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Inklusion

"Wir haben die Verpflichtung allen Kindern eine Regelschule anzubieten"

didacta Themendienst 2013 - Interview mit Prof. Dr. Kersten Reich

Mehr zu: Classroom-Management, didacta - die Bildungsmesse, Inklusion, Interkulturelle Bildung, Interviews, Schule
04.01.2013 -

Deutschland hat ein hochgradig ausdifferenziertes Förderschulsystem "Diese Exklusion ist eine Sackgasse", sagt Kersten Reich. "Ein gescheiterter Weg, den wir vor allem aus Gewohnheit gehen." Im Interview erklärt der internationale Lernforscher von der Universität zu Köln, warum Deutschland allen Kindern das Regelschulsystem anbieten muss und weshalb sich ein Blick über die Grenzen lohnt.

Inklusion meint in der Regel die Inklusion behinderter Kinder in die Regelschule. Trifft das den Begriff?

Kersten Reich: Der Inklusionsbegriff ist deutlich weiter gefasst. Er meint nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern er betrifft Menschen mit allen Formen von Benachteiligung. Von der Mehrzahl her sind das Menschen mit sozio-ökonomischen Benachteiligungen. Solche Benachteiligungen sind die wesentlichen Faktoren für eine benachteiligte Schulkarriere. In Deutschland im besonderen Maße, weil hier der Bildungserfolg besonders stark von der sozialen Herkunft abhängt. Dann gibt es aber auch noch andere Benachteiligungsfaktoren wie die Geschlechterzugehörigkeit, den ethnokulturellen Hintergrund und die Diversität in den Lebensformen. Wir haben also einen breiten Inklusionsbegriff in der heutigen Debatte. Auch die UN-Behindertenrechtskonvention bezieht sich auf solch einen weiten Inklusionsbegriff.

Bleiben wir dennoch zunächst bei den Kindern mit Behinderungen. Führt Inklusion zu mehr Bildungsgerechtigkeit? Oder haben die Befürworter der Förderschulen Recht, die sagen, dieses System der Exklusion sei gerecht?

Kersten Reich: Inklusion führt nicht notwendig zu mehr Bildungsgerechtigkeit, wenn man sich nicht an bestimmte Regeln hält. Inklusion zum Nulltarif oder zum gleichen Tarif wie das jetzige Schulsystem wird es nicht geben. Es müssen Ressourcen geschaffen werden, um Inklusion wirklich zum Gelingen zu bringen. Eines kann man aber den Gegnern der Inklusion ganz klar sagen: In fast keinem Land der Welt wird Exklusion als ein gangbarer Weg gesehen. Wir haben hier in Deutschland eine wirkliche Ausnahmestellung. Und die Gegner der Inklusion sind auch den Nachweis schuldig geblieben, dass das Sonderschulwesen tatsächlich den von ihnen versprochenen Erfolg hat. Denn die große Mehrheit der Sonderschülerinnen und Sonderschüler bekommen keinen Abschluss. Das Desaster dieses Schulsystems besteht darin, dass trotz der angeblichen besonderen Förderung so wenig dabei rauskommt! Andere Länder, die keine Exklusion in dieser Form haben, haben deutlich bessere Quoten, auch beim Übergang dieser Jugendlichen in die Berufswelt. Man kann also sagen, dass die Exklusion eine Sackgasse ist. Ein gescheiterter Weg, den wir vor allem aus Gewohnheit gehen.

Wie kommt es, dass Deutschland ein so ausgeklügeltes Sonderschulsystem hat?

Kersten Reich: Auf internationalen Tagungen höre ich oft, dass die Deutschen mit ihrer Selektionspraxis eine unheilvolle Geschichte haben und sie fortsetzen. Es leuchtet auch international überhaupt nicht ein, dass wir Lernschwierigkeiten oder Erziehungsschwierigkeiten oder Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung als eine Art Behinderung auffassen. Das wird im Ausland als besonders diskriminierend aufgefasst und das kann auch ich nur als Diskriminierung ansehen. Diese Sonderschulformen müssten sofort abgeschafft werden. Damit könnten wir rund Dreiviertel der Sonderschülerinnen und -schüler ins Regelschulsystem überführen. In dieser Hinsicht ist der auf Deutschland ausgeübte internationale Druck vollkommen berechtigt.

Und wie geht Deutschland mit diesem Druck um?

