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Wie(viel) arbeiten Lehrer?

VBE macht ersten Schritt zu neuem Arbeitszeitmodell

Mehr zu: Lehrerarbeitszeit, Nordrhein-Westfalen, Schulbuch, Schulverwaltung, Schule
Dortmund, 23.11.2006 -

„Der VBE möchte mit der jetzt startenden Umfrage zur Lehrerarbeitszeit die Diskussion über ein zukunftsfähiges Arbeitszeitmodell für Lehrerinnen und Lehrer in Gang bringen“, erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). „Das gültige Arbeitszeitmodell ist aus vielen Gründen nicht mehr zeitgemäß.“

Aus Sicht des VBE sollen für das Arbeitszeitmodell der Zukunft drei Größen entscheidend sein:

  1. Die Qualität schulischer Arbeit
  2. Die Gesamtarbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer, die sich an einem Jahresarbeitszeitmodell orientiert
  3. Die Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer

Das zurzeit gültige Lehrerarbeitszeitmodell stammt aus dem 19. Jahrhundert. Seine zentrale Orientierungsgröße für die Festlegung der Lehrerarbeitszeit ist bis heute die je nach Schulform unterschiedlich hohe Pflichtzahl der zu erteilenden Unterrichtsstunden. Weil diese als Orientierungsgröße gilt und die anderen anfallenden Aufgaben nicht detailliert ausgewiesen bzw. berechnet werden, wird die Pflichtstundenzahl unter Spardruck auch gerne mal erhöht.

„Wir brauchen aussagekräftige Daten darüber, wie sich die Arbeitszeit von Lehrerinnen und Lehrern tatsächlich zusammensetzt, um Alternativen zu diesem Modell entwerfen zu können“, so Beckmann weiter. „Diese Daten werden uns nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer selbst, sondern darüber hinaus auch andere Experten liefern. Auf dieser Basis kann man dann über ein zukunftsfähiges Arbeitszeitmodell nachdenken.“

Die Umfrage beschränkt sich nicht nur auf den Ist-Zustand der Lehrerarbeitszeit, sondern will auch den Soll-Zustand erfassen. Deshalb sollen Lehrerinnen und Lehrer selbst einschätzen, wie viel Zeit sie für bestimmte Aufgaben tatsächlich benötigen und wie viel Zeit die jeweiligen Aufgaben sie kosten sollten. Diese Fragen nach dem Ist- und Soll-Zustand werden dann auch Expertinnen und Experten vorgelegt, die indirekt mit Lehrerarbeit beschäftigt sind, z.B. Schulleitungen, Schulaufsichtsbeamte, Schulbuchautoren, Schulpsychologen u. a.

Die Selbsteinschätzung der Lehrerinnen und Lehrer soll dann mit dieser Fremdeinschätzung verglichen werden, damit kein einseitiges, nur subjektiv geprägtes Bild entsteht.

Die Fragebögen wurden von den beiden Wissenschaftlern Prof. (em.) Uwe Schaarschmidt (Uni Potsdam) und Prof. Bernhard Sieland (Uni Lüneburg) entworfen, die die gemeinsam mit VBE gegründete Projektgruppe QuAGiS (Qualität, Arbeit und Gesundheit in Schulen) leiten. Die beiden Wissenschaftler wurden vom VBE beauftragt, auf der Basis der jetzt zu erhebenden Daten ein neues Arbeitszeitmodell für Lehrerinnen und Lehrer zu entwickeln.

siehe: http://www.quagis.de

„Wir wenden uns mit dieser Umfrage bewusst an alle Schulformen und sorgen dafür, dass alle Lehrerinnen und Lehrer in NRW die Möglichkeit bekommen, sich daran zu beteiligen“, so Beckmann weiter. „Je mehr Rückmeldungen wir bekommen, umso besser ist die Grundlage für die Entwicklung eines neuen Arbeitszeitmodells, das auch die Politik überzeugen kann.“

In NRW wurde die Lehrerarbeitszeit zuletzt im Jahr 1999 durch die Unternehmensberatung Mummert und Partner untersucht. Politische Konsequenzen wurden aus deren Ergebnissen aber nicht gezogen. Seitdem hat sich an den Schulen in NRW einiges verändert. Für Lehrerinnen und Lehrer sind viele neue Aufgabenbereiche hinzugekommen, die nirgendwo erfasst werden.

„Wer sich ausschließlich an der Pflichtstundenzahl orientiert, kann Lehrerinnen und Lehrern bedenkenlos neue Aufgaben übertragen, ohne sich die Frage nach der Arbeitszeit stellen zu müssen“, so Beckmann abschließend. „Dem möchten wir Fakten entgegensetzen. Wir brauchen ein modernes und zukunftsfähiges Arbeitszeitmodell, das sich an der Jahresarbeitszeit und nicht an der Pflichtstundenzahl orientiert. “

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