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Lehrer nehmen Präventionsangebote an

Institut für Gesundheit in Pädagogischen Berufen (IGP) blickt auf erstes Arbeitsjahr / Institutsleiter Prof. Bauer: "Beleidigungen gehen Lehrern an die Substanz"

Mehr zu: Bayern, Förderschule, Gymnasium, Hauptschule, Prävention, Schulstress, Sport, Schule
München, 17.11.2006 -

Mit dem vor einem Jahr gegründeten "Institut für Gesundheit in Pädagogischen Berufen" (IGP) ist ein wichtiger Schritt in Richtung Gesundheitsprävention für schulische Lehrkräfte gelungen. Rund 1.000 bayerische Lehrerinnen und Lehrer haben im vergangenen Jahr die Angebote des Instituts in Anspruch genommen. "Zentrales Ziel unserer Arbeit ist es, stressbedingte Erkrankungen in der Lehrerschaft zu vermindern", erklärt Institutsleiter Prof. Joachim Bauer. Im Mittelpunkt stehen Aufklärung, Prävention und Unterstützung in Notsituationen. Das IGP ist ein Selbsthilfeprojekt des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), das inzwischen bundesweit auf Interesse stößt.

"Die hohe Zahl an stressbeding-ten Erkrankungen unter Lehrern hat uns vor einigen Jahren alarmiert. Unsere Antwort darauf war die Gründung unseres Gesundheitsinstituts", erinnert BLLV-Präsident Albin Dannhäuser. "Wir fordern nachdrücklich bessere Arbeitsbedingungen in der Schule. Der BLLV ist allerdings gleichzeitig selbst aktiv und versucht, Lehrerinnen und Lehrern zu helfen." Das Institut wird in Kooperation mit der Bayerischen Beamtenkrankenkasse umgesetzt.

Der Lehrerberuf ist ein Stressberuf, der in vielen Fällen krank macht. "Die psychische und physische Belastung im Lehrerberuf ist überdurchschnittlich hoch", so Institutsleiter Bauer. Eine Untersuchung Bauers bei über 900 Freiburger Gymnasial- und Hauptschullehrern hat alarmierende Ergebnisse zu Tage gefördert: So waren 53,2 % der befragten Hauptschullehrer und 29,0 % der Gymnasiallehrer innerhalb eines Schuljahres mit massiven persönlichen Beleidigungen bis hin zur Androhung von Gewalt konfrontiert. Zugleich waren über 40 % der Lehrer mit Beschwerden und Vorwürfen konfrontiert, die ihnen von Eltern gemacht wurden. Ein Drittel der Dienst tuenden Lehrerinnen und Lehrer berichtete über stressbedingte Gesundheitsbeschwerden.

Bauer: "Während sich die Zeit, die sich Eltern ihren Kindern zuwenden, teilweise auf wenige Minuten am Tag reduziert hat, gelingt es in der Schule immer weniger, bei Schülern Interesse, Aufmerksamkeit und ein Mindestmaß an Disziplin zu finden. Kinder brauchen außerhalb der Schule mehr Zuwendung und Förderung, wenn sie Motivation und soziale Kompetenz entwickeln sollen. Elterliche Sorge sowie Förderung durch sportliche oder musikalische Angebote wurden inzwischen bei vielen Jugendlichen aber weithin durch stundenlange Medienverwahrlosung ersetzt."

Der Potsdamer Psychologe Prof. Uwe Schaarschmidt, der eng mit dem Institut des BLLV zusammenarbeitet, untersucht seit 1998 verschiedene Berufsgruppen auf ihre Belastung. Er kam zu dem Ergebnis, dass es besonders die engagierten Lehrer sind, die "ausbrennen" und am sog. Burn-out-Syndrom erkranken. Schaarschmidt stellte auf einer Fachtagung des Instituts in München fest, dass die Belastung der Lehrer seit 1998, als er mit den empirischen Untersuchungen begann, noch gestiegen sei. Besonders gravierend ist nach Einschätzung Dannhäusers die Belastung für Grund-, Haupt-, Real- und Förderschulen in sozialen Brennpunkten. Soziale Verwahrlosung und kulturelle Entfremdung von Kindern mit Migrationshintergrund dominieren in diesen Schulen oft den Alltag. "Für Hauptschullehrer zum Beispiel wird es immer schwieriger, ihre Schüler zu motivieren, weil die Chancen auf einen Ausbildungsplatz gering bis aussichtslos sind. Die Atmosphäre im Klassenzimmer ist nicht selten gekennzeichnet von Perspektivlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Resignation, aber auch Wut und Zynismus. Wer dauerhaft solchen negativen Stimmungen ausgesetzt ist, wird krank - dazu braucht es eigentlich gar keinen wissenschaftlichen Nachweis", betonte der BLLV-Dannhäuser.

"Das IGP will vorbeugende Angebote bereitstellen, die verhindern, dass Schule die Lehrer krank macht", betonte Bauer. "Nötig ist es, neue Wege der Prävention und berufsspezifischen Unterstützung zu gehen. Wir haben damit vor einem Jahr begonnen." Das aktuelle Angebot besteht im Kern aus einem Netz an Präventions- Aufklärungs- und Beratungsangeboten. Rat- und Hilfesuchende erhalten im Gesundheitsinstitut kompetente Beratung und werden individuell über konkrete Hilfsmöglichkeiten informiert. An das IGP-Team können sich alle Pädagogen in Bayern wenden. Angeboten werden dort Fortbildungsveranstaltungen, Coaching-Gruppen, Informationsschriften und Fachtagungen. Vom Institut aus werden auch die BLLV-Gesundheitstage organisiert. Inzwischen wurden sie von über 3.000 Lehrerinnen und Lehrern besucht. Sie finden regelmäßig in allen bayerischen Bezirken statt.

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