Kersten Reich: Einige Bundesländer nehmen bereits eine Vorreiterstellung ein. Sie haben die Abschaffung dieser Sonderschulen entweder durchgeführt oder signalisiert. Aber wir tun uns in der Tat schwer. Aus internationaler Sicht werden wir deshalb auch sehr kritisch betrachtet und es wird gefragt, warum die Menschenrechte bei uns nicht so breit wie in anderen Ländern durchgesetzt werden. Ich habe große Sorgen, dass man jetzt versucht, die Inklusion nicht effektiv genug umzusetzen. Denn eines muss man ganz klar sagen: Mit dem Unterzeichnen der UN-Behindertenrechtskonvention haben wir die rechtliche Verpflichtung, allen Kindern und Jugendlichen – egal wo sie herkommen – ein Regelschulsystem anzubieten. Und da kann es nicht sein, dass wir sie auf Sonderschulen verweisen.

Gibt es denn dafür eine "Deadline"?

Kersten Reich: Es gibt eine Monitoring-Stelle in Berlin, das Deutsche Institut für Menschenrechte, die mahnen, dass wir uns entschiedener auf den Weg machen müssen. Positiv kann man feststellen, dass sich etliche Kommunen auf den Weg gemacht haben. So hat zum Beispiel die Stadt Köln einen Inklusionsplan aufgestellt, der davon ausgeht, bis 2020 eine Regelbeschulung für viele Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten. Die Kommunen müssen jetzt diesen Punkt in Angriff nehmen. Andererseits sind die Kommunen in ihren Haushalten sehr knapp, sodass die Länder gefordert sind, sie auch ausreichend zu unterstützen.

Minister und Verbände betonen immer wieder, dass die Sonderschulen – sozusagen als Wahlmöglichkeit – weiter existieren müssen. Was halten Sie davon?

Kersten Reich: Es mag Übergangsfristen für einige der Sonderschultypen geben, z.B. für geistige Entwicklung oder bei Schwerstmehrfachbehinderten. Für viele in Deutschland ist es sehr ungewohnt, dass auch solche Menschen ins Regelschulsystem kommen können. Ich habe länger im Ausland gelebt und weiß aus eigenen Erfahrungen, dass es möglich ist. Auch da handeln wir sehr oft aus Gewohnheit und geben diesen Kindern und Heranwachsenden zu wenige Fördermöglichkeiten. Aber eines sollte ganz klar sein: Die Schwerpunkte Lernen, Erziehungsschwierigkeit und Sprache müssen möglichst schnell ins Regelschulsystem überführt werden. Es ist erforderlich, dass die Länder hier ein klares Signal setzen. Das kann und sollte dann auch dazu führen, dass die Bereitschaft zur Inklusion für alle Formen von Behinderung wächst.

All diese Schüler gehen dann also in die Regelschule?

Kersten Reich: So ist es auch international üblich. Und hier bildet Deutschland die Ausnahme. In sehr vielen Ländern besuchen die Kinder auch üblicherweise die ersten neun bis zehn Jahre gemeinsam eine Schule und lernen nicht in getrennten Schulsystemen. Wir wissen aus der Lernforschung sehr deutlich, dass wir diesen langen Zeitraum brauchen, um die entsprechenden Eigenzeiten, die individuellen Unterschiede der Schülerinnen und Schüler zu respektieren und ihnen mehr Entwicklungschancen zu geben. Schauen Sie sich nur die Abschlussquoten in anderen Ländern an. Wir sind weit zurück in den Statistiken, was die Abiturquote betrifft.

Aber bei den Bildungsverlierern sind wir vorn …

Kersten Reich: Ja, das zeigen auch die neuesten Studien. Noch immer sind etwa 15 Prozent der Schülerinnen und Schülern besonders stark abgekoppelt Diese Zahl ist seit 2001 unverändert groß.

Werden Sie als Wissenschaftler nicht langsam ungeduldig, wenn sich in diesen 11 Jahren so wenig geändert hat?

