Mediadaten | Impressum | Feedback | RSS | Mobil | Newsletter
Letzte Änderung: 09.02.2012, 18:25
  • Delicious_bw
  • Studivz_bw
  • Facebook_bw
  • Twitter_bw
  • Drucken-grau
  • Versenden-grau

Durch sechsjährige Grundschule werden Gymnasiasten benachteiligt

Mehr zu: Baden-Württemberg, Bildungschancen, Bildungsgerechtigkeit, Deutschland, Gesamtschule, Schulstruktur, Sprachförderung, Schule
Stuttgart, 17.04.2008 -

Berliner "ELEMENT-Studie von Prof. Dr. Rainer Lehmann bestätigt die ablehnende Position des Philologenverbandes Baden-Württemberg:

  • Soziale Disparitäten werden durch längeres Lernen nicht abgebaut
  • Lernentwicklung a l l e r Kinder wird gebremst

"Nach der nun bekannt gewordenen ´ELEMENT-Studie´ von Prof. Dr. Rainer Lehmann kann wohl niemand mehr reinen Gewissens behaupten, eine Verlängerung der Grundschulzeit für alle Schüler sei von Vorteil und sorge für mehr Chancengerechtigkeit", so der Landesvorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg (PhV BW), Karl-Heinz Wurster. Fakt ist: Die Verlängerung der Grundschulzeit von vier auf sechs Jahre schadet allen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Dies hat die von Prof. Dr. Rainer Lehmann im Auftrag des ehemaligen Berliner Bildungssenators Böger (SPD) durchgeführte ´ELEMENT-Studie´ nach dem Vergleich von fast 5000 Grundschülern und Gymnasiasten aus vier- und aus sechsjährigen Grundschulen ergeben.

In einem heute erschienenen Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT nennt Bildungsforscher Prof. Dr. Lehmann folgendes Ergebnis dieser vor fünf Jahren begonnenen Untersuchung: "Bei gleicher Ausgangslage lernen Schüler an Gymnasien weitaus mehr als an Grundschulen. (...) Selbst wenn man sich Schüler mit vergleichbarem Elternhaus, Bildungs- und Migrationshintergrund anschaut, gilt: Die Gymnasiasten haben sich am Ende der sechsten Klasse so stark abgesetzt, dass sie zwei Jahre Lernvorsprung haben. (...) Der Lernfortschritt an Gymnasien ist übrigens nicht nur im oberen Drittel höher, sondern in allen Leistungsgruppen. Vom offenbar anspruchsvolleren Lernklima dort profitieren selbst die (...) Lernschwächeren." Schon in einer früheren, von Prof. Dr. Roeder durchgeführten Untersuchung mit Gymnasiasten, von denen der eine Teil eine vierjährige und der andere eine sechsjährige Grundschule besucht hatte, wurde eindeutig festgestellt: "Unübersehbar zeigen sich deutliche Leistungsvorteile der Gymnasiasten aus den Bundesländern mit vierjähriger Grundschule."

Die weitaus schlechteren Ergebnisse in der sechsjährigen Grundschule seien, so Prof. Dr. Lehmann, auch eine Folge davon, dass Gymnasiallehrer über eine bessere fachdidaktische Ausbildung für die Klassen fünf und sechs verfügten. Dieser Befund bestätigt übrigens Ergebnisse der vom ersten deutschen PISA-Koordinator und ehemaligen Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Prof. Dr. Jürgen Baumert, geleiteten COACTIV-Studie.

Längere gemeinsame Schulzeit führt nicht zum Abbau sozialer Disparitäten

Mit ihren desillusionierenden Ergebnissen über die vielfach behauptete Möglichkeit, mit einer längeren Grundschulzeit oder mit Gesamtschulen ließen sich soziale Disparitäten abbauen, bestätigt die ´Element-Studie´ bereits vorliegende Forschungsergebnisse und die vom Philologenverband vertretene Auffassung: "Wenn die Schüler länger zusammen lernen, führt das keineswegs notwendigerweise dazu, dass soziale Disparitäten abgebaut werden", sagte Prof. Lehmann. Das Gegenteil ist der Fall: Die Studie bringt den Nachweis, dass der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg eher verstärkt wird. Für die sechsjährige Grundschule stellte sich heraus: "Im Untersuchungszeitraum ist der statistische Zusammenhang zwischen Leistung und Herkunft gestiegen." Eine ähnlich ernüchternde Bilanz über die Möglichkeiten einer längeren gemeinsamen Schulzeit hatte vor wenigen Monaten der Bildungsforscher Prof. Dr. Helmut Fend gezogen. Als Resultat seiner Langzeitstudie mit über 1500 Teilnehmern sagt er: "Die Gesamtschule schafft unterm Strich nicht mehr Bildungsgerechtigkeit als die Schulen des gegliederten Schulsystems – entgegen ihrem Anspruch und entgegen den Hoffnungen vieler Schulreformer". Zum selben Ergebnis kommt auch das Berliner Max-Planck-Institut in einem Bericht über das deutsche Bildungssystem. Weitere Untersuchungen zum englischen Schulsystem zeigen ebenfalls, dass sich im dortigen integrierten Gesamtschulsystem die sozialen Disparitäten zwischen den Bevölkerungsschichten noch verstärkt haben.

