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Lehrerversorgung auf Sparflamme

BLLV-Präsident Klaus Wenzel enttäuscht: "Viele Reformvorhaben sind nicht umsetzbar, weil Lehrer fehlen"

Mehr zu: Bayern, Hauptschule, Kombiklassen, Lehrermangel, Schulentwicklung, Sport, Unterrichtsversorgung, Schule
München, 11.09.2007 -

Die Personalsituation an den Schulen hat sich zum neuen Schuljahr leicht entspannt. Von einer ausreichenden Lehrerversorgung kann aber nach wie vor nicht gesprochen werden. "Es wird auf Sparflamme gekocht, viel mehr als das Abhalten von Kernunterricht ist nicht möglich", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel. "Insgesamt wurden die Erwartungen der bayerischen Lehrerschaft enttäuscht, denn die angekündigten Reformvorhaben lassen sich angesichts der hauchdünnen Personaldecke kaum oder gar nicht umsetzen. Viele Schulen verwalten lediglich den Mangel." Positiv wertete Wenzel die deutliche Aufstockung der Mobilen Reserve. "Es bleibt zu hoffen, dass im November die erforderliche Zahl der Aushilfskräfte zur Verfügung stehen wird. Der BLLV befürchtet jedoch, dass sich arbeitslose Lehrer nach anderen Beschäftigungsmöglichkeiten umsehen werden. Für den amtierenden Kultusminister ist es sicher ein Ärgernis, dass er nun unter den Planungsfehlern zu leiden hat, die seine Vorgänger begangen haben."

Vor allem an Gymnasien und Realschulen fehlen Fachkräfte, die Klassen sind zu groß. " Individuelle Fördermöglichkeiten rücken in weite Ferne", bemängelte der BLLV-Präsident. "Viele Lehrerinnen und Lehrer fragen sich, wie sie die dringend erforderlichen Reformen umsetzen sollen, wo schon jetzt auf der Hand liegt, dass an vielen Schulen keine Kapazitäten mehr für Projekte wie Chorgemeinschaften, Computerkurse, Sport- und Musikgruppen vorhanden sind." Die Tatsache, dass sich der Kultusminister allem Anschein nach Lehrkräfte über Zeitarbeitsfirmen besorgen will, ist ein weiterer Beleg für die Mängel der Personalplanung in den vergangenen Jahren.

Als reine Sparmodelle bezeichnete Wenzel jahrgangskombinierte Klassen, in denen vor allem Schüler erster und zweiter Klassen gemeinsam unterrichtet werden. Wenzel: "Kombiklassen sind zwar nicht generell abzulehnen, unter den gegenwärtigen Voraussetzungen werden sie den speziellen Anforderungen eines jahrgangskombinierten Unterrichts aber nicht gerecht. Es fehlt an Personal. Außerdem stellt sich die Frage, warum die vom Kultusministerium viel gepriesene Leistungsheterogenität in solchen Klassen ab der fünften Jahrgangsstufe plötzlich als Nachteil gesehen wird."

Schweren Zeiten geht die Hauptschule entgegen - sie muss einen Abbau von Lehrerstellen verkraften, gleichzeitig stehen jedoch personalintensive Reformvorhaben an. "Gerade Hauptschüler brauchen intensive Förderung zum Ausgleich vorhandener Defizite, der Personalabbau war und ist daher kontraproduktiv", erklärte der BLLV-Präsident. Auf die Existenzprobleme zahlreicher Hauptschulen in ländlichen Regionen gibt die Staatsregierung immer noch keine Antwort. Der BLLV befürchtet weitere Schulschließungen mit fatalen Folgen für die betroffenen Regionen. Zum Schuljahr 2007/2008 wurden bereits 157 Schulschließungen beschlossen, weitere 22 werden diskutiert. Seit Einführung der sechsstufigen Realschule wurden die 1689 Hauptschulstandorte in Bayern um 41% auf 996 reduziert. Wenzel nannte als Lösungsansatz die vom BLLV konzipierte "Regionale Schulentwicklung", die zu passgenauen schulischen Angeboten in jedem Ort führen könnte.

Auch der Ausbau von Ganztagsklassen und Ganztagsangeboten geht nach Auffassung des BLLV zu schleppend voran. Das Angebot hinkt dem Bedarf seit Jahren hinterher. Die vom BLLV bevorzugten rhythmisierten Ganztagsklassen sind leider eine Rarität, obwohl sie die pädagogisch sinnvollste Lösung sind. Mehr als einzelne Modelle gibt es nicht. "Wir müssen die segensreichen Auswirkungen rhythmisierter Ganztagsklassen nicht länger erproben, wir müssen sie endlich flächendeckend und am Bedarf orientiert anbieten."

Wenzel begrüßte die grundsätzlichen Bemühungen des Kultusministers zur Förderung der Sprachkompetenzen. Er forderte jedoch deutlich bessere Arbeitsbedingungen und vor allem deutlich höhere Gehälter für Erzieher/innen und Grundschullehrer/innen.

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