Kersten Reich: Ja, die Ungeduld wächst. Die Frage der Bildungsgerechtigkeit wird auch ein ganz großes Thema der Zukunft sein. Denn eines muss man ganz klar sehen: Was wir heute an Kosten oder an Reformen verweigern, werden wir in der Zukunft als Lasten zu tragen haben. Denn wenn diese Schülerschaft in so großen Prozentzahlen abgekoppelt ist, wird das große Folgekosten für die Gesellschaft bedingen. Und inwieweit wir diese dann bei dem demografischen Wandel tragen können, das ist sehr zu bezweifeln. Von daher wächst schon meine Ungeduld. Vor allen Dingen, wenn ich sehe, dass andere Länder, die vor etlichen Jahren noch deutlich hinter uns waren, uns jetzt mit Bildungserfolgen überholen.

Noch eine abschließende Frage. Sie verweisen in Ihren Veröffentlichungen immer wieder auf das Toronto-Statement. Was ist das?

Kersten Reich: Das District Schoolboard of Toronto ist das Beispiel eines kanadischen Bezirks, wo die Inklusion in Schulen in vorbildlicher Weise durch Regelungen für diese Schulen und für die Schülerinnen und Schüler, die Eltern, die Lehrerinnen und andere Beteiligte entwickelt wurde. Und wenn man dieses Modell auf Deutschland übertragen würde, was denkbar und möglich ist, dann hätten wir einen großen Gewinn.

Dieses Modell hat sich also bewährt?

Kersten Reich: Das hat sich sehr bewährt, ja, das ist auch praktisch erprobt. Man kann es auch besuchen und es gibt sehr viele Besucher, die Toronto als einen Modellstern der Inklusionslandschaft sehen.

Gibt es denn schon in Deutschland irgendwo einen Ansatz, der sich auf Toronto bezieht?

Kersten Reich: Ja, wir versuchen in Köln diesen Bezug herzustellen. Meine Universität versucht mit der Stadt Köln zusammen eine inklusive Universitätsschule zu gründen, die als Vorbild dienen soll und die eng mit der Lehrerausbildung verknüpft sein wird. Damit wollen wir ein positives Modell setzen und zeigen, was bei uns möglich ist. Wir wünschen uns, dass auch die Bildungspolitik in Bund und Land uns in dieser Hinsicht noch weiter unterstützen wird, denn heute sind klare Praxismodelle, die zeigen wie Inklusion gut gemacht werden kann, ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg.

Links

Themendienst didacta 2013

Dazu auf der didacta, 19.-23. Februar 2013 in Köln

Sonderschauen

Wege zur Inklusion

19.02. – 23.02.2013, Halle 7, Stand A28/B29
Veranstalter: Didacta Verband

Auf der Sonderschau werden die Besucher an Hand einer Fotoausstellung für das Thema informiert und sensibilisiert. Das Projekt soll animieren, die Notwendigkeit zu erkennen, sich mit der Thematik im Zusammenhang mit dem eigenen Tätigkeitsfeld auseinander zu setzen. In einem kleinen Forum auf der Fläche sollen Beispiele besonderer Förderung, wie sie derzeit praktiziert werden, dargestellt werden. Des Weiteren soll es einen Bereich zum Nachdenken und Reflektieren geben.

"Jedes Kind ein Könner"
19.02. – 23.02.2013, Halle 7, Stand B-068/C-069
Veranstalter: Waldorfpädagogik aktuell

Inklusion ist ein Ideal, das von Menschen verwirklicht werden muss. Die Idee der gleichberechtigten Partizipation aller Menschen am gesellschaftlichen Leben hat tief greifende Folgen für die Organisation von Schule und vor allem für die Grundidee vom Lernen. Inklusion kann nur funktionieren, wenn sich alle Schülerinnen und Schüler als Handelnde, also als "Könner" erleben, die täglich erfahren, dass sie auch mit Hindernissen fertig werden können. Bei der Inklusion geht es um nicht weniger als eine ganz neue Schulkultur, und dafür müssen alte Zöpfe fallen.

Als reine Wissensagentur hat die Schule längst ausgedient. Es geht schon längst nicht mehr um die bloße Akkumulation von Wissen, sondern um die Fähigkeit, dieses Wissen situationsbedingt zu erwerben, einzuordnen und zur Grundlage des eigenen Handelns machen zu können. Auch die Waldorfschulen erobern sich die Inklusion noch einmal neu. Es gehört allerdings seit jeher zu ihrem Selbstverständnis, Kinder und Jugendliche mit sehr unterschiedlichen Begabungen in gemeinsamen Klassen zu unterrichten. So konnten sie über Jahrzehnte Erfahrungen mit dem gemeinsamen Lernen sehr heterogen begabter Kinder und Jugendlicher sammeln und daraus eine Methodenvielfalt entwickeln, die den inklusiven Unterricht sehr begünstigt. Zu dieser Methodenvielfalt gehören auch zahlreiche künstlerische und handwerkliche Erfahrungsfelder, die weit über die reine Stoffvermittlung hinausgehen.

