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VBE: Kooperationsgegner misstrauen Hauptschülern

Mehr erziehliche Schwierigkeiten als fachliche befürchtet

Mehr zu: Baden-Württemberg, Hauptschuldiskussion, Realschule, Werkrealschule, Schule
Stuttgart, 24.02.2008 -

Die Ankündigung des Kultusministers auf der didacta, Kooperationen zwi­schen Hauptschulen und Realschulen zuzulassen, hat auf Realschulseite zum Teil heftige Abwehrreaktionen hervorgerufen. Dabei fürchten nach Kenntnis des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württem­berg die meisten Eltern der Realschüler und so manche Lehrer weniger die fachliche Herausforderung durch einen gemeinsamen Schulbesuch als viel­mehr eine Imageschädigung durch pädagogisch schwer in den Griff zu be­kommende bildungsunwillige, unerzogene, radebrechende und ständig den Unterricht störende Jugendliche, wie sie eher der Hauptschule zugeschrie­ben werden.

Die Realschule sei kerngesund, versichern Sympathisanten dieser Schulart und fürchten die Hauptschüler wie Gesunde hoch ansteckende Eiter- und Pestbeulen. Die Abwehrreaktion gegen eine Kooperation zwischen Hauptschule und Real­schule entsteht vor allem deshalb, weil deren Gegner rein gefühlsmäßig unter­stellen, dass ein geregelter Unterricht dann überhaupt nicht mehr mögliche wäre. Da wird in jedem Hauptschüler schnell ein asozialer, gewaltbereiter, bildungs­unwilliger oder zumindest völlig demotivierter Halbstarker gesehen, den man auf Abstand halten will. Damit tut man der Mehrzahl der Hauptschüler aber bitter Unrecht.

Wenn Jugendliche an Gymnasien dauerhaft unangenehm auffallen und nicht mehr "ins System passen", fliegen sie von der Schule. Destruktive oder noten­mäßig abgehängte Realschüler werden an die Hauptschule weiter gereicht, die es wieder richten soll. Auch dadurch wird die Hauptschule zum Auffangbecken für Gescheiterte gemacht, und man übersieht all die anderen Schüler, die sich an dieser gesellschaftlich immer weniger anerkannten Schulart redlich und zum Teil so erfolgreich bemühen, dass etliche nach dem Hauptschulabschluss die Mittlere Reife in der zehnten Klasse der Werkrealschule oder an einer zwei­jährigen Berufsfachschule ablegen und dadurch mit den Realschülern gleichzie­hen.

Leider sei der Klassenteiler pädagogisch unverantwortlich hoch und erschwere so jeden zarten Kooperationsversuch bereits im Ansatz, moniert der VBE-Spre­cher. Mit dieser Lernbenachteiligung müssten zurzeit alle Schularten leben.

Kurse in der Erwachsenenbildung werden bei maximal zwanzig Teilnehmern für voll erklärt, in den Klassenzimmern sitzen bis zu 33 Jugendliche, die alle indivi­duell gefördert werden sollen und gerade während der Pubertät oft alles andere im Kopf haben als Schule, ganz gleich ob es sich um Gymnasiasten, Real- oder Hauptschüler handelt.

Nach Auffassung des VBE dürfte heute keine Klasse mehr als 22 Schüler haben, denn die beste Schulreform ist noch immer eine kleine Klasse.

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