Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
GEW: "Muñoz-Vorschlag für wissenschaftliche Forschungen aufgreifen"
Bildungsgewerkschaft zum Bericht des UN-Menschenrechtsinspektors über das deutsche Schulsystem
Mehr zu: Auslese, Bildungschancen, Deutschland, Forschung, Menschenrechte, Schulstruktur, Statistik, UN-Sonderberichterstattung, SchuleDie Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den Kultus- und Bildungsministern dringend empfohlen, ihre "groteske Kritik" aufzugeben und hilfreiche Vorschläge des UN-Menschenrechtsinspektors Vernor Muñoz aufzugreifen.
Muñoz hatte anlässlich der Vorstellung seines Berichts über das deutsche Schulsystem heute in Genf Forschungen über den Zusammenhang von Benachteiligung und dem vielgliedrigen, auf frühe Auslese der Kinder setzenden Schulwesen angeregt. Nach Ansicht der GEW-Schulexpertin Marianne Demmer soll diese Aufgabe ein internationales Expertenteam übernehmen: "Das könnte im Jahr der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands Ansehen erheblich verbessern."
"Das deutsche Bildungssystem steht zu Recht am internationalen Pranger. Die ständige Wiederholung konservativer Mythen und Rechtfertigungsrhetorik für ein nachweislich hoch selektives Bildungssystem ruft auf internationaler Bühne nur Kopfschütteln und Befremden hervor. Niemand versteht, warum der de facto-Diskriminierung von Kindern aus sozial schwachen und Migrantenfamilien sowie der Ausgrenzung von Kindern mit Behinderungen nicht offensiv gegengesteuert wird", sagte die Schulexpertin am Mittwoch in Frankfurt a.M. "Das Leugnen der Defizite des deutschen Schulsystems bürdet der jungen Generation eine große Hypothek auf. Wer die deutsche Schule gar als ´Erfolgsgeschichte´ verkauft, verhöhnt Tausende von Kindern und Jugendlichen, die in diesem System gescheitert sind. International verfestigt die Bundesrepublik so ihren Ruf als Bildungszwerg."
Deutschland solle sich endlich auf den Weg zu einem integrativen und inklusiven Schulsystem machen, betonte Demmer, in dem alle Schüler willkommen sind und der ständige Auslesedruck endlich verschwindet. Dafür müsse die Tabuisierung der Schulstrukturfrage auch offiziell aufgegeben werden. Aktiv gegen Diskriminierung und Benachteiligung vorzugehen, bedeute auch, die Vorbehalte gegen die UN-Kinderrechtskonvention aufzugeben und das Recht auf Bildung von Flüchtlingen und statuslosen Kinder zu garantieren. Das Recht auf Bildung und Ausbildung gehöre ins Grundgesetz und alle Landesverfassungen. Zudem müssten die UN-Abkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert, aber beispielsweise auch die öffentlichen Bildungseinrichtungen barrierefrei umgebaut werden.
Info: Weitere Informationen rund um den Munoz-Bericht finden Sie auf der GEW-Website unter: www.gew.de/Deutsche_Schulpolitik_auf_dem_Pruefstand.html.
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