Der in Stuttgart tagende Geschäftsführende Vorstand des VDR-Bundesverbandes hat sich am Freitag ausführlich mit den Plänen des baden-württembergischen Kultusministers, Helmut Rau, zur engen Kooperation von Haupt- und Realschulen auseinandergesetzt.
Der Bundesvorsitzende des VDR, Albert Obert, stellte dazu fest: Die Realschule ist in Baden-Württemberg eine erfolgreiche und allgemein anerkannte Schulart. Ihre Absolventen sind bei der Wirtschaft gefragt.
Dass die Eltern heute Probleme mit der Akzeptanz der Hauptschule bzw. ihres Schulabschlusses haben, ist allgemein bekannt. Die Landesregierung von BW reagierte darauf im vergangenen Jahr mit einem finanziell gut ausgestatteten Förderprogramm. Dieser Schritt wird von Seiten des VDR nachdrücklich begrüßt, denn den Hauptschülern kann man nur helfen, indem man ihre Schulart stärkt statt sie schlechtzureden.
Wer meint, dass die Hauptschüler durch gemeinsamen Unterricht mit Realschülern zu besseren Lernergebnissen und höheren Schulabschlüssen kommen, unterliegt nach den leidvollen Erfahrungen mit integrativen Systemen in anderen Bundesländern einem gravierenden Irrtum.
Für die Realschüler ist eine Absenkung des Unterrichtsniveaus zu befürchten. Dies wird dazu führen, dass noch mehr Eltern ihre Kinder an Gymnasien anmelden werden, ohne Rücksicht auf deren Interessen und Begabungen. Eine Zusammenlegung von Realschulen mit Hauptschulen kann also weder für die Realschüler noch für die Hauptschüler zu einer Verbesserung führen.
Wer für Chancengleichheit für Kinder aus unterschiedlichen Elternhäusern plädiert, muss durch entsprechende staatliche Unterstützungssysteme wie z.B. Förderunterricht, Lernmittelfreiheit, kostenlose Schülerbeförderung, Stipendien usw. dafür sorgen. Eine einheitliche Schule für alle kann der Individualität der jungen Menschen nicht gerecht werden.
Wenn Kultusminister Rau davon spricht, dass die Hauptschule als eigenständige Schulart erhalten bleiben soll, so muss man angesichts der Entwicklung in anderen Bundesländern entgegnen: "Die Botschaft vernehm´ ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube!". Auch die geplante gleiche Ausbildung von Haupt- und Realschullehrern deutet leider darauf hin, dass seitens der CDU-Landesregierung eine totale Verschmelzung von Haupt- und Realschulen in nicht allzu ferner Zukunft nicht mehr ausgeschlossen wird.
Der VDR erkennt durchaus an, dass Verbundsysteme in struktur- und bevölkerungsschwachen Regionen eine tragbare Kompromisslösung in engen Grenzen sein können. Vor ihrer Einführung müssen aber alle Detailfragen geklärt werden, um die Bildungsqualität auch in solchen Schulen zu erhalten, und das geht nicht zum Nulltarif! Die Einführung des achtjährigen Gymnasiums ist ein Beispiel wie man es nicht machen darf.
Abschließend mahnte der VDR-Bundesvorsitzende: Die Realschule ist das Rückgrat des deutschen Schulsystems. Wer die Realschule kaputtmacht, gefährdet das gesamte System!