Das Kultusministerium weist die Kritik der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass der Gesundheitsschutz von Lehrkräften vernachlässigt werde, zurück. Der Arbeits- und Gesundheitsschutz für Pädagogen hat für das Kultusministerium einen hohen Stellenwert. Dieser umfasst dabei mehr als Unfallverhütung, sondern beinhaltet auch die Vermeidung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren, Berufskrankheiten und die Erhaltung der Gesundheit und des Wohlbefindens am Arbeitsplatz.
Von zentraler Bedeutung ist die Einführung eines Verfahrens zur Erfassung und Bewertung psychomentaler und psychosozialer Belastungen im Rahmen einer so genannten personenbezogenen Gefährdungsbeurteilung. Ein entsprechender Fragebogen wurde erprobt, evaluiert und soll noch in diesem Jahr den Schulen zur Verfügung gestellt werden. Die Auswertung des Fragebogens ermöglicht die Erstellung eines individuellen Belastungsprofils und schafft damit die Grundlage für gezielte Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Im Rahmen der Lehrerfortbildung stehen bereits solche Maßnahmen wie beispielsweise Pädagogische Fallbesprechungsgruppen ("Supervision"), Teamteaching, Zeitmanagement und Konfliktprophylaxe zur Verfügung.
Für die Beratung und Unterstützung der Schulen beim Arbeits- und Gesundheitsschutz stehen Betriebsärztinnen und Betriebsärzte, Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für den Arbeitsschutz bei den oberen und unteren Schulaufsichtsbehörden sowie der Unfallkasse Baden-Württemberg bereit. Außerdem stehen auch die Schulpsychologinnen und Schulpsychologen für Fragen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz zur Verfügung. Weitere Unterstützungsmöglichkeiten werden derzeit vom Kultusministerium geprüft.
Erkenntnisse darüber, ob und gegebenenfalls wie durch veränderte organisatorische Rahmenbedingungen ein substanzieller Beitrag zum Arbeits- und Gesundheitsschutz von Lehrkräften geleistet werden kann, erwartet das Kultusministerium von einem derzeit noch laufenden Modellversuch. An 18 Pilotschulen werden neue Konzepte zur Arbeitsorganisation und zu einer Neubewertung der Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern erprobt. Es geht dabei um neue Modelle der Unterrichts- und Arbeitsorganisation sowie um veränderte Zeitstrukturen.
Außerdem haben die Landesregierung, der Beamtenbund Baden-Württemberg und die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg auf Grundlage der Koalitionsvereinbarung Gespräche vereinbart, um über die mittel- und langfristige Entwicklung der Arbeitszeit von Lehrerinnen und Lehrern und über Elemente zur Erreichung einer tatsächlich längeren Lebensarbeitszeit zu beraten. Dabei geht es auch um geeignete Maßnahmen aus dem Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes.