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Letzte Änderung: 25.05.2012, 16:56
Sinne im Elementarbereich

Vielfältige Erfahrungen sind der Schatz der Kindheit

Mehr zu: Bildungsstandards, Bildungswesen, Elementarbildung, Erzieherinnenausbildung, Frühe Förderung, Frühkindliche Bildung, Kinderkrippe, KITA, Kindergarten / Vorschule
Von Gerhard Stranz

30.11.2011 .

In einem beachtenswerten Beitrag der Fachzeitschrift "kindergarten heute" (11-12/2011, Seite 8 ff.) äußert sich Prof. Dr. Gerd E. Schäfer in einem Gespräch über Sinne und Sinneserfahrungen. (Das Gespräch wurde von Frau Dr. Christina Kotte geführt.)

Bereits in der Einführung weist die Chefredakteurin der Zeitschrift, Christine Merz-Foschepoth, in der Einführung zutreffend darauf hin, dass Prof. Schäfer in dem Interview auf eigentlich Selbstverständliches hinweist. Sie deutet damit aber gleichzeitig darauf hin, dass uns vielleicht schon etwas Wesentliches verloren gegangen ist, dessen elementare Bedeutung notwendigerweise wieder betont wird:

"Wahrnehmen ist eine Lebenstätigkeit. Sie begleitet auch uns Erwachsene bei allem, was wir neu entdecken."

So lautet eine zentrale Aussage von Prof. Schäfer.

Damit wird ein wesentlicher Kern deutlich, der in dem Gespräch ausführlicher entwickelt wird. Sinne wirken immer zusammen und können nicht isoliert betrachtet werden.

Dass das Thema Sinne in der Fachwelt noch nicht in zutreffende Weise angekommen ist, macht Prof. Schäfer daran deutlich, dass heute immer nur von einzelnen Sinnen gesprochen wird, die es zu fördern gilt. So erfolgte eine Konzentration auf "das taktile Moment", Bewegung, Sehen, Hören oder es wird auf Medien Bezug genommen, die die Sinne überreizen.

An der Entwicklung des kleinen Kindes werde aber deutlich, dass es sich "mit allen Sinnen" die Welt im Alltag zu eigen macht alle Sinne zusammen spielen, in dem das, was nicht gesehen werden kann, evtl. gehört oder gefühlt wird. Insofern gehe es immer um ein koordiniertes Zusammenspiel, in einer anregungsreichen Welt. So müsse der Alltag vielfältig und immer mit Beziehungserfahrungen verbunden sein. Es sei insofern unpassend, wenn Kinder über "einen Sinnespfad gejagt" werden, zumal Alltagserfahrungen eine viel intensivere sinnliche Bildung ermöglichen als ein "isoliertes Training".

Auf die Frage, wie er gezielte Schulung oder auch isolierte Trainings betrachtet äußerte Prof. Schäfer:

"Davon halte ich bei einem gesunden Kind rein gar nichts. Weil dadurch genau das gemacht wird, was den Kinder in der Schule das Lernen immer wieder vergällt: Kinder erfahren nicht, in welchem Lebenszusammenhang das, was sie lernen oder üben sollen, steht. Nehmen wir die Mutter, die ihr Kind mit Mozart beschallt, während sie schwanger ist, weil sie gehört hat, das sei gut für ihr Kind. Doch im Grunde hat die Mutter überhaupt kein Interesse an dieser Musik. Damit das Kind in Bezug auf Melodie, Rhythmus etc. angeregt wird damit es diese Wahrnehmung weiter differenzieren kann, braucht es eine Umgebung, in der Musik eine Bedeutung hat und die Melodien nicht nur abgedudelt werden. Nach der Geburt müsste es also weitergehen mit der Musik. Die Kinder brauchen eine Umwelt, in der es weitergehet."

Weitere Einlassungen befassen sich u.a. mit den Anforderungen an pädagogische Fachkräfte im Zusammenhang mit der "sinnlichen Bildung".

Kommentar:

Ich halte die von Prof. Schäfer angesprochenen Aspekte als sehr bedeutsam. Wir wären "von Sinnen", wenn die Bedeutung der Sinne im Elementarbereich nicht ganzheitlich erfolgen würde. Insofern können von Prof. Schäfer die in dem Gespräch geäußerten Erkenntnisse und Hinweise eine gute Anregung sein, zukünftig vielleicht "sinnvoller" Kinder zu begegnen.

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