Der Weg des Lernens führt an Waldorfschulen fast immer vom eigenen Handeln (Selbstwirksamkeit) über die künstlerisch-kreative Bearbeitung des Stoffes bis zur eigenständigen Begriffsbildung. Lernen wird daher nicht primär als Wissensanhäufung, sondern als persönlicher Aneignungs- und Gestaltungsprozess erlebt. Dass die kulturelle und musisch-ästhetische Bildung einen unverzichtbaren Bestandteil der Persönlichkeitsbildung darstellt, wird vom Nationalen Bildungsbericht 2012 eindrucksvoll belegt. Die Sonderschau zeigt innovative Ansätze für einen handlungsorientierten Unterricht. Wie können die Schülerinnen und Schüler das Lernen als Entdeckungsreise kennenlernen, als Reise, die ein Leben lang anhält? Praktische Beispiele aus dem Unterricht zeigen, wie selbstbewusstes Handeln und angstfreies Lernen unmittelbar zusammengehören.

Dass ganzheitliche Lernansätze auch für Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern zu signifikanten Lernerfolgen führen, zeigt eine wissenschaftliche Evaluation der Arbeit der Interkulturellen Waldorfschule in Mannheim, ebenso wie die seit vier Jahren in Berlin erprobte Praxis der Gemeinschaftsschulen. Das Motto der inklusiven Förderung heißt daher: Jedes Kind ein Könner!

Forum Unterrichtspraxis Halle 9, Stand D30/E31

Fachgespräch "Inklusion im Englischunterricht"
Dienstag, 19. Februar 2013, 11.00 bis 12.00 Uhr
StD a.D. Otfried Börner, The English Academy Stefanie Phlippen, Studienrätin an Sonderschulen Prof. Dr. Karin Vogt, PH Heidelberg, The English Academy

Mit der Unterzeichnung der Behindertenrechtskonvention verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland zu dessen Umsetzung. Damit werden alle am Bildungsprozess Beteiligten vor enorme Herausforderungen gestellt. In einem Fachgespräch versuchen drei an unterschiedlichen Stellen mit dieser Aufgabe Befasste auf der Grundlage von allgemein- und schulpädagogischen Implikationen die besonderen Lösungsansätze für den Englischunterricht zu diskutieren. Dazu gehören insbesondere Fragen der Unterrichtsorganisation, der erforderlichen Lehr- und Lernmittel und unverzichtbarer Gelingensbedingungen.

Schritt für Schritt zur Inklusion
Donnerstag, 21. Februar 2013, 11.30 bis 12.30 Uhr
Gundula Dechow, Regel- und Sonderschullehrerin, FörderschwerpunktHören und Sprache
Katja Tews-Vogler, Gymnasial- und Sonderschullehrerin, Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, tätig am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein

Schritt für Schritt zeigen die Referentinnen einzelne Handlungsmöglichkeiten hin zu einer inklusiven Schule und einem inklusiven Unterricht auf. Sie erläutern, wie man kontinuierlich seinen Unterricht und seine Schule so verändern kann, dass Inklusion möglich ist und sich bereichernd auswirkt. Inklusive Pädagogik soll ALLEN Kindern gerecht werden: nicht nur denjenigen, die Migrationshintergrund haben oder durch soziale, psychische sowie andere Gründe am Lernen gehindert werden. Auch Hochbegabte, Kinder, die schneller lernen, die spezielle Kompetenzen oder Erfahrungshorizonte haben, benötigen andere Angebote als ihre Mitschüler. Diesem Anspruch gerecht zu werden und dennoch mögliche Entlastungseffekte für den Unterrichtsalltag zu nutzen, ist Gegenstand dieser Veranstaltung. Es geht um die Reflexion persönlicher Einstellungen, institutionelle Rahmenbedingungen und Unterrichtsentwicklung. Förderung des individualisierten Lernens in Deutsch, Englisch und Mathematik im

