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Letzte Änderung: 25.05.2012, 16:56
Deutsch als Muttersprache

Muttersprache Deutsch und Türkisch - zur Kritik an den Aussagen des türkischen Ministerpräsidenten Edogan

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Von Gerhard Stranz

02.03.2011 -

Mit seiner Aussage: "Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst gut Türkisch lernen", hat der türkische Ministerpräsident bei seiner Rede in Düsseldorf heftige Kritik ausgelöst. So hat dies u.a. der deutsche Außenminister, Guido Westerwelle, kritisiert, in dem er forderte, dass die Kinder die in Deutschland groß werden, zu allererst Deutsch lernen müssen. (Hinweise auf einige Medienberichte folgen.)

Anmerkungen:

Was ist denn an der Aussage von Herrn Edogan eigentlich anstößig?

Es ist doch völlig richtig und und auch menschlich verständlich, wenn in der türkischen Familie türkisch gesprochen und die Kinder selbstverständlich Türkisch als Muttersprache er-leben. Es ist doch auch hinlänglich belegt, dass die Muttersprache "der Schlüssel" zu sich selbst ist und der Öffner für die Begegnung mit anderen. Was steckt hinter der Aufregung? Mangelt es an der Wertschätzung von Menschen aus anderen Kulturen? Mangelt es an Erkenntnissen aus der Entwicklungspsychologie? Wird es nicht akzeptiert, wenn Kinder aus Migrationsfamilien aus Italien, Spanien, England oder China, die jeweilige Muttersprache sprechen und dies sogar als "bilingualer" Sprachvorteil eingeschätzt?

Wird es nicht als "normal" angesehen, wenn in deutschen Familien im Ausland selbstverständlich Deutsch als Muttersprache gilt und nicht die jeweilige Landessprache für die Kommunikation eingesetzt wird? Wieso gibt es im Ausland deutsche Schulen?

Beachtlich erscheint es u.a., dass es in NRW bis zum Jahr 2005 noch Förderungen gab, mit denen die Bedeutung der Muttersprache von Kindern u.a. durch den zusätzlichen Einsatz von "muttersprachlichen Fachkräften" in Tageseinrichtungen - wenn auch nur in beschränktem Umfang - gefördert wurde. Diese Förderprogramme wurden eingestellt und durch mit dem Sprachstandsfeststellungsverfahren "Delfin" ersetzt, bei dem bei Kinder mit Migrationshintergrund "Deutsch als Fremdsprache" getestet wurde. Ausgangspunkt war zu diesem Zeitpunkt die im Koalitionsvertrag von CDU und FDP die Aussage, dass in Deutschland die Muttersprache Deutsch sei. Dies ging bereits an der Lebensrealität der nicht nur in Nordrhein-Westfale lebenden Menschen vorbei.

3 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Björn Friedrich, am 02.03.2011, 13:15

Das Problem ist: Kinder müssen nicht ERST gut türkisch und DANN deutsch lernen, sondern beides zugleich! Bilinguale Erziehung lautet das Zauberwort, aber nicht eine Degradierung der deutschen Sprache zur Zweitsprache. Wir sind selbst eine deutsch-türkische Familie (meine Frau ist Türkin) und erziehen unseren Sohn zweisprachig, denn es spricht natürlich überhaupt nichts dagegen, dass türkische Kinder türkisch lernen! Erdogan sollte nur nicht die deutsche Kultur abwerten, was er leider oft tut.

von Dietlinde Schrey-Dern, am 09.03.2011, 10:27

Herr Friederich beschreibt die idealen Voraussetzungen für den bilingualen Erwerb, d.h. die Eltern sprechen in ihrer Muttersprache mit dem Kind.

Der sukzessive Zweitspracherwerb ist jedoch sehr viel häufiger anzutreffen. Die Ergebnisse der Mehrsprachigkeitsforschung zeigen, dass eine Zweitsprache auf der Grundlage einer Muttersprache erworben wird. Der Erwerb der Muttersprache hängt u.a. davon ab, wie die Eltern mit ihrem Kind kommunizieren, d.h. ob sie tatsächlich die Sprache, die sie beherrschen (Muttersprache) als Kommunikationsmittel einsetzen. Wenn Eltern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, Deutsch als Kommunikationsmittel einsetzen, wird sich dies auf den Spracherwerb der Kinder nachteilig auswirken.

Wenn Politik tatsächlich ein Interesse daran hätte, muttersprachlich nicht Deutsch sprechende Kinder beim Erwerb der Zweitsprache Deutsch zu unterstützen, würden die Rahmenbedingungen in den Kitas entsprechend geändert (z.B. Erzieherin-Kinder-Schlüssel, muttersprachliche Angebote, Elternberatung etc) und die Eltern der Kinder mit "ins Boot genommen". Denn Eltern, denen die Bedeutung der Zweitsprache Deutsch für den schulischen und beruflichen Erfolg ihrer Kinder nicht bewusst und denen die Voraussetzungen für einen ungestörten Zweitspracherwerb nicht bekannt sind, können schwerlich dazu beitragen, die Situation positiv zu verändern. Nur eine konzertierte Aktion zwischen Elternhaus, Kita und Schule kann das gegenwärtige Problem lösen.

von Hakan, am 29.03.2011, 21:26

Es stimmt nicht dass die Kinder beides lernen sollen, davon raten Sprachexperten ab da das Kind beide Sprachen nicht lernen kann.

Sie empfehlen zu erst die Muttersprache zu lernenn, dann die anderen Sprachen. Ein bischen googlen dann findet man genug Wissenschaftliche Inhalte die für die Muttersprache sind.


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