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Letzte Änderung: 25.05.2012, 16:56
Statistik konkret

U3-Betreuung-Ganztagsplatzangebot und Hort - Kommentierte Daten machen auf Entwicklungen aufmerksam

Mehr zu: Bildungsausgaben, Bildungschancen, Bildungsgerechtigkeit, Bildungsmonitor, Bildungswesen, Elementarbildung, Frühe Förderung, Frühkindliche Bildung, Kinderkrippe, KITA, Kindergarten / Vorschule
Von Gerhard Stranz

04.12.2011 .

In der aktuellen Ausgabe der KOMDAT (Kommentierte Daten der Kinder- und Jugendhilfe), Dezember 2011, 3/11, Seite 1-3, geht Kirsten Fuchs-Rechlin u.a. auf der Grundlage der durch das Statistische Bundesamt zum 31.3.2011 herausgegebenen Daten auf Entwicklungen ein und geht im Zusammenhang mit dem in 2 1/2 Jahren zu erfüllenden Rechtsanspruch für alle Kinder ab dem 2. Lebensjahr auf die Frage ein, ob bis dahin überhaupt bedarfsgerechte Angebote zur Verfügung stehen. Sie wirft aber auch einen Blick auf die Altersgruppe der Kinder über 3 Jahren, zumal das Angebot mit Ganztagsplätzen sehr unterschiedlich ausgeprägt ist und macht auch darauf aufmerksam, dass in Bezug auf die Förderung von schulpflichtigen Kindern im Alter bis 14 Jahren in der Bundesrepublik der Hort ein ganz unterschiedliche Wertschätzung erfährt.

Um den im Jahr 2009 (!) durch die DJI-Surveys AID:A ermittelten Elternwunsch nach einem Betreuungsangebot für ein Kind unter 3 Jahren zu entsprechen, müsste das Angebot in Westdeutschland 37 % / in Ostdeutschland 51 % liegen. In den westlichen Ländern müssten in den verbleibenden 2 1/2 Jahren noch 181.000 Plätze in Einrichtungen und 84.000 in Tagespflege geschaffen werden = 105.600 Plätze pro Jahr!

Aufgrund des bisherigen Ausbautempos wird erwartet, dass nur das Land Rheinland-Pfalz dieses Ziel erreicht. Dem Ausbauschlusslicht NRW (15,6 %) wird das Erreichen des Ziels nicht bestätigt, obwohl NRW einen überproportional hohen Anteil an Kindertagespflege vorhält (28,3 %).

Einen überdurchschnittlich hohen Anteil erreicht NRW bei der Anzahl der Ganztagsplätze für Kinder über 3 Jahre. Gleichwohl entspricht die erreichte Größenordnung nicht dem tatsächlichen Bedarf, zumal der Zuwachs an Plätzen im Gesetz selbst beschränkt wurde.

Bei der Förderung von Kindern im schulpflichtigen Alter bis zum 14. Lebensjahr spielt bundesweit der Hort eine zunehmende Bedeutung. Im Jahr 2011 wurden mit rd. 440.000 Kindern 83.000 mehr als im Jahr 2006 gefördert. Diese generelle Tendenz unterscheidet sich jedoch zwischen den östlichen Ländern, in denen der Hort eine größere Bedeutung erlangt, und den westlichen Ländern, in denen der Zuwachs nur deshalb festgestellt wurde, weil sein Ausbau vor allem in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern erfolgt. In NRW wurde ein Rückgang um 20,8 % festgestellt.

Kommentar:

Dieser Rückgang ist mit dem Ausbau der Angebote der OGS in NRW verbunden, die anstelle der Hortförderung unter "verbilligenden" Vorzeichen betrieben wurde und insofern in keiner Weise das gleiche qualitative Angebot leisten kann. Mit der finanziellen Substanz von 40.000 abgebauten Hortplätzen wurden in NRW 160.000 OGS Plätze finanziell ausgestattet. Dass damit in keiner Weise eine entsprechende personelle und sachliche Ausstattung sichergestellt werden kann, ist offensichtlich. Belastend bei der Finanzierung der Offenen Ganztagsschulangebote ist darüber hinaus nach wie vor, dass bei der ursprünglichen Bemessung der Pauschalen, die sich an den Durchschnittskosten von Lehrern orientierte, ein eklatanter Rechenfehler begangen und bis heute nicht korrigiert wurde: Es wurde anstelle des Bruttoarbeitslohns die Nettovergütung herangezogen, während selbstverständlich jeder Träger einer OGS u.a. auch den Arbeitgeberanteil der beschäftigen Mitarbeiterinnen aufbringen muss.

Damit wird deutlich, dass hinter den Daten sowie neben vergleichenden Betrachtungen noch andere Zusammenhänge zu berücksichtigen und vor allem die Auswirkungen von Schwerpunktsetzungen in Bezug auf die Qualität von Angeboten sowie die Chancengleichheit von Kindern in verschiedenen Ländern bedacht werden müssen.

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