Spannungsfeld zwischen Bildungsstandards und Inklusion
Freitag , 22. Februar 2013 15.00 bis 16.00 Uhr
Bert Kerstin, Fachleiter am Studienseminar Bonn und Lehrer an der Gesamtschule Bonn-Beuel (Englisch)
Barbara Neißer, ehem. Fachleiterin, gegenwärtig als Moderatorin in der Lehrerfortbildung tätig und 2. Vorsitzende des Instituts für Teamarbeit und Schulentwicklung (Köln) (Deutsch)
Wolfram Schmidt, Fachmoderator und didaktischer Leiter einer Gesamtschule Wuppertal (Mathematik)

In dieser Veranstaltung soll an Beispielen aus den drei Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik gezeigt werden, welche Elemente für einen auf Individualisierung angelegten Unterricht förderlich sind: Das beginnt bei der Grundeinstellung der Lehrenden, die den Lernenden bewusst die Verantwortung für Phasen des Lernprozesses übertragen, setzt sich in der entsprechenden Strukturierung des Unterrichts fort, verlangt ein differenziertes Curriculum, diagnostische Kompetenz der Lehrenden, eine auf Individualisierung ausgelegte Aufgabenkultur und nicht zuletzt eine veränderte Form der Leistungsmessung.

"Unterrichtsstörungen inklusive?"
Chancen effektiven Classroom Managements fur Inklusion
Samstag, 23. Februar 2013 14.00 bis 15.00 Uhr
Prof. Dr. Thomas Hennemann, Universität zu Köln, Lehrstuhl für Erziehungshilfe, Department für Heilpädagogik
Prof. Dr. Clemens Hillenbrand, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Lehrstuhl für Pädagogik und Didaktik bei Beeinträchtigungen des Lernens, Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik

Wie kann ich allen Schülern eine unterstützende Lernumgebung bieten? Nach internationalem Forschungsstand reduziert ein gutes Classroom Management die Unterrichtsstörungen, es trägt zu mehr Lernerfolg und einer besseren sozial-emotionalen Entwicklung der Schüler mit Unterstützungsbedarf bei. Der Vortrag zeigt effektive Handlungsweisen und deren Transfer in die (eigene) Praxis. Classroom Management, am besten mit den Schülern gemeinsam entwickelt, bildet einen Schlüssel für erfolgreiche Inklusion.

Forum Bildung, Halle 6, Stand D48/E49

Schule und Gesellschaft
Donnerstag, 21. Februar 2013, 14.00 bis 15.00 Uhr
Prof. Dr. Bernd Ahrbeck, Institut für Rehabilitationswissenschaft en der Humboldt-Universität zu Berlin
Prälat Prof. Dr. Dr. Peter Beer, Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising
Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen
n.n., neue(r) Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Düsseldorf

Das Thema Inklusion ist das bildungspolitische Thema der Stunde. Unsere komplexe Gesellschaft steht durch die Übereinkunft der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (BRK) vor vollkommen neuen Herausforderungen. Seit März 2009 ist die BRK gültiges Bundesrecht. Die Schlüsselbegriffe Heterogenität, Selbstbestimmung, Vielfalt und Normalisierungsprinzip sind die Triebfedern einer neuen Entwicklung. Diese Veränderungen in der Gestaltung des Zusammenlebens in Vielfalt und Verschiedenheit werden auf dem Podium debattiert.
Moderation: Daniel Schneider, WDR

Möglichkeiten und Grenzen in der Regelschule
Freitag, 22. Februar 2013, 12.00 bis 13.15 Uhr
Dr. Heinz Klippert, Erziehungswissenschaft liches Fort- und Weiterbildungsinstitut der Ev. Kirchen in Rheinland-Pfalz, Landau
Prof. em. Dr. Ulf Preuss-Lausitz, Institut für Erziehungswissenschaft Technische Universität Berlin

Der Inklusionsgedanke löst in der Lehrerschaft zwiespältige Reaktionen aus. Zu Recht! Nachdem die meisten Schulen die Integration noch nicht im Griff haben, wird mit dem Anspruch auf "Inklusion" gleich noch eins draufgesetzt. Kein Wunder also, dass viele Lehrkräfte ratlos bis gereizt reagieren – nicht zuletzt wegen der fehlenden Rahmenbedingungen. Hier setzt die Gesprächsrunde an, um nach machbaren Perspektiven zu suchen: Was muss in der Lehrerbildung an sonderpädagogischer Kompetenz hinzugefügt werden? Welche Lehrerfortbildung muss angeboten werden? Welche personellen und materiellen Voraussetzungen zur Inklusion müssen geschaffen werden? Welche Ängste bei Lehrkräften und Eltern löst der Inklusionsbeschluss aus, der übrigens komplette Zustimmung in Bundestag und Bundesrat gefunden hatte?
Moderation: Peter E. Kalb, Redakteur der Zeitschrift "Pädagogik"

