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Größte Bildungsstudie Hessens belegt, dass Bildungserfolg unabhängig von der Schulform stattfindet

Kultusministerin Wolff kritisiert SPD in ihrer Forderung nach Abschaffung des gegliederten Schulsystems

Mehr zu: Bildungschancen, Bildungsgerechtigkeit, Gesamtschule, Hessen, Schulstruktur, Schule
Wiesbaden, 03.01.2008 -

Die Hessische Kultusministerin Karin Wolff begrüßt die Ergebnisse der neuen Studie des Bildungsforschers und Pädagogikprofessors Helmut Fend, die in der morgigen Ausgabe der ZEIT vorgestellt wird. Die wissenschaftliche Untersuchung zeige klar "die Unsinnigkeit der Forderung nach einer Einheitsschule, durch die weder mehr Bildungsgerechtigkeit noch größere Erfolge erzielt werden."

Fend hatte in den siebziger Jahren in Hessen die damals größte Studie zur Wirksamkeit der Gesamtschule durchgeführt. Die aktuelle Studie ist ebenfalls die bisher umfassendste ihrer Art, Untersuchungsgegenstand war der schulische Werdegang und Lebenslauf von 1.527 Menschen vom 12. bis zum 35. Lebensjahr aus dem Großraum Frankfurt und den umgebenden Landkreisen. Der emeritierte Professor der Universität Zürich zieht die für ihn "überraschende und enttäuschende" Bilanz, dass die Gesamtschule "unterm Strich nicht mehr Bildungsgerechtigkeit als die Schulen des gegliederten Schulsystems" schaffe. In den siebziger Jahren sei er noch davon ausgegangen, dass die Gesamtschulen die Bildungschancen gerechter verteilten als das gegliederte Schulsystem.

Die Spitzenkandidatin der SPD hatte heute prophezeit, dass eine Schule für alle Kinder eindeutig die größeren Erfolge bringen würde. Wolff hielt dem entgegen, dass die Studie deutlich beweise, dass mehr Bildungsgerechtigkeit und damit auch mehr schulischer Erfolg nicht durch den Wegfall von Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien und kooperativen Gesamtschulen erreicht werde. Stattdessen müsse eine weitere Verstärkung der Förderung von Begabungen und einer klare Leistungsforderung Ziel sein, was genau so auch durch die Hessische Landesregierung seit Jahren erfolgreich umgesetzt werde. Die SPD solle nicht nur "träumen, sondern auch einmal ehrlich analysieren, wie Kinder tatsächlich noch bessere Bildungschancen erhalten könnten", kritisierte Wolff.

Fends Studie belegt auch, dass ein Viertel der Schülerinnen und Schüler im gegliederten Schulsystem nach Beendigung des Schulbesuchs anschließend noch einen höheren Schulabschluss erreichen. Das zeige deutlich, dass die vom Hessischen Schulsystem gebotenen Anschlussmöglichkeiten genutzt würden, so der Züricher Erziehungswissenschaftler.

"Wir freuen uns, wieder einmal bestätigt zu sehen, dass eine hohe Durchlässigkeit zwischen den Schulformen in Hessen nicht nur ein leeres Wort, sondern gelebte Wirklichkeit ist", betonte die Kultusministerin. Die Zahl der Realschülerinnen und -schüler, die in die gymnasiale Oberstufe gewechselt sind, ist seit 2003 um rund 20 Prozent gestiegen. Zudem erreichen in Hessen 46 Prozent eine Hochschulzugangsberechtigung, das sind 16 Prozentpunkte mehr als die 30 Prozent aller Schülerinnen und Schüler, die das Abitur erfolgreich bestehen.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Untersuchung ist aber auch, dass die soziale Selektivität durch Förderstufen und Gesamtschulen nicht reduziert wird. Der Bildungsforscher spricht sich deshalb für eine gezielte Frühförderung und Unterstützung von Schwächeren aus. "Auch das wird in Hessen bereits aktiv und erfolgreich praktiziert, beginnend beim Bildungs- und Erziehungsplan und Vorlaufkursen für Migrantenkinder bis hin zu SchuB-Klassen und Migrantenstipendien", so Wolff.

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