ziemlich entkernt. die katholische Religionslehre hab ich seltsamerweise mit unter einer Motorhaube gefunden.

ich hab erst vor kurzem erfahren das man in Sachsen vollschulische Angebote zurückbaut.

hier würde ich den Bildungsforschern mal vorschlagen ebenfalls zu prüfen, welche Art von Ausbildungsplätzen in Sachsen dual wirklich angeboten werden -- sind das z.B. oft nur Friseurazubistellen wär ich nicht überrascht. Nicht das man hochwertige Bildungsgänge wie CTA abbaut und Niedriglohnjobs sind der Ersatz.

in MeckPomm gab es in vielen Gegenden v.a. Ausbildungsplätze dual nur im Friseurgewerbe = ein Überangebot.

ein sog. "Azubimangel" ist kein guter Indikator für Echten Bedarf, denn in manchen Segmenten wird über Bedarf ausgebildet. Da könnte man prüfen, wie hoch der Anteil an prekärer Beschäftigung bei den Ausgebildeten ist in Sachsen und anderswo. Also wieviele genau landen dort nach Ausbildung im Niedriglohnsektor oder werden arbeitslos.

nicht das als Alternative anstatt von Bildungsgängen wie CTA für die Schüler v.a. nur Berufe wie Gastronomie, Friseur = Niedriglohnjobs mit Überangebot übrig bleiben. Friseure gibts viel zu viele in DE meiner Meinung nach. Ich hab mal im internet bei der Innung gelesen, die bekämen bis zu 6000 Euro Subvention wenn die nen Hauptschüler nehmen - ist das noch aktuell?


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