Inklusion: Wie geht´s?
Samstag, 23. Februar 2013, 11.00 bis 12.15 Uhr
Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung
Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen
Prof. em. Dr. Klaus Klemm, Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen
Hans-Peter Vogeler, Vorsitzender des Bundeselternrates

Die Gesellschaft insgesamt, besonders aber die Schule, tut sich schwer mit der Umsetzung der UN-Menschenrechtskonvention. Häufig gibt es keine personellen und materiellen Ressourcen zur Verwirklichung der Inklusion: Lehrkräfte und Schulbegleitpersonen fehlen oft, die Schulträger sind finanziell überfordert. Ein Anfang kann heute gelingen, wenn es eine Verständigung über die Ziele in der nahen Zukunft gibt: Lehrkräfte mit sonderpädagogischen Kompetenzen, eine Infrastruktur mit qualifizierten Fachleuten, geeignete Fortbildungen, angepasste und differenzierte Schulbücher.
Moderation: Peter E. Kalb, Redakteur der Zeitschrift "Pädagogik"

Markplatz Beruf ist Zukunft Halle 9, Stand A28/B29

Inklusion in den beruflichen Schulen
Mittwoch, 20. Februar 2013, 13.00 bis 13.45 Uhr
Manfred Hinz, Fachseminarleiter Sonderpädagogische Fachrichtungen, Dozent für Inklusion in der Lehrerweiterbildung

Verschiedene nationale und internationale Entwicklungen führen dazu, dass sich die beruflichen Schulen auch zu inklusiven Schulen entwickeln sollen. Aus spezifischen Forderungen lassen sich notwendige Maßnahmen ableiten, die den Schwerpunkt des Vortrags bilden: rechtliche Grundlagen und lokale Vernetzungen für Reha-Förderung, soziales Lernen initiieren, schwache Lerner anlernen, Schulentwicklung, sonderpädagogische Handlungskompetenzen entwickeln.

Kita-Seminare

Workshop 6: Inklusion live erleben- den Entwicklungsprozess gestalten
22.02.2013, 15:30 – 17:00 Uhr
Rheinsaal 2, Congress Centrum Nord
Referentinnen: Waltraud Istas-Schäfer, Helga Weiß

Was heißt Inklusion und welche Bedeutung hat das Thema für die Kita? Wie unterscheiden sich Inklusion, Segregation, Exklusion und Integration voneinander? Was ist der Index für Inklusion und wie kann er in der Kita eingesetzt werden? Welche Phasen gibt es in einem inklusiven Entwicklungsprozess? So lauten die Fragen dieses Workshops. Methodisch werden neben der visuellen Darstellung der Inhalte in interaktiven Sequenzen mittels Übungen, Reflexion und einem World Cafe-Prozess die Inhalte vermittelt und mit Beispielen aus der Praxis angereichert.

Workshop 2: Baustelle Inklusion- Beteiligungsrechte von Kindern anerkennen und sichern
22.02.2013, 13:30 – 15:00 Uhr
Rheinsaal 2, Congress Centrum Nord
Referentin: Petra Wagner

Inklusion zielt auf Bildungsgerechtigkeit, indem Barrieren erkannt und abgebaut werden, die kindliche Bildungsprozesse behindern. Das ist leichter gesagt als getan, verlangt es doch eine genaue Aufmerksamkeit auf mögliche Hindernisse, z.B. in den alltäglichen Abläufen und in der Kommunikationskultur einer Kita. Auch die Formen der Beteiligung sind daraufhin zu überprüfen, inwiefern sie inklusiv sind, es also Kindern mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Lernzugängen ermöglichen, sich in Entscheidungsprozesse einzubringen. Im Workshop wird nach einer Einführung in den Zusammenhang dieser Frage nachgegangen, indem Praxisbeispiele aus der Fachstelle KINDERWELTEN analysiert und diskutiert werden. Ziel ist eine vertiefte Sensibilisierung für den Anspruch Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung, eine inklusive pädagogische Praxis mit jungen Kindern zu realisieren, der es gelingt, "Vielfalt zu respektieren und Ausgrenzung zu widerstehen".

