GEW Bayern
Muñoz-Bericht: "Systematische Benachteiligung"
Deutsches Bildungssystem steht erneut am internationalen Pranger
Mehr zu: Auslese, Bayern, Bildungsbericht, Bildungschancen, Deutschland, Migration, Schulstruktur, Statistik, UN-Sonderberichterstattung, Zeugnis, Schule"Die berechtigte Kritik des UN-Sonderbeauftragten für Bildung Vernor Muñoz muss endlich zur Abkehr vom streng gegliederten, hoch selektiven Bildungssystem in Deutschland führen. Weder Diffamierungen des Berichterstatters noch eine ´Vogel-Strauß-Politik´ werden dem Ernst der Lage gerecht", kommentiert Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern, Muñoz´ Darstellungen.
Erneut stellt ein international anerkanntes Fachgremium dem deutschen Bildungssystem ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Nach der EU-Kommission weisen jetzt auch die Vereinten Nationen auf die eklatanten Benachteiligungen und Ungerechtigkeiten hin: Der Schulerfolg hängt in Deutschland signifikant von der sozialen und ethnischen Herkunft ab. Kinder mit Migrationshintergrund sind am stärksten von dieser Selektivität betroffen. Benannt werden auch offenkundige Benachteiligungen von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen.
Oskar Brückner: "Als ob der Befund für Deutschland nicht schlimm genug wäre, stellt sich die Situation in Bayern noch dramatischer dar. Hier existiert das sozial ungerechteste Schulsystem der Bundesrepublik. Allein die geringe Zahl von Abiturienten mit Migrationshintergrund belegt dies. Bayerische Staatsregierung und Kultusminister Schneider müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass es kein einziges stichhaltiges Argument für den Auslesezeitpunkt nach der vierten Klasse gibt. Alle Bildungsstudien der letzten Jahre haben die Überlegenheit von integrativen Bildungssystemen belegt."
Nach Ansicht der GEW muss es nach der Veröffentlichung des Muñoz-Berichtes jetzt vordringlichste Aufgabe der Bildungspolitik sein, gerechte Grundlagen für Bildungsbiografien zu schaffen, Schulversagen vorzubeugen und das allgemeine Kompetenzniveau zu heben. "Das alles ist mit dem hoch selektiven System, das Kinder bereits im Alter von zehn Jahren trennt, nicht realisierbar", so Brückner. Und weiter: "Es kann nur eine Lösung geben: Gemeinsames Lernen von der ersten bis zur neunten oder zehnten Klasse haben."
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