Verband Bildungsmedien e.V.
Private Schulbuchausgaben um 4 % rückläufig - Branchenverband bilanziert Marktentwicklung 2007
Mehr zu: Deutschland, Elterngeld, Lernhilfen, Lernmittel, Schulbuch, Sprachförderung, Statistik, Vergütung, SchuleDer Umsatz mit Schulbüchern und Bildungssoftware in den allgemein und berufsbildenden Schulen war nach Berechnungen des Branchenverbandes VdS Bildungsmedien in Frankfurt am Main 2007 um 1 % rückläufig (Branchenumsatz ca. 350 Mio. €). Ausschlaggebend dafür war der Rückgang der Schulbuchausgaben von Eltern und Schülern um fast 4 %. Die öffentlichen Ausgaben stiegen dagegen zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder an - allerdings nur um ca. 2 %.
Ebenfalls leicht rückläufig war der Umsatz mit Bildungsmedien für das Sprachenlernen im Bereich der Erwachsenenbildung, (Branchenumsatz rund 80 Mio. €). Hauptursache für dieses Minus ist der Umsatzrückgang bei Büchern und Medien für "Deutsch als Fremdsprache", v. a. bei den staatlich verordneten "Integrationskursen". Positiv war dagegen der Umsatz mit Lernhilfen und Materialien zur Prüfungsvorbereitung. Der Verlagsumsatz mit diesen Medien, die von Schülern und Eltern freiwillig gekauft werden, stieg 2007 um 5 % auf 52,5 Mio. €. Der Umsatz mit Lern- und Unterrichtssoftware stagnierte dagegen auch 2007 und liegt bei nur 25 Mio. € oder nur rund 5 % des Gesamtbranchenumsatzes. Lern- und Unterrichtssoftware für die Schulen macht davon vernachlässigbare 7 bis 10 Mio. € aus (1998 waren dies noch rund 20 Mio. €). Der Gesamtumsatz der Bildungsmedienbranche lag 2007 bei 490 bis 500 Mio. €.
Rückgang der privaten Schulbuchausgaben überrascht
Der Rückgang bei den privaten Schulbuchausgaben trifft die Branche unerwartet, da die Nachfrage nach neuen Schulbüchern wegen zahlreicher Bildungsreformen und neuer Lehrpläne eigentlich hätte ansteigen müssen. Die verschiedenen Regelungen der Lernmittelfreiheit in den Bundesländern sehen vor, dass bundesweit betrachtet mittlerweile mehr Schulbücher von den Eltern als vom Staat gekauft werden müssen. Den Rückgang der Privatausgaben in 2007 erklärt der Schulbuchverlegerverband auch damit, dass die Lernmittelfreiheit zum Profilierungsthema der politischen Parteien gemacht wurde. "Mit völlig übertriebenen Ausgabenzahlen machen die Parteien mit dem Thema Meinung und erzeugen so in den Schulen ein Klima, das dazu führt, den vorgeschriebenen Elternanteil beim Schulbuchkauf nicht einzufordern und stattdessen auf eine Schulbucherneuerung zu verzichten", erläutert VdS-Geschäftsführer Andreas Baer die Situation. "In allen Bundesländern sind Schüler aus einkommensschwachen Familien vom Schulbuchkauf ausgenommen. Wer behauptet, dass der Schulbuchkauf dem Normalverdiener den Bildungszugang verwehrt, ignoriert die tatsächlichen Ausgabenhöhen", verwehrt sich Baer gegen die Forderung nach kostenlosen Schulbüchern für alle Schüler. Die Ausgaben von Eltern und Schülern für den Kauf neuer Schulbücher lagen 2007 bei nur 240 Mio. € oder durchschnittlich ca. 20 € pro Schüler und Jahr.
Der Verband setzt sich seit Jahren für einen sozial abgefederten Privatkauf von Schulbüchern ein und begründet dies mit dem Eigeninteresse der Eltern und Schüler an einer guten Lernmittelausstattung, die staatlicherseits seit Anfang der Neunziger Jahre in den meisten Bundesländern und Kommunen nicht mehr gewährleistet wird: So liegen die Ausleihzeiten für Lehrbücher in den allgemein bildenden Schulen im Bundesdurchschnitt bei 8 und mehr Jahren seit die staatlichen Ausgaben von 1991 noch knapp 400 Mio. € auf 2007 nur noch 224 Mio. € gekürzt wurden. Eine Aktualisierung der Bestände ist durch die laufenden Reformen aber dringend erforderlich.