Workshop 1: Inklusion in der Kita- auf dem Weg zur Realisierung eines Rechts
22.02.2013, 13:30 – 15:00 Uhr
Rheinsaal 1, Congress Centrum Nord
Referentin: Daniela Kobelt Neuhaus

Kindertageseinrichtungen sind meist die ersten institutionellen Bildungsorte für Kinder und Familien und damit bedeutsame Weichensteller für inklusives Denken und Handeln. Hier lernen Kinder und Eltern gemeinsam mit den Fachkräften den individuell und kollektiv Gewinn bringenden Umgang mit einer großen Vielfalt an individuellen Kompetenzen und familiären Voraussetzungen. Im Workshop suchen wir nach jenen Faktoren, die den inklusiven Anspruch nach Chancengerechtigkeit befriedigen. Inklusion und Teilhabe sind Querschnittsthemen, die alle politischen und gesellschaftlichen Bereiche betreffen. Wie kann es dann gelingen, in der Kita für Kinder mit Behinderung und ihre Familien eine angemessene interdisziplinäre und individuelle professionelle und strukturelle Unterstützung aus einer Hand vorzuhalten?

Aktionstag: Inklusion praktisch

22.02.2013, 10:00 – 13:15 Uhr
Konrad-Adenauer-Saal, Congress Centrum Nord
Veranstalter: KTK-Bundesverband, BETA, Didacta Verband der Bildungswirtschaft

"Es ist normal verschieden zu sein Inklusion "- etliche Kitas haben sich bereits auf den Weg gemacht, damit dieser Satz für Kinder, Eltern, Erzieherinnen und Erzieher in ihren Einrichtungen selbstverständlich wird. Was aber heißt Inklusion, was bedeutet "inklusive Pädagogik" und wer ist dafür verantwortlich, dass die "gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben" auch in Tageseinrichtungen für Kinder außer Frage steht?Das Fachforum der beiden kirchlichen Kitaverbände gibt Impulse dafür, wie sich Erzieherinnen und Lehrer, Leiterinnen und Leiter sowie die Träger dieser Anforderung stellen können. Dabei geht es nicht nur um die Frage, welche strukturellen Voraussetzungen geschaffen sein müssen, um dem Auftrag gerecht zu werden, die Entwicklung jedes Kindes zu fördern und Benachteiligungen auszugleichen. Vielmehr geht es auch darum, den Blick zu öffnen für die bereichernde Verschiedenheit von Kindern und Erwachsenen im Lebensraum Kita.

Mit Pfarrer Rainer Schmidt und Professor Kai-Uwe Schablon wurden zwei Experten gewonnen, die sich dafür stark machen, Inklusion als persönliche, Ausgrenzung verhinderde Haltung zu verbreiten. Sie zeigen auf, wo Ausgrenzung beginnt und wie es gelingen kann, die Verschiedenheit von Menschen für reichhaltige und vielfältige Beziehungen zu nutzen, die unverzichtbare Merkmale eines gerechten und friedlichen Zusammenlebens im Sozialraum sind.Der KTK-Bundesverband und die Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder (BETA) möchten mit dieser Veranstaltung ermutigen, den Weg zu einer inklusiven Gesellschaft in ihren Kindertageseinrichtungen zu beschreiten.

Programm:

  • 10.00-10.30 Uhr: Begrüßung; Konrad-Adenauer-Saal, Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis, Präsident des Didacta Verbandes der Bildungswirtschaft; Frank Jansen, KTK Bundesverband
  • 10.30-11.10: Vortrag: Veränderung fängt in den Köpfen an. Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher, Prof. Dr. Kai-Uwe Schablon, Katholische Hochschule NRW, Münster
  • 11.15-13.00 Uhr: Impulsvortrag mit Forum: Da kann ja jeder kommen. Warum Inklusion für Kinder, Erzieherinnen und Erzieher gut ist, Pfarrer Rainer Schmidt, Dozent am Pädagogisch-Theologischen Institut, Bereich Integrative Gemeindearbeit, Bonn
  • 13.00-13.15 Uhr: Schlussbemerkung, Gerlinde Gehl, Vorstand BETA