Gesamtschule vermehrt die Probleme

"Die Ergebnisse von wissenschaftlichen Untersuchungen einer längeren gemeinsamen Schulzeit sind niederschmetternd und müssen Konsequenzen für die Bildungspolitiker in Deutschland haben", so PhV-Chef Wurster. Nach diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen könne sich kein Gegner des gegliederten Schulwesens und Verfechter einer längeren Grundschulzeit oder eines Gesamtschulsystems mehr darauf berufen, hierbei das Wohl der Kinder und mehr Bildungsgerechtigkeit im Blick zu haben.

Nach Auffassung des Philologenverbandes sollten die für eine längere Grundschulzeit nachgewiesenen gravierenden Lern- und damit Wettbewerbsnachteile für junge Menschen und das Versagen der Gesamtschulen beim Ausgleich sozialer Disparitäten und bei der sozialen Integration nun endlich dorthin zurück gebracht werden, wo sie hingehören: in die bildungspolitische Mottenküste. "Wir plädieren für einen qualitätsorientierten Ausbau des differenzierten mehrgliedrigen Schulsystems und für eine begabungs- und leistungsgerechte Förderung aller Kinder ohne Unterschied auf ihre soziale Herkunft", so Wurster mit dem abschließenden Hinweis: "Es muss endlich Schluss sein mit unnötigen Schulstrukturdebatten; viel wichtiger sind gute schulische Rahmenbedingungen, eine professionelle Lehrerausbildung und eine konsequente Früh- und Sprachförderung der Schüler, beginnend im Vorschulbereich."

Ansprechpartner

0 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)

Hinweis
  • Ein Enter führt zu Zeilenumbruch.
  • Hyperlinks bitte grundsätzlich mit "http://" beginnen (also z.B. http://bildungsklick.de/).
  • Kein HTML unterstützt.

Ihr Kommentar:

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht):
Durch die Eintragung Ihrer E-Mail erkennen Sie die Kommentarregeln an.

Aeb9148bfa191bceea4960f34ba1fc5b622a72be
Bitte den Text aus dem Bild eingeben:


MELDUNGEN AUS DEN RESSORTS

Sonderthemen

"Die Chancen einer weltweiten Lerngesellschaft"

09.02.2012. Unter dem Motto "Weltsprache Bildung" beteiligt sich das Goethe-Institut an der größten Bildungsfachmesse in Europa, der didacta in Hannover. Im Interview spricht Dr. Matthias Makowski, Leiter der Abteilung Sprache des Goethe-Instituts, über multimedial vernetztes Lernen und Lehren im Zeitalter ...

Schule

Österreich: Fortgesetzte Reformen wichtig für Qualität und Chancengleichheit in Bildung

Paris/Berlin, 09.02.2012. Die Leistungen österreichischer Schüler hängen stärker von der sozialen Herkunft ab als in vielen anderen Industrieländern. Der heute veröffentlichte OECD-Bericht "Equity and Quality in Education: Supporting Disadvantaged Students and Schools" appelliert daher, bereits begonnene Reformen ...

Kindergarten / Vorschule

EU-Kommission rügt deutsches Betreuungsgeld

03.02.2012. (dpa) – Die EU-Kommission rügt die deutschen Pläne zur Einführung eines Betreuungsgeldes. "Die EU-Kommission ist überrascht zu erfahren, dass es Ideen gibt, Frauen zu ermutigen, zu Hause zu bleiben", sagte die Sprecherin von EU-Sozialkommissar Laszlo Andor am 1. Februar in Brüssel. "Es gibt ...
in

Elementarbereich NRW | Medienschau Bildung

NEU bei didacta-bildungsklick.tv: CookUOS 2011/12

ANZEIGEN

Weiter auf bildungsklick.de
Society in Science unterstützt postdoc Studenten überall auf der Welt. Unser Ziel ist Förderung der Forscher/innen.
ANZEIGE
Aktuelle Kommentare
Ein Tag Ein Preis Ein Deal. Marken-Schulranzen bis zu unglaublichen 80% reduziert. Scout, McNeill, Espri... und vieles mehr.
ANZEIGE
Unser Partner in Österreich
Bildungaktuell
Das eMagazin für Management, Personalwesen und Weiterbildung