"Kindern und Jugendlichen muss Lust auf lebenslanges Lernen gemacht werden." Dafür hat sich der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, anlässlich der heute und morgen stattfindenden Bezirksdelegiertenversammlung des BLLV im niederbayerischen Bad Gögging ausgesprochen.
"Die Politik sollte das pädagogische Wissen und die professionelle Erfahrung von Lehrerinnen und Lehrern zur Kenntnis nehmen. Sie wissen längst, dass Schüler am besten dann lernen, wenn sie sich in Ruhe entwickeln und entfalten dürfen." Der Schulalltag der Zukunft muss darauf Rücksicht nehmen und darf nicht zulassen, dass sich alles um Noten und Berechtigungen dreht. "Während des gesamten institutionalisierten Bildungsprozesses - also vom Kindergarten bis zum Abitur - wird vehement gegen erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse verstoßen. Die Leidtragenden sind die Schüler, die nur allzu oft nach kurzer Zeit die Freude am Lernen verlieren." Er bezeichnete den in Deutschland verwendeten Lern- und Leistungsbegriff als "verkorkst und verkürzt". Gleichzeitig stellte er klar, dass "sinnvolles Lernen durchaus mit Anstrengung und Ausdauer, mit Bemühungen und Belastungen verbunden ist. Anstrengungen und Bemühungen schließen aber positive Gefühle nicht aus, wenn das Ergebnis des Lernprozesses mehr ist als eine Ziffer."
Wenzel wies auch auf die Gefahr eines volkswirtschaftlichen Schadens hin: "In den kommenden zwanzig Jahren wird der Altersquotient in Deutschland stark nach oben steigen und der Jugendquotient bedrohlich fallen. Immer weniger junge Menschen können sich daher um die Versorgung und Finanzierung der älteren Generation kümmern. Es muss also im Interesse der gesamten Gesellschaft liegen, dass jeder junge Mensch schulisches Lernen so erlebt, dass er sich auf lebenslanges Lernen freut. Auch wenn nicht zuverlässig zu prognostizieren ist, wie die Welt in 20 Jahren aussehen wird, eines ist sicher: Wir werden mehr als heute gezwungen sein, regelmäßig zu lernen und umzulernen." Der BLLV-Präsident forderte die Schul- und Bildungspolitik dazu auf, sich auf diese Prognose einzulassen. "Die Gesellschaft steht vor einem Umlernprozess."
Das Kerngeschäft der Schule ist Lernen. Kinder und Jugendliche müssen dort die Möglichkeit haben, Kompetenzen zu erwerben, Qualifikationen auszubauen, Bildung zu leben und zu erleben. "Pädagogen wissen, dass ertragreiche Bildungs- und Erziehungsarbeit auch immer Beziehungsarbeit ist. Wenn Lernen gelingen soll, muss garantiert sein, dass Kinder und Jugendliche Bindungen knüpfen und Beziehungen aufbauen können."
Der BLLV-Präsident: "Kinder und Jugendliche, die die Folgen dieser kurzsichtigen und unpädagogischen Schulpolitik ausbaden müssen, können wohl kaum Lust auf lebenslanges Lernen bekommen." Nötig ist ein radikales Umdenken: "An den Schulen muss ein neuer Lern- und Leistungsbegriff Einzug halten, der Fehler zulässt und individuelle Lernfortschritte berücksichtigt, der Schülern Zeit lässt und sie nicht dauernd unter Druck setzt.