Der Aktionstag ist kosten- und anmeldepflichtig. Preis: 29,- Euro. Die Eintrittskarte umfasst die Teilnahme am Aktionstag mit den Vorträgen, den Besuch der Messehallen und die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs (VRS-Ticket). Anmeldeschluss: 1. Februar 2013. Die Anmeldung unter www.didacta.de/

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10 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Edvige Vinci, am 04.01.2013, 18:18

hoffentlich ist die Zeit sehr bald vorbei, in der die Deutschen kleine Menschen in viele "Förder" Schubladen" stecken.

von Zeitgeistkritiker, am 08.01.2013, 22:01

Hoffentlich ist die Zeit bald vorbei, in der man alle Kinder über einen Kamm scheren und gleichmachen will. Hoffentlich hört die Verherrlichung des unterschiedlosen Massenmenschen in gleichförmigen Massenbetrieben bald auf. Jede Verleugnung des persönlichen Rechts auf individuellen Unterschied sowie entsprechende Behandlung und besondere Förderung ist unmenschlich.

von Nicole Nauerz, am 09.01.2013, 11:51

.....und hoffentlich gibt es genug geeignete Menschen, die die Förderschul-Kinder in den Regelschulen entsprechend begleiten können!

von B. Seidel, am 09.01.2013, 13:53

... und hoffentlich bekommen alle Kinder dann im Erwachsenenalter die gleichen Lebens-, Berufs- und Einkommensbedingungen.

Was nützt die Einheitsschule, wenn nicht später auch alles gleichgemacht wird?

von Skeptiker, am 10.01.2013, 11:47

@Nicole Nauerz

Es stimmt schon, was Sie sagen.

Allerdings haben mir Kollegen erzählt, dass viele Menschen, die die Förderschulkinder im Unterricht begleiten, eine enorme Unruhe bedeuten.

von Dr. Andreas Schulz, am 14.01.2013, 10:32

Was ist das erst für eine Gleichmacherei, alle Förderschüler standardmäßig in die Regelschulen zu schieben, ohne Förderbedarf und Fördermöglichkeiten des Schulorts zu berücksichtigen. Als ob in all den Jahren die Förderschulen schlechte Arbeit geleistet hätten. Tut man wirklich allen Förderschülern einen Gefallen sie zwanghaft inkludieren zu wollen?

von R. H., am 15.01.2013, 10:52

@Dr. Schulz

Nein, Förderschülern tut man mit Regelschulen sicher keinen Gefallen.

Aber Ideologie ist leider oft stärker als gesunder Menschenverstand.

von hans, am 16.01.2013, 19:37

Förderschüler werden durch die Bundesagentur für Arbeit diskriminiert. Hat ein Förderschüler einen Hauptschulabschluss erreicht - ja, so etwas gibt es gar nicht selten - dann wird er von der Berufsberatung so behandelt, als ob er diesen nicht hat. Benötigt dieser Förderschüler dann eine durch die BA geförderte Ausbildung z.b. bei einer ausserbetrieblichen Trägereinrichtung, dann wird ihm zunächst eine Berufsvorbereitungsmassnahme aufgedrückt und anschliessend eine Ausbildung in einem sog. Behindertenberuf (nach § 66 BBiG). Die Berufsberater, die diese "Chancen" verteilen, lassen sich nicht einmal auf einen Ausbildungsversuch in einer Regel-Ausbildung ein.

Ist es da nicht nachvollziehbar, dass Eltern die Förderschule meiden wollen???

von R.H., am 17.01.2013, 19:41

@hans

wenn das, was Sie beschreiben, tatsächlich gang und gäbe ist und nicht nur die fragwürdige Praxis einzelner Berufsberater, dann ist dies empörend.

Ich kann nur hoffen, dass Sie etwas "großzügig" verallgemeinern.

von hans, am 18.01.2013, 14:13

@R.H.

Ich glaube nicht, etwas grosszügig verallgemeinert zu haben - aber ich gebe zu, nur auf Berichte/ Erfahrungen mit jungen Menschen und Lehrern von (Sonder-)Schulen für soziale und emotionale Förderung (früher waren das Schulen für "Verhaltensgestörte")zurückgegriffen zu haben.

Vielleicht können Kolleginnen und Kollegen aus Lernhilfe-Schulen hierzu Weiteres beitragen?


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