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Philologenverband Baden-Württemberg: Lehrer-Mobbing im Internet behindert die Erziehungsarbeit an den Schulen

Mehr zu: Baden-Württemberg, Gewalt in der Schule, Mobbing, Recht, Urteile, Schule
Stuttgart, 12.06.2007 -

"Lehrer sind weder zimperlich noch mimosenhaft; sie sind es gewohnt, mit herber Kritik bis hin zu persönlichen Beleidigungen und üblen Diffamierungen und Vorurteilen des Lehrer-Berufsbildes zu leben; Grenzen gibt es jedoch, wenn die Persönlichkeitsrechte durch den Missbrauch der Namen einzelner Kolleginnen und Kollegen im Internet systematisch und für jeden einsehbar verletzt werden", so der Landesvorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg (PhV BW).

"Wenn Schüler wegen schlechter Benotung oder Maßregelung ihres Verhaltens im Unterricht ihren Frust an Lehrern im Internet austoben können, Lehrkräfte öffentlich und folgenlos benoten und sogar denunzieren dürfen, wenn Lehrer ohne die Möglichkeit einer Gegendarstellung und unter Vernachlässigung des Daten- und Personenschutzes über den Bereich der Schulöffentlichkeit hinaus anonym der allgemeinen Lächerlichkeit preisgegeben werden dürfen, dann hört der Spaß wirklich auf; dann verletzen Schüler ihre Pflichten, die sich aus dem Schulverhältnis ergeben; dann vergiften sie durch Lehrer-Mobbing das Schulklima und behindern massiv den Erziehungsauftrag der Schule", so PhV-Chef Wurster.

Wurster weist in diesem Zusammenhang auf einen Beschluss des Verwaltungsgerichts Hannover vom 7. Juni 2006. Darin heißt es u.a., dass die Persönlichkeitsrechte aller am Schulleben Beteiligter zu beachten seien, mithin auch die der Lehrer. Auch einer Lehrkraft steht also das Grundrecht zu, selbst über Preisgabe, Verwendung und Weiterverbreitung ihres Namens im Zusammenhang mit Meinungsäußerungen und anderen Auftritten in der Öffentlichkeit zu bestimmen. Wo bleiben Daten- und Personenschutz, der auch bei der Evaluation der Schulen einzuhalten ist, wenn Schüler ihre Lehrer öffentlich und anonym denunzieren können?

Zu fragen ist auch: Welchen Wert hat dann beispielsweise noch die Notengebung als wichtige Rückmeldung für den Leistungsstand eines Schülers, wenn Lehrer bei der Vergabe nicht vermeidbarer schlechter Noten mit pauschalen Verunglimpfungen rechnen müssen?

Lehrer haben einen Lehr- u n d einen Erziehungsauftrag. "Darunter verstehen wir auch die Erziehung junger Menschen, Verantwortung zu tragen für das eigene Handeln - unter Berücksichtigung und Einhaltung demokratischer Spielregeln. "Die Möglichkeit, anonym im Internet Lehrer-Mobbing zu betreiben", so der PhV-Landesvorsitzende Karl-Heinz Wurster, "wirkt diesem Erziehungsauftrag massiv entgegen."

Der Philologenverband appelliert an Politik und Medien, an einem fairen und offenen Umgang aller am Schulleben Beteiligter mitzuwirken und es nicht zuzulassen, dass ein überwiegend gutes Schulklima durch anonym veröffentlichte unfaire und verletzende Diffamierungen einzelner Lehrer getrübt wird.

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