Wissenschaftsrat
Notengebung an Hochschulen weiterhin wenig differenziert
Wissenschaftsrat legt zweiten Arbeitsbericht zur Analyse der Prüfungsnoten vor
Mehr zu: Fachhochschule, Zensuren, HochschuleSehr stabile spezifische Fächerkulturen sind offensichtlich bestimmend für die Notenvergabe an deutschen Hochschulen. In zahlreichen Studiengängen wird das gesamte Notenspektrum, das für bestandene Prüfungen von "mit Auszeichnung" bis "ausreichend" reicht, zur Unterscheidung der Leistungen nur unvollständig ausgeschöpft. In einigen Fächern werden zudem auffallend gute Noten überwiegend aus dem oberen Bereich der Notenskala vergeben. Damit hat die mittlerweile zweite von der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates erarbeitete Untersuchung zu Prüfungsnoten an den Hochschulen für das Prüfungsjahr 2005 im Wesentlichen die Ergebnisse des ersten Arbeitsberichts bestätigt. Dieser bezog sich auf Auswertungen der Jahre 1996, 1998 und 2000.
Hierzu erklärt der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Peter Strohschneider: "Wenn es schon an einer Hochschule in einem Studiengang praktisch keine Notendifferenzierung gibt, tut man den Absolvierenden damit keinen Gefallen. Nochmehr gilt dies, wenn das gleich an mehreren Hochschulen im gleichen Studiengang der Fall ist. Ob dieses Phänomen auf besonders begabte Studierende oder aber auf besonders großzügige Professoren zurückzuführen ist, lässt sich aus dem vorliegenden Datenmaterial nicht erschließen, denn es gibt keinen Aufschluss über die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und ihren Einfluss auf das Zustandekommen der Noten. Die Fachbereiche und die Hochschulen als Ganzes sollten - nicht zuletzt im Interesse der Studierenden - ein generelles Interesse daran haben, Leistungsnachweise und die für sie relevanten Beurteilungskriterien künftig transparenter zu gestalten als bislang."
Zu den Ergebnissen der Studie im Einzelnen:
Die besten Durchschnittsnoten sind in den Diplomstudiengängen an Universitäten in Biochemie (1,51) zu verzeichnen, gefolgt von Biologie, Physik (jeweils 1,54); die schlechteste Durchschnittsnote findet sich in den Rechtswissenschaften (3,17).
Sehr gute Notendurchschnitte bei geringer Notendifferenzierung sind in Mathematik/Naturwissenschaften festzustellen. 87 Prozent der Absolventen schließen hier ihr Examen mit "sehr gut" und "gut" ab, drei Prozent sogar mit "mit Auszeichnung".
In den Sprach- und Kulturwissenschaften werden besonders gute Noten in Psychologie (1,59) und Philosophie (1,67) vergeben. Die Leistungen der Absolventen in den Sprach- und Kulturwissenschaften wurden zu 87 Prozent mit "sehr gut" und "gut" bewertet.
In den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ragen die Durchschnittsnoten für die Studiengänge Politikwissenschaften und Soziologie (jeweils 1,87) heraus. Der Schwerpunkt der Bewertung lag mit 90 Prozent bei "gut" und "befriedigend".
An den Fachhochschulen variierten die Durchschnittsnoten in den Diplomstudiengängen zwischen 1,88 (Sozialpädagogik) und 2,27 (Bauingenieurwesen). Die Studiengänge im Bereich der Sozialwissenschaften wiesen die besten Durchschnittsnoten auf (1,88 bis 1,94). Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften hatten Betriebswirtschaftslehre (2,12) und Verwaltungswissenschaften (2,26) die schlechtesten Durchschnittsnoten.
Erstmals liegen auswertbare Ergebnisse für die Bachelor- und Masterabschlüsse vor. Zu den Bachelorstudiengängen an Universitäten mit hohen Absolventenzahlen gehören u a. Medienkunde, Informatik und Internationale Betriebswirtschaftslehre sowie Studiengänge der Agrarwissenschaften und Ernährungs- und Haushaltswissenschaften. Die meisten Abschlüsse (58 Prozent) wurden mit gut bewertet, knapp 22 Prozent mit befriedigend. An den Fachhochschulen waren die meisten Bachelorabschlüsse in wirtschaftswissenschaftlichen und Informatikstudiengängen zu verzeichnen. Zwei Drittel schnitten mit gut ab, 19 Prozent mit befriedigend. Hinweis:
Der Arbeitsbericht "Prüfungsnoten im Prüfungsjahr 2005 an Universitäten und Fachhochschulen nach ausgewählten Studienbereichen und Studienfächern" (Drs. 7769-07) ist hier als Volltext veröffentlicht, er kann aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail angefordert werden.
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