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Pressemeldung
Leipziger Buchmesse

Bibliothekare demonstrieren ihre Bedeutung für die Wissensgesellschaft

Bibliothekskongress in Leipzig

Leipzig, 22.03.2007

Vier Tage lang – vom 19. bis zum 22. März – diskutierten Bibliothekare und andere Informationsspezialisten in Leipzig über den freien, fairen und gleich­berechtigten Zugang zu Information und Wissen. Mehr als 2.700 Informa­tionsfachleute trafen sich hier, um sich über die neusten Entwicklungen sowie innovative Konzepte im Bereich der Bibliotheksarbeit auszutauschen. Knapp 200 Vorträge von Referenten aus dem In- und Ausland sowie zahlreiche Workshops und Arbeitssitzungen standen auf dem Programm.

Der 3. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek, der von der Bundes­vereinigung "Bibliothek & Information Deutschland" (BID) veranstaltet wurde, befasste sich schwerpunktmäßig mit dem Thema "Information und Ethik". Die Schirmherrschaft hatte Bundespräsident Horst Köhler übernommen.

Barbara Lison, die Sprecherin der BID, zog zum Abschluss des Kongresses am Donnerstagnachmittag eine durchweg positive Bilanz: "Der Kongress hat meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen – und das nicht nur, weil die Zahl der erwarteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer deutlich über­schritten wurde. Der Kongress hat gezeigt, dass die Bibliotheken mit Recht auf ihre Bedeutung für die Wissensgesellschaft hinweisen, dass es aber auch noch viel zu tun gibt, vor allem hinsichtlich der Vermarktungsstrategien unse­rer Dienstleistungen in Richtung Öffentlichkeit und Unterhaltsträger bzw. Auf­traggeber."

Code of Ethics veröffentlicht

Zur Eröffnung des Kongresses hatte Barbara Lison am Montag ein neues Stra­tegiepapier vorgestellt: die "Ethischen Grundsätze der Bibliotheks- und Infor­mationsberufe". "Die Beschäftigten in den Bibliotheks- und Informationsberu­fen sahen als Grundlage für ihr berufliches Handeln schon immer den Para­graphen 5 des Grundgesetzes an, der den freien Zugang zur Information und die freie Meinungsäußerung garantiert. Sie leiteten daraus ihren Anspruch ab, ein neutraler, frei zugänglicher und qualitätsorientierter Informationsdienst­leister zu sein", erläuterte Barbara Lison.

Mit der Veröffentlichung des Code of Ethics wolle die BID diesen professionel­len Anspruch zum einen fixieren, zum anderen die Selbstverpflichtung der Bibliothekarinnen und Bibliothekare öffentlich bekräftigen. "Denn schließlich", so erklärte Lison weiter, "unterscheiden diese Regeln die Arbeit der Biblio­theken von der anderer Informationsdienstleister, die ethischen Grundsätzen aufgrund ihrer Unternehmenspolitik keine Priorität einräumen."

Freier Zugang zu Information und Wissen

Großen Anklang fand der Festvortrag von ARD-Generalsekretärin Dr. Verena Wiedemann am Montagabend. Darin hielt die Vertreterin der ARD fest, dass die Welten von Bibliotheken und öffentlich-rechtlichem Rundfunk im digitalen Zeitalter enger zusammenwachsen würden: "Uns beschäftigt dieselbe Frage: Wie sichern wir den freien Zugang zur Information als Grundrecht für eine moderne Gesellschaft?"

Die Aufgabe dieser zwei demokratisch legitimierten Institutionen sei es sicher­zustellen, "dass sich das Grundrecht der Menschen auf freien Zugang zu In­formation nicht nur im Anspruch des Einzelnen erschöpft, Informationen, die der Markt bereit stellt, ungehindert käuflich zu erwerben", erklärte Dr. Verena Wiedemann. "Als Gesellschaft dürfen wir es nicht hinnehmen, dass vergleichs­weise wenige Marktteilnehmer für sich beanspruchen, ausgerechnet in dem historischen Augenblick, in dem die Menschheit in die Lage versetzt wird, durch die technische Entwicklung alle physischen Barrieren für den Zugang zum kulturellen Erbe und zum Wissen zu überwinden, diesen öffentlichen Raum zu privatisieren."

Gastland Dänemark als Vorbild

Einen Schwerpunkt bildeten auf dem Kongress Veranstaltungen mit interna­tionaler Perspektive. Dazu gehörte etwa die Diskussionsrunde "Was nutzt ein Bibliotheksgesetz?", in der Vertreter aus Dänemark, Finnland, Ungarn und Italien über ihre Erfahrungen mit einer gesetzlichen Grundlage für die Biblio­theksarbeit berichteten, die es in Deutschland weder auf nationaler Ebene noch in den Bundesländern gibt.

