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Gesundheitsschutz im Lehrerberuf vernachlässigt

Mehr zu: didacta - die Bildungsmesse, Gesundheit, Schulentwicklung, Unterrichtsversorgung, Schule
Berlin/Köln, 27.02.2007 -

"Der Arbeits- und Gesundheitsschutz für Lehrerinnen und Lehrer hat in den meisten Bundesländern den Status einer heißen Kartoffel. Man lässt ihn einfach fallen." Die Kritik kam vom Bundesvorsitzenden des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger auf der heute in Köln eröffneten Bildungsmesse didacta.

Die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer habe sich besonders in den Jahren seit PISA enorm verdichtet, so Eckinger. Der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft nannte als Ursachen die notwendigen Schulentwicklungsaufgaben im Verbund mit einem Mehr an Schulbürokratie bei gleichzeitigem Lehrermangel. Den Kultusministerien fiele unter Druck der Finanzminister lediglich die Vergrößerung von Klassen, das Heraufsetzen der Unterrichtsverpflichtungen, das Rekrutieren von Seiteneinsteigern und die volle Unterrichtspflicht für Referendare ein. "Es ist nicht hinnehmbar, dass die Dienstherren voll auf die Selbstausbeutung der Lehrerinnen und Lehrer setzen. Die Leidtragenden sind unmittelbar die Schülerinnen und Schüler." Eine Schule als Ort der Hast und des Drucks widerspreche der pädagogischen Profession. In dieser Situation hätten der dbb und seine Lehrerorganisationen die Initiative ergriffen.

Die Potsdamer Lehrerstudie, die u.a. vom VBE initiiert und finanziert wurde und nach sechsjähriger Forschungsarbeit unter Professor Uwe Schaarschmidt abgeschlossen worden ist, soll Veränderungen für die Situation im Lehrerberuf in Deutschland bewirken. "Die Aufgaben des Lehrerberufs müssen mit dem Strukturwandel der Lebens- und Arbeitswelt wieder in Balance gebracht werden", erklärte der VBE-Bundesvorsitzende heute in Köln. "Die entwickelten Präventionsstrategien für Lehramtsstudierende, für Berufseinsteiger, Kollegien und Schulleitungen sollen Stress und Versagensängsten entgegenwirken. Das ganze Paket liegt bei der Kultusministerkonferenz auf dem Tisch zur Anwendung", so Eckinger. "Uns ist ganz besonders wichtig, dass nicht einzelne Vorschläge herausgepickt werden." Eckinger kritisierte in dem Zusammenhang, dass sich die KMK bisher einzig für Eignungstests von Studienanfängern für den Lehrerberuf begeistern konnte, obwohl dieser Vorschlag gar nicht in der Studie enthalten ist.

Die Forschergruppe des Potsdamer Psychologieprofessors Uwe Schaarschmidt legte ein umfassendes Präventions- und Gesundheitsprogramm für Lehrerinnen und Lehrer vor. Dazu gehören ein Arbeitsbewertungscheck für Lehrerinnen und Lehrer, ein Interventionsprogramm zur Unterstützung der Teamentwicklung an Schulen, Trainingsprogramme für ein verbessertes Zeitmanagement sowie ein Self-Assessment-Verfahren, in dem sich angehende Lehramtsstudierende selbst auf ihre berufliche Eignung testen können. Das Forschungsprojekt zielte darauf, die Anforderungen an den Lehrerberuf transparenter zu machen und notwendige Veränderungen in der Lehrerbildung zu präzisieren. Die Forschergruppe legte deshalb an der Gesundheitsprävention orientierte Studieninhalte für Lehramtsstudiengänge sowie Module für die Lehrerfortbildung vor.

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