documenta und Museum Fridericianum
Die Welt bewohnen - Schülerinnen und Schüler führen Erwachsene durch die documenta 12
Mehr zu: documenta 12, SonderthemenEin besonderer Bestandteil der documenta 12 ist das seit Oktober 2006 stattfindende Vermittlungsprogramm "Die Welt bewohnen". Eine Gruppe von ca. 70 SchülerInnen aus verschiedenen Schulen Kassels im Alter zwischen 13 und 19 Jahren befasst sich bereits im Vorfeld der Ausstellung mit den Leitmotiven und den künstlerischen Positionen der documenta 12. Aber auch mit der Frage, was es eigentlich bedeutet, Vermittlung zu betreiben und Wissen weiterzugeben.
In einer Mischung aus Vorträgen zu einzelnen Aspekten der Ausstellung, Workshops, der Diskussion mit KünstlerInnen und hauptsächlich der kontinuierlichen gemeinsamen Arbeit in Kleingruppen er- und bearbeiten die SchülerInnen unter Berücksichtigung ihrer Interessen, Fragen und Anliegen gemeinsam das thematische Feld der documenta 12. Das ermöglicht ihnen eine eigene und durchaus auch kritische Position gegenüber der Ausstellung zu entwickeln und einzunehmen. Die Möglichkeit, sich selbst (bewusst) zu der Ausstellung zu verhalten, befähigt die beteiligten SchülerInnen in einem weiteren Schritt, in der Ausstellung die Rolle der VermittlerInnen für ein breites Publikum zu übernehmen und eigene "Führungen" in selbst konzipierten Vermittlungsformaten und mit eigenen, inhaltlichen Schwerpunkten anzubieten.
Indem die beteiligten SchülerInnen in der Ausstellung eine SprecherInnenposition erhalten, die sonst meist nur Erwachsenen vorbehalten ist, wird damit ein spezifisches Wissen sichtbar, das sonst eher im Verborgenen bleibt. In ihrer Rolle als SchülerInnen sind die meist unbefragten Jugendlichen ExpertInnen für Fragen der Bildung, da sie damit täglich in der Schule umgehen (müssen). Zugleich sind sie aber auch BewohnerInnen Kassels mit eigenen Begehren und Perspektiven auf die lokale Situation. Diese zweifache ExpertInnen-Perspektive der Jugendlichen erlaubt es zum einen, die Ausstellung auf ihre Bedeutung bezüglich dieses spezifischen Wissens zu befragen. Zum anderen bietet die Ausstellung mit der Einbindung der Jugendlichen einen Ort für die Weitergabe genau dieser Perspektiven an eine breite Öffentlichkeit.
Sonja Parzefall
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