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"Chancengleichheit durch Bildung sichern – Anforderungen an ein zukunftsfähiges Bildungssystem"

Mehr zu: Bildungsgerechtigkeit, Deutschland, Kinderarmut, OECD-Studie "Bildung auf einen Blick", Schulbuch, Schulverpflegung, Statistik, Schule
Teltow, 19.09.2007 -

Der Bundeselternrat hat sich auf einer Tagung vom 14.09. bis 16.09.07 in Teltow mit den Herausforderungen befasst, die die immer stärker in den Blickpunkt tretende Kinderarmut in Deutschland für unser Bildungssystem darstellen.

Grundlage der Diskussionen waren die Vorträge von Dr. Dieter Dohmen vom Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie in Berlin zu den "Anforderungen an ein zukunftsfähiges Bildungssystem" und von Prof. Dr. Roland Merten von der Uni Jena zu "Kinderarmut und Bildungschancen in Deutschland".

Auch heute ist die Erkenntnis "Bildung ist Bürgerrecht - Bildungsnotstand heißt wirtschaftlicher Notstand" (Picht, 1965) erschreckende Wahrheit. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Bundeslandes beeinflusst in erheblichem Umfang die Bildungschancen eines Kindes. Die schlechtesten PISA - Ergebnisse sind gerade in den Bundesländern zu finden, in denen die Arbeitslosenquote und die Sozialhilfequote hoch sind. Dort ist auch die Kinderarmut am höchsten.

Die Leistungsfähigkeit von Schulen und der persönliche Leistungserfolg von Schülerinnen und Schülern ist gerade nicht nur von den vor Ort tätigen Lehrern, sondern unmittelbar auch von den jeweiligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig. Das Lernen in der Schule ist nicht voraussetzungsfrei, die Denkgewohnheiten werden bereits in den Familien eingeübt.

Demgegenüber erscheint aber der durch Noten dokumentierte Schulerfolg oder –Misserfolg ausschließlich als Resultat individueller Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Dadurch werden die bestehenden gesellschaftlichen Unterschiede zementiert, gesellschaftliche Ungleichheit wird weiterhin in Bildungsungleichheit umgesetzt.

Das Problem der stetig steigenden Kinderarmut in Deutschland ist eine besorgniserregende Entwicklung, die durch die Sozial-, Familien- und Bildungspolitik gemeinsam eingedämmt werden muss. Eine soziale Gerechtigkeit kann nicht allein durch eine Verteilung finanzieller Mittel, sondern nur durch einen gerechten Zugang gerade zu den Bildungschancen erreicht werden.

Die Bundesrepublik gibt bereits viel Geld für direkte Transferleistungen zugunsten von Familien aus, ohne aber die Effizienz dieser Leistungen in Bezug auf die Schaffung von Bildungsgerechtigkeit hin zu überprüfen.

Neben direkten Transferleistungen sind zielgerichtete und zielführende indirekte Leistungen notwendig, wie die Übernahme der Schülerbeförderungskosten, freie Krippenplätze, Schulbuchfreiheit, Schulessen u. a. m. Diese verbessern unmittelbar, effektiv und nachhaltig die Bildungschancen bildungsbenachteiligter Kinder.

Die Tagungsteilnehmer des Bundeselternrates sind sich einig, dass zur Erreichung einer Chancengleichheit die Einführung bzw. die Verbesserung solcher Unterstützungssysteme zwingend erforderlich sind.

Die Tagungsteilnehmer fordern, dass die historisch bedingten unterschiedlichen Zuständigkeiten zwischen Bildungs-, Familien- und Sozialpolitik möglichst schnell überwunden werden müssen. Die Politik muss umfassend, sowohl bildungs-, als auch sozial- und familienpolitisch auf die Herausforderungen reagieren, damit wir nicht unsere künftigen "Problempopulationen" selbst produzieren und zwar "sehenden Auges" und "wider besseres Wissen".

Die Aussage, "Kinder sind ein Verarmungsrisiko", darf sich in der Bundesrepublik nicht manifestieren.

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