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Lehrer: Mangelware oder Überangebot?

VBE: Aussagen der Politik müssen verlässlich sein

Mehr zu: Lehrermangel, Unterrichtsversorgung, Weiterbildung, Weiterbildung, Hochschule, Schule
Dortmund, 21.09.2006 -

"Die heute im Schulausschuss vorgestellte Prognose zum Lehrerbedarf zeigt, dass auch in Zukunft die Fächerkombination der entscheidende Faktor sein wird", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). "Die Landesregierung muss sich allerdings fragen lassen, wie sie den Spagat zwischen der von ihr gewünschten Freiheit der Hochschulen und der nötigen Steuerung im Lehrerbereich bewältigen will."

Der VBE begrüßt, dass das Ministerium für Schule und Weiterbildung eine aktualisierte Lehrerbedarfsprognose herausgegeben hat, die auch den fächerspezifischen Bedarf in den einzelnen Schulstufen beschreibt. Diese Prognose ist geeignet, den am Lehrerberuf Interessierten wichtige Informationen für ihre Studienplanung an die Hand zu geben. Beispielsweise zeigt sie, dass zurzeit insgesamt zu wenige Studierende für ein Lehramt der Sekundarstufe I eingeschrieben sind, dass der Bedarf aber auch stark fächerabhängig ist.

Bisher gegebene Studienempfehlungen müssen aufgrund dieser Prognose neu überprüft werden. Beispielsweise kann nicht mehr die Empfehlung gegeben werden, Chemie für das Lehramt zu studieren, weil es hier bereits jetzt eine Überkapazität gibt. Auch die bisher vorausgesagten guten Einstellungschancen am Berufkolleg sind dort in vielen Fächern nicht mehr gegeben. Bereits ab dem Schuljahr 2008/09 sind die Einstellungschancen z.B. für das Fach Wirtschaft an dieser Schulform minimal.

Da die erste Phase der Lehrerausbildung an den Hochschulen angesiedelt ist, müssten diese auch in die Pflicht genommen werden, ihr Lehrangebot nicht völlig losgelöst vom künftigen Bedarf auf dem Lehrerarbeitsmarkt zu gestalten. Anderenfalls kann es passieren, dass sie Fächer ausbauen, die im Lehramtsbereich nicht gebraucht werden, und andere abbauen, die dringend benötigt werden.

"Zur Zeit ist völlig unklar, wie der Anspruch, die Hochschulen in die Freiheit zu entlassen, mit der Notwendigkeit zusammengehen kann, für ausreichend qualifizierten Nachwuchs in den Schulen zu sorgen", so Beckmann weiter. "Wenn die Politik zu Recht Qualitätsentwicklung in den Schulen fordert, darf sie aber nicht auf ihre Steuerungsfunktion verzichten und es den Hochschulen alleine überlassen, ob diese Wert auf eine qualifizierte Lehrerausbildung legen oder nicht."

"Die Landesregierung ist gefordert, ein Konzept vorzulegen, wie sie die Besten für ein Lehramtsstudium gewinnen und den Spagat zwischen der Freiheit der Hochschulen und den nötigen Ausbildungskapazitäten will", so Beckmann abschließend. "Wenn die Landesregierung das ständige Auf und Ab von Lehrerüberangebot und Lehrermangel durchbrechen will, muss sie sich an ihre einmal gemachten Aussagen über künftige Einstellungen auch halten."

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