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DJI Online Thema 2007/08 Tatort Internet: Sexuelle Gewalt in den neuen Medien

Mehr zu: Jugendschutz, Medienkompetenz, Sonderthemen
München, 01.08.2007 -

Die neuen Medien sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Neben den damit verbundenen Chancen birgt die Nutzung von Internet und Handy für sie jedoch auch die Gefahr, Opfer sexueller Gewalt zu werden. Kinder werden heimlich gefilmt und ihre Bilder ins Netz gestellt. Pädokriminelle nutzen Chatrooms zur Kontaktanbahnung mit Minderjährigen und das Handy für verbale sexuelle Belästigungen oder zur Verbreitung pornographischer Inhalte. Das am DJI angesiedelte Informationszentrum Kindesmisshandlung / Kindesvernachlässigung (IzKK) hat gemeinsam mit Fachleuten verschiedener Bereiche erarbeitet, wie dieser neuen Herausforderung zu begegnen ist.

Chatten, MMS, Instant Messenger, Blogs und Second Life - was für die meisten Jugendlichen schon ganz selbstverständlich zum Alltag gehört, ist für viele Eltern noch ein blinder Fleck auf ihrer Medienlandkarte. Welche Wege ihre pubertierenden Söhne und Töchter im Internet gehen, welche Orte sie dort besuchen, mit wem sie dort in Kontakt kommen? Manche wollen es gar nicht so genau wissen, andere sind technisch nicht versiert genug, um es herauszufinden.

Das sollten sie aber. Denn die Zahlen sind alarmierend: 92% der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren besitzen ein Handy, bei den 10- bis 11-Jährigen ist es bereits mehr als die Hälfte. Und 77% der Jugendlichen sind laut einer aktuellen Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest regelmäßig im Internet unterwegs.

Catarina Katzer beschreibt im "Blick von außen" die Risiken, die in den gern besuchten Chatrooms lauern. Von den in ihrer Studie befragten Chatterinnen im Alter zwischen 10 bis 19 Jahren berichtete fast jede Zweite, bereits von einem anderen Chatteilnehmer gegen ihren Willen nach sexuellen Dingen gefragt worden zu sein; bei den Jungen trifft dies auf jeden Vierten zu. Jedes zehnte Mädchen wurde aufgefordert, vor der Webcam sexuelle Handlungen an sich selbst auszuführen. Zwischen 5 und 10 Prozent erhielten pornografisches Material in Form von Fotos oder Filmen. Nur wenige von ihnen sprechen mit ihren Eltern oder anderen Erwachsenen über die unangenehmen sexuellen Erlebnis - aus Scham, Angst vor Unverständnis, aber auch vor einem Internetverbot.

Das Informationszentrum Kindesmisshandlung/Kindesmisshandlung (IzKK) am Deutschen Jugendinstitut versteht sich als Vermittlungsinstanz zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis und hat im November 2006 eine interdisziplinär besetzte Konferenz zum Thema "Sexuelle Gewalt durch neue Medien" organisiert, bei der sich PsychologInnen, VertreterInnen der Jugendarbeit und des Jugendmedienschutzes, Multimediaanbieter sowie Polizei und Strafverfolgung miteinander austauschen konnten.

"Auf einen Blick" präsentiert die Zusammenfassung der Tagungsergebnisse: die Formen sexueller Gewalt in den neuen Medien, die Auswirkungen auf die Opfer, die TäterInnen, den rechtlichen Rahmen sowie Anregungen für präventive Maßnahmen. Dazu gehört vor allem die Stärkung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen.

Die Schule sei der am besten geeignete Ort für diese medienpädagogischen Schulungen meinen Regine Derr, Sabine Herzig und Dr. Susanne Nothhafft vom IzKK im "Interview". Hier können in Kooperation mit medien- und sexualpädagogischen Einrichtungen oder Beratungsstellen flächendeckend Angebote etabliert werden, entweder in den Unterricht integriert oder nachmittags z.B. als Bestandteil von Ganztagsschulkonzepten. In jedem Fall gehört dieses Thema dringend auf die Agenda von Jugend- und Kultusministerkonferenz. Bund und Länder müssen gemeinsame Konzepte entwickeln.

Weitere Informationen finden Sie unter www.dji.de/thema/0708

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