Bildung im internationalen Vergleich - OECD-Veröffentlichung "Bildung auf einen Blick 2006"
Gemeinsame Presseerklärung von BMBF und KMK
Mehr zu: Ausbildungsreife, Bildungsbericht, Bildungswesen, Duale Ausbildung, Föderalismus, Hochschulpakt, Klassenfrequenz, Lebenslanges Lernen, OECD-Studie "Bildung auf einen Blick", PISA (Studie), Schulabbrecher, Schülerzahlen, Übergang zur Berufsausbildung, Schule, Hochschule, Berufliche Bildung, WeiterbildungDer Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung Andreas Storm, die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die Schleswig-Holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave und Andreas Schleicher, Leiter der Abteilung für Bildungsstatistiken und –indikatoren der OECD, haben am Dienstag den 12.09.2006 in Berlin die neue Ausgabe des OECD-Berichts Bildung auf einen Blick (Education at a Glance) vorgestellt. Die Veröffentlichung enthält eine Vielzahl von Indikatoren zu zentralen bildungspolitischen Fragen und beleuchtet diese aus einer internationalen Perspektive.
Bildung auf einen Blick hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Bezugspunkt für die bildungspolitische Diskussion in Deutschland entwickelt und ist eine wichtige Datengrundlage für den auf Initiative von Bund und Ländern dieses Jahr erstmals vorgestellten nationalen Bildungsbericht. Der internationale Vergleich und eine nationale Berichterstattung, die die Besonderheiten des nationalen Bildungssystems herausstellt und analysiert, ermöglichen zusammen die Identifizierung von Stärken und Schwächen des Bildungssystems in Deutschland. Sie sind damit eine Orientierungshilfe bei der Entwicklung von Reformstrategien.
Die in Bildung auf einen Blick verwendeten Kennzahlen zu den Investitionen in Bildung, zur Bildungsbeteiligung, zu Lernergebnissen und Bildungsstand sowie über den Zusammenhang zwischen Bildung und Beschäftigung ermöglichen die gezielte Steuerung von Förderungen nachfolgender Generationen. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung gewinnt dieser Bereich zunehmend an Bedeutung.
Die im diesjährigen Band verwendeten Basisdaten stammen überwiegend aus den Jahren 2003 und 2004.
Deutschland gehört zu den vom demografischen Wandel am stärksten betroffenenLändern
Der demografische Wandel ist eine der großen Herausforderungen, vor denen die Bildungssysteme stehen. Daher werden in Bildung auf einen Blick auch Prognosen der Bevölkerungsentwicklung einbezogen. So wird für Deutschland von 2005 bis 2015 eine Verringerung der Schülerzahlen im Primar- und Sekundarbereich I um 14 % erwartet. Dies ist weit mehr als im OECD-Durchschnitt (-6 %). Damit gehört Deutschland in der OECD zu den Ländern mit dem stärksten Rückgang künftiger Schülergenerationen. Weitere, noch deutlichere Rückgänge sind in den darauf folgenden Jahren zu erwarten. Ändert sich die Anzahl der Bildungsteilnehmer in einzelnen Bildungsbereichen deutlich, hat dies Auswirkungen auf Bereiche wie Klassengrößen, die benötigte Anzahl von Lehrpersonal und Bildungseinrichtungen, deren Erreichbarkeit sowie die Anzahl der für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Absolventen. Es müssen deshalb weitere Schritte unternommen werden, um auch in Zukunft mit ausreichend gut qualifizierten Fachkräften Deutschlands Spitzenposition im internationalen Wettbewerb sichern zu können.
Bildungsstand der Erwachsenenbevölkerung hoch
Je höher der Bildungsstand der Bevölkerung, desto besser ist eine Gesellschaft für die Anforderungen der modernen Lebens- und Arbeitswelt gerüstet. Die deutsche Bevölkerung ist im internationalen Vergleich gut ausgebildet: In Deutschland hat ein Fünfjähriger durchschnittlich 13,4 Jahre in Bildungseinrichtungen vor sich, die er in der Schule, der beruflichen Bildung oder in einem Studium verbringt. Diese hohe Bildungserwartung wird nur von Norwegen mit 13,9 Jahren übertroffen. Ebenfalls an 2. Stelle hinter Norwegen liegt Deutschland mit seinem sehr hohen Anteil eines typischen Altersjahrgangs, der einen Abschluss des Sekundarbereichs II (Hochschulreife, Fachhochschulreife oder Berufsausbildung) erreicht. Dies ist nicht zuletzt ein Erfolg der dualen Berufsausbildung, die für fast die Hälfte der jüngeren Bevölkerung die Hauptqualifikation darstellt.
Von den Hochschulabsolventen hat ein Drittel ein Studium in Mathematik, Natur- oder Ingenieurwissenschaften absolviert – nur Korea hat mit 40 % einen höheren Anteil. Verbesserungsbedarf besteht insbesondere hinsichtlich dem nach wie vor engen Zusammenhang zwischen Schulleistungen und sozialer Herkunft sowie der hohen Wiederholerquoten in den Schulen. Die von den Ländern beschlossenen Maßnahmen zielen insbesondere darauf, langfristig die Zahl der Schulabbrecher zu reduzieren, da sie einem besonders hohen Arbeitslosigkeitsrisiko ausgesetzt sind, sowie die Ausbildungsreife junger Menschen zu verbessern.