Gut besucht waren auch die Veranstaltungen zum Gastland Dänemark – bei­spielsweise der Vortrag von Jens Thorhauge. Der Direktor von Bibliotekssty­relsen, der zentralen Steuerungsagentur für Bibliotheken in Dänemark, gab darin vielfältige Einblicke in das hochentwickelte und moderne dänische Bi­bliothekswesen.

"In Dänemark", so erläuterte Barbara Lison die Wahl des Gastlandes, "zeigt sich die Wirkung einer national angelegten staatlichen Informationsstrategie, die die Bibliotheken aller Sparten als selbstverständliche Säulen einer Wis­sensgesellschaft einschließt und diese auch mit den notwendigen Ressourcen ausstattet." Das drücke sich auch in dem stets auf die aktuellen Bedingungen novellierten dänischen Bibliotheksgesetz aus. "Wir wollten mit diesem Gast­land zeigen, was mit vergleichsweise wenigen Mitteln erreicht werden kann – vorausgesetzt diese Mittel werden vor dem Hintergrund eines nationalen Ge­neralplanes sinnvoll eingesetzt."

Als besonders positiv bewertete Barbara Lison die große Akzeptanz, die das Gastlandkonzept, das in diesem Jahr zum ersten Mal verwirklicht wurde, bei den Kongressteilnehmern gefunden hat.

Lebenslanges Lernen in Bibliotheken

Fünf Sektionen waren auf dem Kongress dem Lernort und Bildungspartner Bibliothek gewidmet. In ihnen wurden innovative Modelle für die Vermittlung von Sprach-, Lese- und Informationskompetenz vorgestellt. So präsentierte Birgit Lotz von der Stadtbibliothek in Frankfurt am Main ihr PC-Lernstudio zur Alphabetisierung von Migranten. Ute Hachmann, die Leiterin der Stadtbiblio­thek Brilon, stellte das Pilotprojekt "Bücherbabys" zur frühen Sprach- und Le­seförderung vor. Und eine Reihe von Universitätsbibliotheken gaben Einblicke in ihre E-Learning-Konzepte für die Vermittlung von Recherchetechniken.

Europäische Digitale Bibliothek

Der Kongress endete am Donnerstagnachmittag mit einer Vision: "Die Euro­päische Digitale Bibliothek – Europas Antwort auf Google". Über ihre Chancen diskutierten unter anderem Prof. Dr. Claudia Lux, die designierte Präsidentin des Weltverbandes der Bibliotheken (IFLA), Andrew Cranfield, der Direktor des European Bureau of Library, Information and Documentation Associations (EBLIDA), Dr. Helga Trüpel, die stellvertretende Präsidentin des Kulturaus­schusses des Europäischen Parlaments, sowie Dr. Elisabeth Niggemann, die als Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek Mitglied der "High Le­vel Expert Group on Digital Libraries" der Europäischen Kommission ist.

In der Europäischen Digitalen Bibliothek sollen Kataloge von Bibliotheken, Museen und Archiven abgebildet und die Bestände, soweit sie digitalisiert vor­liegen, auch benutzbar gemacht werden. Die notwendigen Vorarbeiten dazu laufen auf Hochtouren. Zurzeit stellen nach Angaben von Dr. Elisabeth Nigge­mann "die Anpassung der Formate und Standards sowie die Integration der unterschiedlichen Kataloge in ein Portal große Herausforderungen an alle Be­teiligten". Doch die Bibliothekare in Europa nehmen diese Herausforderungen gerne an. "Wenn es uns gelingt, mit einem gemeinsamen Portal unsere Be­nutzer anzusprechen und unsere Dienstleistungen anzubieten", erklärte Nig­gemann, "dann erfüllen wir unserem Auftrag, Kultur nicht nur zu sammeln, sondern auch den Menschen in Europa und der Welt zugänglich zu machen."

Bibliotheken als Faktor der Kulturwirtschaft

Der fachliche Austausch unter Kollegen wurde im Congress Center Leipzig um den Austausch mit Dienstleistern ergänzt. Auf der Fachausstellung, die den Kongress begleitete, präsentierten 155 Anbieter aus zwölf Ländern ihre viel­fältigen Dienstleistungen für die Informationsbranche. Damit stieg die Zahl der Aussteller im Vergleich zum letzten Bibliothekskongress im Jahr 2004 um ein Drittel. "Das spricht", so Oliver Zille, der Direktor der Leipziger Buchmes­se, "sehr für die Qualität und die Bedeutung des Kongresses."

Auch Barbara Lison würdigte den Erfolg der Fachausstellung: "Der Kongress hat durch die Fachausstellung auf beeindruckende Weise gezeigt, wie viele Wirtschaftsunternehmen mittelbar oder unmittelbar von den Aktivitäten der Bibliotheken abhängen und welch bedeutenden Faktor die Bibliotheken im Be­reich der Kulturwirtschaft darstellen."

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