Das beim Hessischen Kultusministerium angesiedelte ´Institut für Qualitätsentwicklung´ (IfQ) - hessenweit zuständig für die Akkreditierung von Fortbildungsträgern und von Fortbildungen für Lehrer/innen dieses Bundeslandes - hat der Veranstaltung "Streitpunkt Evolution - Warum Schöpfungsmythen im Biologieunterricht nichts zu suchen haben" eine bereits erteilte Akkreditierung nachträglich wieder entzogen. Damit verweigert das IfQ Teilnehmer/innen dieser Fortbildung jene Punkte, die zu sammeln hessischen Lehrkräften seitens der Landesregierung verordnet wurde.
Die Veranstaltung "Streitpunkt Evolution" wird von lea gemeinnützige Bildungsgesellschaft der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen angeboten und von dem anerkannten, in Tübingen lehrenden Evolutionsbiologen Prof. Dr. Thomas Junker geleitet.
Vordergründiger Anlass für die Intervention des Kultusministeriums ist der Ankündigungstext der Veranstaltung und die darin enthaltene Bezugnahme auf eine Kontroverse zwischen Evolutionstheoretikern und Vertretern eines bibelgläubigen Kreationismus. Kultusministerin Wolff (CDU) werde darin, so das IfQ, unzulässigerweise in Zusammenhang mit der Weltanschauung des Kreationismus gebracht. Zudem sei zu vermuten, dass die Veranstaltung im Sinne einer einseitigen Indoktrinierung der hessischen Lehrerschaft durchgeführt werde.
Lea Bildungsgesellschaft der GEW Hessen weist diese Unterstellungen zurück. Der hessischen Kultusbürokratie, so Karola Stötzel, Geschäftsführerin von lea, gehe es offenbar darum, in obrigkeitsstaatlicher, an das Vorgehen der einstigen preußischen Zensurbehörden erinnernden Manier eine unabhängige und kritische Lehrerfortbildung zu unterbinden. Das hessische Institut für Qualitätsentwicklung steht in der Gefahr, sich zu einer der Ministerin hörigen politischen Zensurinstanz zu wandeln. Dabei geht man in diesem Fall sogar soweit, dass man der gewerkschaftsnahen lea Bildungsgesellschaft einen dem Kultusministerium genehmen Ankündigungstext vorzuschreiben versucht. Mit dem Druckmittel der Suspendierung der Akkreditierung soll lea dazu genötigt werden, diesen Text ins Internet zu stellen. Dazu erklärt Karola Stötzel, die auch stellvertretende Landesvorsitzende der GEW Hessen ist: "Dies ist ein trauriger Beleg für eine politische Instrumentalisierung des IfQ."
"Die Bildungsgesellschaft lea wird im Interesse der an der Veranstaltung "Streitpunkt Evolution" beteiligten Kolleg(inn)en, aber auch im Interesse einer von politischer Einflussnahme freien und unabhängigen Lehrerfortbildung rechtliche Schritte gegen das nicht hinnehmbare Zensurgebaren des IfQ prüfen", so Karola Stötzel abschließend.