Wenn Schüler in Internetforen Lehrer beurteilen, suchen sich diese meist ein Ventil, um ihrem Frust Luft zu verschaffen. Das sei aus Schülersicht verständlich, räumt der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg ein, dabei komme es jedoch vor allem dann zu Ungerechtigkeiten, wenn den kritisierten Pädagogen Rahmenbedingungen an den Schulen zur Last gelegt werden, auf die Lehrer nur wenig oder gar keinen Einfluss haben und zu denen die Schüler oft selbst negativ beitragen.
"Immer mehr Kinder und Jugendliche können sich im Unterricht immer weniger konzentrieren und stören dadurch sich und andere", moniert der VBE. Die Zahl verhaltensauffälliger Schüler steigt unaufhaltsam; immer mehr brauchen professionelle Hilfe. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Schülerschaft leidet am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit und ohne Hyperaktivität (ADHS), ist sozial, emotional oder psychisch auffällig oder hat Entwicklungsstörungen. Die Situation in den Klassenzimmern verschärfe sich, beklagt der VBE. Etliche Schüler lebten ihre familiären und persönlichen Probleme ungehemmt in der Schule aus.
Manchen Kindern fehlt schlichtweg die häusliche Erziehung, so dass Umgangsformen in der Schule erst eingeübt werden müssen. Hinzu kommt, dass Schüler mit den Folgen permanenter medialer Reizüberflutung nicht fertig werden. Exzessive Internetnutzung und reichlicher Fernsehkonsum bis in die späte Nacht verringern bei den jungen Menschen die Fähigkeit, alle Eindrücke und Reize richtig zu verarbeiten und in der Schule fachlich entsprechend mitzukommen.
Das Fernsehen liefert Informationen in kurzen Sequenzen. Die Kinder und Jugendlichen haben sich an die schnellen Bilderwechsel gewöhnt und erwarten auch von den Lehrern rasche Schnitte und ständige Methodenwechsel. Die Folgen liegen auf der Hand: Die Schüler wollen durch den Unterricht wie durch das Fernsehprogramm "zappen". Ausdauer und Konzentration haben bei Kindern und Jugendlichen dramatisch abgenommen, entsprechend schlecht wird dann der Unterricht des Pädagogen bewertet. Lehrer können gesellschaftliche Missstände zwar angehen, diese jedoch höchstens abmildern, niemals ganz kompensieren. All dies müsste bei einer Lehrer-Bewertung durch Schüler mit einfließen. Ob Jugendliche das wirklich objektiv und ohne Verletzungen der Lehrer bewältigen können, zweifelt nicht nur der VBE an.