Philologenverband Baden-Württemberg
Kritik und Zustimmung
Philologenverband Baden-Württemberg bezieht Position zum "Aktionsrat Bildung"- Gutachten
Mehr zu: Baden-Württemberg, Bildungschancen, Bildungswesen, Ganztagsschule, Gymnasium, Hauptschule, Hochschulzugang, Lehrerbildung, Realschule, Werteerziehung, Schule"Wir finden es gut und wichtig, dass sich Bildungsforscher Gedanken darüber machen, wie Mängeln im deutschen Bildungswesen abgeholfen und das deutsche Bildungssystem insgesamt verbessert werden kann; denn nur ein leistungsfähiges Bildungswesen erhöht die Bildungschancen von Bildungswilligen. Zu warnen ist aber davor, dass auch für "Nichtinhaber einer formalen Hochschulzugangsberechtigung" der Hochschulzugang möglich sein soll. Das käme einer Entwertung des Abiturs mit zentraler Prüfung und hohen Anforderungsstandards gleich und wird von uns abgelehnt", so der Landesvorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg (PhV BW), Karl-Heinz Wurster.
"Uns erscheint der Bericht der Bildungsexperten sehr stark von rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten geprägt", kommentiert Wurster das Gutachten und weist darauf hin: "Aufgabe des Gymnasiums ist es zunächst, mit einer breiten und qualitativ hochwertigen Fächerpalette Voraussetzungen für ein sich anschließendes Hochschulstudium und den weiteren beruflichen Werdegang zu schaffen." Wurster: "Wir können Schulen nicht wie ein Wirtschaftsunternehmen führen, in völliger Autonomie, zwar staatlich finanziert, aber von privaten Trägern geleitet und letztlich beeinflusst und inhaltlich bestimmt. Das führt zu schul- und unterrichtsfremden Beeinflussungen, zu Ungerechtigkeiten, zu regionalen Vorteilen und letztlich zu mehr Bildungsungerechtigkeit."
Gymnasiale Bildung darf nach Auffassung des PhV nicht nur unter dem Aspekt rein wirtschaftsorientierter Zielsetzung gesehen werden. Der Bildungsauftrag des allgemein bildenden Gymnasiums habe seinen Schwerpunkt in der mathematisch-naturwissenschaftlichen sowie sprachlich-geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen und musisch-künstlerischen Ausrichtung. Im Übrigen bleibe auch eine anspruchsvollere Wertevermittlung am Beispiel guter Vorbilder ein Auftrag gymnasialer Bildung.
Ob die Qualität der Lehrerbildung durch die vom "Aktionsrat Bildung" "unverzügliche" Einführung des BA/MA-Systems besser wird, bezweifelt der Philologenverband. Auf jeden Fall müsse aber garantiert werden, dass eine zusätzlich zum Master vergebene staatliche Prüfung stattfinde. Sie biete für die Lehramtsstudiengänge im Bachelor-/Masterstudium die Garantie, dass dieser Studiengang anerkannt sei und bleibe und die darin ausgewählten prüfungsrelevanten Inhalte die Vergleichbarkeit des Abschlusses über die Landesuniversitäten hinweg sichere.
Nach Auffassung des Philologenverbandes sollte an der vierjährigen Grundschulzeit festgehalten werden. Heftige Kritik äußert der Verband an den Vorschlägen des Expertenteams, grundsätzlich Hauptschulen und Realschulen zusammenzulegen. Damit werde die Bildungsungerechtigkeit nicht verbessert. Das Mehrgliedrige Schulsystem muss erhalten bleiben und schulartspezifisch gut ausgestattet werden.
Begrüßt wird vom Philologenverband die von den Bildungsexperten geäußerte Einsicht, dass Bildungspolitik nicht nur von der gesamten Gesellschaft, sondern auch von den Bildungsempfängern Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft sowie Zielorientierung einfordern muss. "Unterstützt wird von uns auch, dass das gesamte Bildungssystem zur Verbesserung der schulischen Rahmenbedingungen mindestens eine dem "OECD-Durchschnitt entsprechende Finanzierung" erhalten muss", so Wurster abschließend.
Homepage: www.phv-bw.de
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