Positiver Trend bei der Anzahl der Hochschulabsolventen
Der Anteil der Hochschulabsolventen am jeweiligen Altersjahrgang ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen: Hatten 2000 19,3 % eines Altersjahrgangs ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium abgeschlossen, waren es im Jahr 2004 20,6 %. Auf Grund der positiven Entwicklung bei den Studienanfängern wird auch die absolute Zahl der Hochschulabsolventen in den kommenden Jahren weiter steigen und sich in einer höheren Absolventenquote niederschlagen. Allerdings liegt Deutschland damit noch weit unter dem OECD-Mittelwert von 34,8 %. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass Deutschland über ein sehr effektives System der beruflichen Ausbildung verfügt, das viele sehr gut qualifizierte Fachkräfte für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stellt.
Aufgrund der demografischen Entwicklung läuft Deutschland jedoch Gefahr, den Anschluss bei der Ausbildung von Hochqualifizierten zu verlieren: Bei gleichbleibender Entwicklung würde der Anteil der Hochschulabsolventen aus Deutschland an allen Hochschulabsolventen in der OECD um einen Prozentpunkt sinken.
Schulen, Hochschulen, die Länder und der Bund unternehmen vielfältige Anstrengungen, um zu weiteren Verbesserungen der Ausbildung zu gelangen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gilt es insbesondere, den in den kommenden Jahren noch relativ zahlreich zu erwartenden Schulabsolventen gute Bedingungen zur Weiterqualifizierung zu schaffen. Den Herausforderungen, vor denen die Hochschulen stehen, wollen sich Bund und Länder auch in veränderter föderaler Aufgabenteilung gemeinsam stellen - jeder in seinem spezifischen Verantwortungsbereich. Bis zum Ende des Jahres werden der Bund und die Länder einen Vorschlag zu einem Hochschulpakt vereinbaren. Ziel ist es, allen jungen Menschen, die die Voraussetzungen dafür mitbringen, den Zugang zu den Hochschulen zu ermöglichen.
Die Weiterbildungsbeteiligung muss verstärkt werden
In einer Gesellschaft, in der der Anteil der Älteren stetig steigt, gewinnt auch die berufsbezogene Fort- und Weiterbildung an Bedeutung. Lebenslanges Lernen ist notwendig, um den sich ändernden Anforderungen gerecht werden zu können. Dabei ist neben der Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen an sich auch deren Umfang von entscheidender Bedeutung. In Bildung auf einen Blick 2006 wird daher die unter den bestehenden Bedingungen zu erwartende Stundenzahl, die während eines Berufslebens in Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen verbracht wird, ausgewiesen. Für Deutschland lag dieser Wert im Jahr 2003 bei 398 Stunden, elf Stunden mehr als der OECD-Mittelwert. Deutschland befindet sich somit im gehobenen Mittelfeld der OECD-Staaten. Jedoch ist die Teilnahmequote mit 12 % geringer als im OECD-Durchschnitt (18 %). Es bestehen also noch Aktivierungspotentiale, die für eine breitere Verankerung von Fort- und Weiterbildung in der Gesellschaft zu nutzen sind. Das BMBF prüft verschiedene Modelle zum Bildungssparen und knüpft damit an die Empfehlungen der Expertenkommission Finanzierung Lebenslangen Lernens an. Sie zielen darauf ab, die Bildungsbeteiligung zu erhöhen und dabei auch diejenigen zu motivieren, die bislang noch nicht ausreichend aktiv sind.
Befriedigende Mathematikergebnisse
Bildung auf einen Blick referiert auch in diesem Jahr wieder Teilergebnisse von PISA 2003. Mit einem Anteil von rund 22 % Schülern, die bei PISA 2003 höchstens die unterste Kompetenzstufe in Mathematik erreicht haben, liegt Deutschland international im Mittelfeld. Dafür erreichen überdurchschnittlich viele Schüler die Kompetenzstufe 4 oder eine höhere auf der sechsstufigen Kompetenzskala. Auffällig ist das erhebliche Risiko für Schülerinnen und Schüler mit schwächerer sozioökonomischer Herkunft, zu den leistungsschwächsten Mathematikschülern zu gehören. Gleichzeitig liegt Deutschland mit einem Anteil von mehr als 20 % der 15-Jährigen, die bereits mindestens ein Schuljahr wiederholt haben, erheblich über dem OECD-Durchschnitt von 13 %. Die Länder haben nach PISA 2000 Konzepte entwickelt, um die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit verzögerter Schullaufbahn deutlich zu verringern. Die Kultusministerkonferenz hat am 8. September gemeinsam mit dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) eine Fachtagung anlässlich der Veröffentlichung des Unterrichtshandbuchs zum standardbasierten Mathematikunterricht in der Sekundarstufe I veranstaltet.
Seit der ersten PISA-Veröffentlichung hat die Kultusministerkonferenz einen Schwerpunkt der qualitätssichernden Maßnahmen und Reformen auf die wirksame Förderung bildungsbenachteiligter Kinder, insbesondere mit Migrationshintergrund gelegt. Erste Reformschritte sind eingeleitet worden. Erklärte Ziele der Länder sind insgesamt gute Leistungsergebnisse sowie eine Entkopplung von sozialer Herkunft und erreichter Kompetenz.
Eine Zusammenfassung der wesentlichen Aussagen der Studie ist im Internet auf der Homepage des BMBF sowie der KMK abrufbar: www.bmbf.de und www.kmk.org
Bildung auf einen Blick kann zum Preis von 65€ (53€ im Abonnement) erworben werden über www.wbv.de,
Email:
Tel. 0521/91101-11,
Fax 0521/91101-19
sowie über den Buchhandel
Anlage:
Wesentliche Aussagen in der OECD-Veröffentlichung "Bildung auf einen Blick", Ausgabe 2006 (im .pdf-Format).
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