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VBE widerspricht Erziehungswissenschaftler Rauin:

Der Beamtenstatus löscht kein inneres Feuer bei Lehrern

Mehr zu: Baden-Württemberg, Lehrerbildung, Schule
Stuttgart, 21.03.2008 -

Glaubte man den Vorwürfen des Frankfurter Erziehungswissenschaftlers Udo Rauin, wären die meisten Pädagogen für ihren Beruf ungeeignet, weil angeblich nur leistungsschwächere Abiturienten "Lehrer" studieren, um danach einen durch den Beamtenstatus abgesicherten Lebensweg einschla­gen zu können. Der Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg (VBE) wertet Rauins Aussagen als Abschreckungsszenario für künftige Lehramtsstudenten, die so nicht etikettiert werden wollen. Der Beamten­status gebe zwar finanzielle Sicherheit, lösche jedoch kein inneres Feuer.

Rauin hatte in einer groß angelegten Fragebogenaktion das Verhältnis von Lehr­amtsausbildung und Berufserfolg untersucht. Das zentrale Ergebnis seiner Un­tersuchung lautet, dass Lehrer, die sich im Berufsalltag als überfordert erweisen, bereits in der Ausbildung deutlich Überforderungssymptome gezeigt haben.

Rauins Fragebogenaktion stellt jedoch nichts anderes dar als eine Sammlung subjektiver Befindlichkeiten, die keinerlei Rückschlüsse auf die tatsächlichen empirischen Verhältnisse gestattet. Außerdem können die Studienanforderungen nicht mit den Anforderungen in der Berufspraxis gleichgesetzt werden. "Wenn das ginge, könnte man auch aus den gezeigten Leistungen eines Tauchkursteil­nehmers auf dessen spätere Eignung als Telefonseelsorger schließen", so der spöttische Kommentar eines Insiders gegenüber dem VBE.

Einer Untersuchung von Czerwenka/Terhart zufolge hat das Lehramtsstudium nur einen marginalen Einfluss auf das spätere Lehrerhandeln, das weitgehend aus der eigenen Erfahrung gespeist wird. Für alle akademischen Berufe gilt, dass eine Kausalbeziehung zwischen Studien- und Berufserfolg so gut wie nicht her­gestellt werden kann und unfähige Funktionsträger in allen Sparten anzutreffen sind. Rauins Ergebnisse lassen sich somit auf jeden anderen akademischen Be­ruf übertragen, sind beliebig austauschbar und daher weniger aussagekräftig.

Die Erziehungswissenschaft hat bis heute keine operationalisierbaren Kriterien vorgelegt - weder für den Unterrichtserfolg im besonderen noch für die Schul­qualität im allgemeinen. "Auf welche wissenschaftlichen Grundlagen stützt Pro­fessor Rauin seine provokanten Schlussfolgerungen?", grübelt man beim ge­werkschaftlichen Berufsverband VBE. Seitens der Arbeitsmedizin liegen seit Jahren riesige, objektiv ermittelte Datenbestände vor, welche die hohen Belas­tungen von Lehrern zweifelsfrei und anhand überprüfbarer Fakten belegen.

Wenn Rauin über das entsprechende Expertenwissen zu verfügen glaubt, unge­eignete Lehramtskandidaten schon während der Studienphase erkennen zu kön­nen, stellt sich für den VBE die Frage, weshalb er diese Personen in der Weise examiniert, dass diese nachher ungehindert in den Beruf gelangen können. "Wo sind denn hier die eigenen berufsethischen Standards?", spielt der VBE-Spre­cher den Ball zurück und moniert, dass ein Erziehungswissenschaftler der Öffentlichkeitswirkung in eigener Sache zuliebe Regeln akademischer Redlich­keit über Bord wirft und sich auf solch unsensible Weise gegenüber dem Berufs­stand äußert, dem er seine universitäre Existenz verdankt.

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