URL: http://bildungsklick.de/a/86555/pruefstelle-fuer-kostenfreie-unterrichtsmaterialien-gefordert/
Artikel

Prüfstelle für kostenfreie Unterrichtsmaterialien gefordert

17.01.2013

(red/pm). Gegen ein zusätzliches Unterrichtsfach Wirtschaft hat sich jetzt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ausgesprochen. Außerdem fordern die Gewerkschaften eine Prüfstelle für kostenfreie Lehrmaterialien.

Ein Fach Wirtschaft, das alle Bezugsdisziplinen ausspart, sei weder sinnvoll noch praktikabel, heißt es in dem Schreiben des DGB, das an die Kultusminister der Bundesländer, an die Kultusministerkonferenz und an die Bundesbildungsministerin gerichtet ist. Es sei Aufgabe der allgemeinbildenden Schulen, Schülerinnen und Schüler umfassend zu bilden. Dies könne am besten durch eine sozioökonomische Bildung geleistet werden, die die verschiedenen Bezugsdisziplinen miteinander verzahnt und ökonomische Fragestellungen in Zusammenhang mit gesellschaftlichen, politischen oder ökologischen Aspekten behandelt.

Die Gewerkschaften beobachteten vor allem den Markt kostenfreier Lehrmaterialien mit großer Skepsis, heißt es in dem Brief weiter. "Besonders Wirtschafts- und Finanzverbände, Firmen und Stiftungen tun sich hier hervor", heißt es in dem Schreiben, das sich auch auf die Studie der Universität Augsburg bezieht, die jüngst erst 880.000 kostenfreie Lehrmaterialien im Internet aufgefunden hatte, die sich an Schulen und Lehrkräfte richten. Den Urhebern der Studie waren dabei insbesondere die Unterrichtsmaterialien von umsatzstarken Unternehmen aufgefallen, die – in Aufmachung und Layout mitunter sehr eindrucksvoll – ihren Werbungscharakter kaum verbergen könnten.

"Für die Lehrkräfte, die kostenlose Materialien online oder als Download nutzen wollen, ist das ein unübersichtlicher Markt, bei dem nicht immer klar zu erkennen ist, welche – wirtschaftliche oder politische – Intention hinter einem kostenlosen Angebot steckt", so die Autoren der Augsburger Studie. Auch die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat im Mai dieses Jahres anlässlich der Veröffentlichung ihres "Materialkompasses" moniert, dass Unternehmen "offen oder versteckt für ihre Produkte und Dienstleistungen" werben. Oft würden diese auch ihre Interessen "verstecken", indem sie bestimmte Aspekte weglassen oder überbewerten. "Hier müssen Lehrer/-innen und Schulleitung besonders aufmerksam sein und sensibilisiert werden", so die vzbv.

So fielen zum Beispiel die Allianz-Materialien "My finance Coach" durch eine schlechte Bewertung im Materialkompass auf. Ausgerechnet diese Materialien finden aber nach Auskunft der Gewerkschaft seit einiger Zeit offiziell in den öffentlichen Lehrerfortbildungsangeboten der Landesregierung Bayern Verwendung.

Besonders moniert der DGB, dass einseitige Materialien von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen öffentlich gefördert oder durch behördliche Kooperationsverträge unterstützt werden. Massiv kritisieren die Gewerkschaften, dass die Anbieter ihre kostenlosen Schulmaterialien mit einem eigenen "Gütesiegel" versehen. Damit solle Lehrkräften glauben gemacht werden, die Materialien seien von fachlicher und didaktischer Qualität und könnten bedenkenlos im Unterricht eingesetzt werden.

Anders als Schulbücher würden die kostenfreien Materialien keiner Qualitätskontrolle unterzogen. Die Auswahl, Beurteilung und Verwendung bleibe also allein den Lehrkräften überlassen. Deshalb fordern die Gewerkschaften in einem ersten Schritt eine staatlich verantwortete Prüfstelle, die Fremdmaterialien auf ihre fachliche und didaktische Qualität hin prüft, sie auf der Grundlage festgeschriebener Qualitätsstandards bewertet und Empfehlungen für Lehrende und Lernende im Bildungsbereich ausspricht.

Weitere Informationen


Zur Veröffentlichung freigegeben - bildungsklick.de


Zurück zum Artikel