Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW
Zum Schulbuch-Vorstoß der Bundesbildungsministerin
VBE: Völlig am Problem vorbei
Mehr zu: Deutschland, Eigenverantwortliche Schule, Föderalismus, Heterogenität, Mobilität, Nordrhein-Westfalen, Schulbuch, Unterrichtsmaterial, Schule"Die Bundesbildungsministerin liegt richtig, wenn sie darauf drängt, dass KMK-Vereinbarungen über gemeinsame Bildungsstandards in allen Ländern umgesetzt werden müssen", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). "Sie liegt aber falsch, wenn sie die Zerfledderung des Bildungssystems durch ausartenden Föderalismus mit der Einführung einheitlicher Schulbücher eindämmen will."
Aus pädagogischer Sicht ist dieser Vorstoß der Bundesbildungsministerin nicht nachvollziehbar. Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen sehen sich zunehmend heterogenen Lerngruppen gegenüber und müssen darauf mit entsprechend unterschiedlichen Lehrmaterialien und Lehrmethoden reagieren. Zudem werden sie auch seitens der Bildungspolitik aufgefordert, Kinder stärker individuell zu fördern.
"Wer beides ernst nimmt, kann kaum die Forderung nach einheitlichen Schulbüchern gutheißen", so Beckmann weiter. "Lehrerinnen und Lehrer müssen im Gegenteil auf unterschiedliche Materialien zurückgreifen, um den unterschiedlichen Neigungen und Lernweisen der Kinder gerecht werden zu können."
Dass die von der Kultusministerkonferenz vereinbarten Bildungsstandards bundesweit gelten und in jedem Bundesland umgesetzt werden müssen, ist für den VBE eine Selbstverständlichkeit. Dies kann aber nicht durch die Einführung einheitlicher Schulbücher geschehen. Diese Idee widerspricht zudem der immer wieder erhobenen Forderung nach einer eigenverantwortlichen Schule, die ihre eigenen Wege suchen muss, um staatlich vorgegebene Standards zu erfüllen.
"Dass in Deutschland 16 Bundesländer ihr jeweils eigenes Bildungssystem gestrickt haben und damit die immer wieder geforderte Mobilität von Arbeitnehmern häufig auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird, ist in der Tat kein von der Hand zu weisendes Problem", so Beckmann abschließend. "Dieses Problem wird sich aber kaum im Sommerloch mit der Forderung nach einheitlichen Schulbüchern lösen lassen."
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