Konzept zum gemeinsamen Unterricht für Haupt- und Realschüler in den Klassen 5 und 6 vorgestellt
Ausschreibung der Modellversuche beginnt im Mai / Start im Schuljahr 2009/10
Mehr zu: Baden-Württemberg, Bildungsmessen, didacta - die Bildungsmesse, Hauptschule, Realschule, Schülerzahlen, Schulverwaltung, SchuleKinder der Haupt- und Realschulen in den Klassen 5 und 6 können zukünftig gemeinsam unterrichtet werden. Ein entsprechender Modellversuch an ausgewählten Standorten soll zum Schuljahr 2009/10 starten. Die Bewerbungsfrist beginnt ab Mai. Die Teilnahme steht auch Schulen offen, die räumlich nicht direkt beieinanderliegen. Das hat Kultusminister Helmut Rau MdL am Mittwoch (20. Februar) bei einer Veranstaltung der kommunalen Landesverbände auf der Bildungsmesse didacta in Stuttgart angekündigt. Die zweijährige Erprobungsphase wird vom Landesinstitut für Schulentwicklung (LS) begleitet und ausgewertet.
"Unser Ziel ist es, die Durchlässigkeit zwischen Haupt- und Realschule deutlich zu stärken. Die pädagogische Zusammenarbeit soll so ausgestaltet werden, dass alle Schülerinnen und Schüler gemäß ihren Talenten und Begabungen gefördert werden können – die schwächeren genauso wie die leistungsstarken", betonte Rau. Eine Arbeitsgruppe aus Schulpraktikern von Haupt- und Realschule, Vertretern der kommunalen Landesverbände, der Wissenschaften und der Schulverwaltung hat zwei Varianten der Kooperation entwickelt. In Niveaukursen können Hauptschülerinnen und Hauptschüler bei vorhandener Eignung den Unterricht an der Realschule in den Kernfächern besuchen und auf diesem Weg erproben, ob ein Wechsel der Schulart für sie zu leisten ist. Im teilintegrativen Unterricht besuchen die Schülerinnen und Schüler mit Hauptschulempfehlung und mit Realschulempfehlung in den Klassen 5 und 6 den gleichen Unterricht in allen Fächern. Dafür wurde vom Landesinstitut für Schulentwicklung (LS) ein gemeinsamer Kernplan mit differenzierten Zusätzen auf der Grundlage der geltenden Bildungsstandards erarbeitet. Am Übergang zur siebten Klasse besteht dann die Möglichkeit, die Schullaufbahnempfehlung mit Blick auf die Entwicklung des Schülers zu überdenken. "Besonders wichtig ist mir eine umfassende Information der Eltern, um die Chancen der pädagogischen Kooperation deutlich herauszustellen und eine fundierte Entscheidung für Kooperationsklassen vorzubereiten", sagte der Minister.
Rau bekräftigte, dass die Hauptschule als eigenständige Schulart erhalten bleibe. "Die gesamte Hauptschulzeit wird von gezielter Förderung, Lernstandserhebungen und Ausbildungsnähe geprägt sein", so der Minister. Dazu habe die Landesregierung im Sommer 2007 ein umfangreiches Maßnahmenpaket verabschiedet, das auch den Einsatz von Pädagogischen Assistenten beinhalte. Damit das Bildungskonzept der Hauptschule auch in Zukunft Akzeptanz finde, sei es von zentraler Bedeutung, dass jeder Hauptschüler die Option auf eine mittlere Reife habe, "egal, ob an seiner Hauptschule, in der beruflichen Schule oder durch einen Wechsel auf die Realschule", betonte der Minister. Dies werde nur gelingen, so Rau weiter, "wenn wir zu Hauptschulstandorten gelangen, die über genügend Schüler verfügen, um ein differenziertes Bildungsangebot zu organisieren."
Der Kultusminister appellierte an die Kommunen, die Schulstandortentwicklung zielstrebig voranzutreiben. Als Leitfaden für die Planungen würden den Städten und Gemeinden gemeinsame Handlungsempfehlungen des Kultusministeriums und der kommunalen Landesverbände zur Verfügung stehen. Es würden nicht alle bestehenden Hauptschulstandorte erhalten bleiben können, sagte Rau mit Blick auf die stark sinkenden Schülerzahlen. An manchen Standorten könnten sinnvolle Schulgrößen nur dann erreicht werden, wenn zwei oder mehrere Schulen zusammengeführt würden. "Wir müssen jungen Menschen die pädagogischen Rahmenbedingungen bieten, die sie für ihr erfolgreiches Lernen und Vorankommen benötigen", sagte Rau.
Zu einer "Rückabwicklung" der Realschulen in die Hauptschule werde es nicht kommen, stellte der Minister klar. "Realschülerinnen und Realschüler in kleiner Zahl an die vielen Hauptschulen zu verteilen ist kein angemessenes Konzept – weder, wenn es um die Qualität des Bildungsangebots, noch wenn es um den Erhalt gefährdeter Schulstandorte geht", betonte Rau. Er würdigte die Realschule als Schulart mit modernem Bildungskonzept, an der eine herausragende pädagogische Arbeit geleistet werde.
Die Rede von Herrn Minister Rau finden Sie unter: www.kultusportal-bw.de/servlet/PB/menu/1191019/
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