Was Länder und Kommunen für Schulbücher ausgeben
Die erstmals seit zehn Jahren nennenswert positive Entwicklung bei den öffentlichen Schulbuchausgaben (+2,3 % gegenüber 2006) erklärt sich nach Berechnungen des VdS Bildungsmedien durch Mehrausgaben in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Thüringen und Hessen. In Rheinland-Pfalz (+63 %) und Thüringen (+100 %) stehen dahinter politische Entscheidungen der Landesregierungen zur Entlastung der Eltern: In Rheinland-Pfalz, wo prinzipiell die Eltern die Schulbücher kaufen müssen, wurden die Zuschüsse des Landes für Schüler aus einkommensschwachen oder kinderreichen Familien von 8 auf 13 Mio. € angehoben. In Thüringen wurde die 2005 eingeführte Elternbeteiligung am Schulbuchkauf 2007 wieder abgeschafft. Mit der Anhebung der Ausgaben von 3 auf 6 Mio. € liegt das Land aber noch deutlich unter den Ausgaben vor Einführung der Elternbeteiligung: 2004 hatte Thüringen noch 7 Mio. € für die Anschaffung neuer Schulbücher ausgegeben. Die Mehrausgaben von knapp 4 % in Hessen resultieren aus einer Etatanhebung der Landesregierung, die sich als eine der wenigen Landesregierungen seit Jahren darum bemüht, den Schulen zumindest einen Preisausgleich beim Schulbuchkauf zu gewähren.
Die positiven Entwicklungen in den genannten drei Bundesländern wurden 2007 durch Minderausgaben der Kommunen in den beiden wichtigsten Regionalmärkten Nordrhein-Westfalen (-2 %) und Baden-Württemberg (-3 %) sowie in Sachsen (-6 %) und Schleswig-Holstein (-7 %) relativiert. In den anderen 9 Bundesländern stagnierten die Ausgaben (genaue Angaben dazu siehe Anlage "Öffentliche Schulbuchausgaben 1991 bis 2007").
Wegen der bundesweit laufenden Bildungsreformen haben die Schulbuchverlage 2007 wieder rund 4.000 Bücher runderneuern müssen. Der VdS Bildungsmedien mahnt die Politik nun Sorge dafür zu tragen, dass die Schulen mit den modernisierten Lernmitteln nach den neuen Vorgaben auch arbeiten können. "Wer sich aus wahltaktischen Erwägungen dazu entscheidet, die Eltern beim Schulbuchkauf zu entlasten, der muss dafür sorgen, dass die fehlenden Elterngelder durch staatliche Mehrausgaben kompensiert werden und nicht die Schulbuchausstattung der Schulen leidet", fordert Verbandsgeschäftsführer Baer und verweist dabei auf das gute Beispiel von Rheinland-Pfalz. "In Thüringen ist die vom Landtag beschlossene Streichung der Elternbeteiligung dagegen eine Mogelpackung. Gleiches droht den Schulen nach der Streichung des Büchergeldes auch in Bayern, wenn die Schulen nach dem Umschichten der Ausgaben weniger Geld für den Schulbuchkauf als vorher haben sollten", befürchtet Baer.
Umsatz mit Lernhilfen positiv, Erwachsenenbildung leicht negativ
Dass Eltern und Schüler bereit sind, selbst und freiwillig Geld für Bildungsmedien auszugeben, zeigt nach Berechnungen des VdS die Entwicklung im Bereich der Lernhilfen und Medien zur Prüfungsvorbereitung: Der Umsatz dieser Lernmittel, die nicht von den Schulen, sondern nur von den Schülern selbst zum Aufbereiten von Lerninhalten vor den Abschlussprüfungen gekauft werden, stieg 2007 um ca. 5 % auf 52,5 Mio. € Branchenumsatz an. Seit in 15 von 16 Bundesländern zentrale Abschlussprüfungen eingeführt wurden, haben die Verlage das Angebot für diese Medien stark ausgeweitet und finden eine seit Jahren gute Nachfrage.
Enttäuschend ist dagegen die Umsatzentwicklung bei den Lernmitteln in der Erwachsenenbildung (nur Bildungsmedien für das Sprachenlernen). Auch in diesem Bereich geht es um Medien für das freiwillige Lernen, die privat gekauft werden. Der leicht negative Trend (Branchenumsatz 2007 bei ca. 80 Mio. €) erklärt sich v. a. dadurch, dass der Umsatz mit "Deutsch als Fremdsprache" insbesondere in den staatlich verordneten Integrationskursen rückläufig war. Eine Entwicklung, die sich laut Verbandsgeschäftsführer Andreas Baer wegen der Unterfinanzierung dieser Kurse zur Sprachförderung von Migranten durch das Nürnberger Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erklärt: "Wer Sprachkurse verordnet und dann nur 2,35 € pro Teilnehmer und Unterrichtsstunde bereitstellt, der darf nicht verwundert sein, wenn sich die Integration von neu nach Deutschland gekommenen Migranten schwieriger gestaltet als es sein müsste", warnt Baer und fordert bessere finanzielle Rahmenbedingungen.
Umsatz mit Lernsoftware stagniert weiter
Weiterhin keine Rolle im Unterricht spielen die neuen digitalen Medien: Der Branchenumsatz mit Bildungssoftware in den Schulen stagniert nach Schätzungen des Verbandes bei nur 7 bis 10 Mio. €. Ende der Neunziger Jahre lag dieser Umsatz noch bei 15 bis 20 Mio. €. Trotz eines mittlerweile breit gefächerten Angebots von 4.000 bis 5.000 Produkten (nur Stand-Alone-Software) arbeitet nur etwa ein Fünftel der Lehrkräfte regelmäßig mit computergestützten Medien im Unterricht. Auch der Umsatz mit Lernsoftware für das Freizeitlernen stagnierte 2007 bzw. war sogar leicht rückläufig. Insgesamt liegt der Branchenumsatz mit Lern- und Unterrichtssoftware in Deutschland bei mageren 25 Mio. €.
Im letzten Jahr hatte der Branchenverband die enttäuschende Entwicklung der sog. neuen Medien in den Schulen zum Sonderthema seiner Wirtschaftspressekonferenz gemacht und eindringlich davor gewarnt, dass die Hardwareausstattung der Schulen zu "Elektroschrott" werde, wenn die Politik nicht deutliche Zeichen für einen vermehrten Einsatz der neuen Medien im Unterricht setzt und dafür auch die finanziellen Mittel zur Verfügung stellt. Der Appell, bei Anschaffungsprogrammen der pädagogischen Nutzenüberlegung den Vorrang vor technischen Aspekten zu geben, und durch Programme zur Nachfrageförderung und der Umschichtung der Ausgaben von den Hardware- auf die Softwarekosten den Schulen mehr finanziellen Spielraum zu gewähren, war bislang folgenlos.
Die Branche in Zahlen
Der deutsche Bildungsmedienmarkt zählt rund 80 Anbieter, die jährlich über 4.000 neue Titel auf den Markt bringen (Gesamttitelangebot rund 45.000). Ihr Umsatz (Bildungsmedien für das schulische, berufsorientierte und das Freizeitlernen) lag 2007 bei rund 500 Mio. EUR, davon ca. 350 Mio. € mit Schulbüchern und Bildungssoftware für den "Vormittagsmarkt" der allgemein bildenden und beruflichen Schulen, 52,5 Mio. € mit Lernhilfen und Lernsoftware im "Nachmittagsmarkt" und 80 Mio. € mit Lernbüchern und Medien in der Erwachsenbildung und beruflichen Weiterbildung. Die mittelständisch geprägte Branche hat etwa 3.000 Mitarbeiter. An sie sind etwa 30.000 Autoren gebunden, die Bildungsmedien nach über 3.000 Unterrichtsvorgaben der Länder produzieren.
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Rino Mikulic
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