ELEMENT-Studie belegt erfolgreiche Förderung in Grundschulen
Mehr zu: Berlin, Bildungsbericht, Bildungsverwaltung, Heterogenität, Schulstruktur, Sport, Statistik, SchuleDie Bildungsverwaltung hat im Jahr 2003 Prof. Dr. Lehmann (HU Berlin) beauftragt, die Leistungsstände der Berliner Schülerinnen und Schülern in den Klassen 5 und 6 festzustellen und ihre Entwicklung zu untersuchen. Rund 93 Prozent dieser Schülerinnen und Schüler besuchten die sechsjährige Grundschule, rund 7 Prozent wechselten bereits nach der 4. Klasse in eine Gymnasialklasse.
Der Abschlussbericht der ELEMENT-Studie (Erhebung zum Lese- und Mathematikverständnis – Entwicklungen in den Jahrgangsstufen 4 bis 6 in Berlin) ist der Bildungsverwaltung am 11. April 2008 überreicht worden. Die Ergebnisse belegen, dass die Berliner Grundschulen Schülerinnen und Schülern aller Leistungsstände erfolgreich fördern. Die grundständigen Gymnasien bzw. Gymnasialzüge ab 5, auf die 7 Prozent der (in der Regel die leistungsstärksten) Schülerinnen und Schüler nach der Klasse 4 wechseln, weisen nahezu identische Leistungszuwächse auf. Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner: "Eine Schere zwischen Grundschulen und grundständigen Gymnasien öffnet sich nicht. Im Gegenteil: Bei den Leistungsschwächeren scheint die Grundschule im großen Umfang Bildungsnachteile zu kompensieren. Die Untersuchung zeigt aber, dass auch die Leistungsstärkeren adäquat gefördert werden."
Im Rahmen von ELEMENT sind Daten im Längsschnitt zu drei Messzeitpunkten erhoben worden: Juni bzw. September 2003, Mai 2004 sowie Mai 2005. Im Juni 2003 wurde eine Stichprobe von rund 3 300 Grundschülerinnen und –schüler am Ende der Klasse 4 getestet (140 Klassen aus 71 Schulen). Mit dem Schuljahr 2003/04 begann ein neuer Jahrgang Klassenstufe 5 an den grundständigen Gymnasien. Dieser wurde in seiner Gesamtheit, also rund 1 700 Schüler/innen (59 Klassen aus 31 Schulen), im September 2003 erfasst. Im Zentrum der Studie steht die Beschreibung und Analyse der Lernentwicklungen in den untersuchten Fachleistungen Deutsch und Mathematik sowie zusätzlich zum dritten Erhebungszeitpunkt die der Fachleistung in Englisch.
Nach den Ergebnissen der Element-Studie gehen zu Beginn der siebenten Klassenstufe im Regelfall über 40 Prozent der Schüler/innen auf das Gymnasium. Diejenigen 7 Prozent, die schon zu Beginn der fünften Klassen in grundständige Gymnasialklassen übergehen, zeichnen sich zum großen Teil durch besondere Begabungen wie z. B. sprachliche, musische oder mathematisch-naturwissenschaftliche aus. Im Gegensatz zu den sozial und leistungsmäßig sehr heterogen zusammengesetzten Klassen in der Grundschule sind die grundständigen Gymnasialklassen aufgrund ihrer Auswahlmechanismen im allgemeinen eher leistungshomogen zusammengesetzt. Hinzu kommt, dass 13 Gymnasien Schnellläuferklassen mit modifizierten Rahmenplänen und mehr Lernstoff haben, was die Vergleichbarkeit mit den Grundschulen zusätzlich erschwert.
I. Vergleich der mittleren Leistungsniveaus
1. Schlussfolgerung: Die Unterschiede im mittleren Leistungsniveau beider Gruppen liegen in der erwarteten Richtung. (Abb. 1)
Erwartungsgemäß sind die Leistungen im Lesen und in Mathematik in den Gymnasialklassen in jeder Klassenstufe höher als in den Grundschulklassen, denn in den grundständigen Gymnasialklassen sind Schülerinnen und Schüler mit ungünstigen Lernvoraussetzungen und niedrigem Leistungsstand am Ende von Klasse 4 nicht anzutreffen.
2. Schlussfolgerung: Das mittlere Leistungsniveau der Grundschülerinnen und Grundschüler entwickelt sich vergleichbar zu dem der grundständigen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. (Abb. 1)
Gleichzeitig wird aber deutlich, dass sich zwischen der vierten und der sechsten Klasse keine Leistungsschere auftut. In Mathematik bleibt die Differenz nahezu gleich, im Leseverständnis nähern sich beide Gruppen mit der Zeit sogar etwas an.
II. Vergleich der Lerngewinne 1)
1) Hierbei werden im Leseverständnis fünf und in Mathematik sechs Anforderungsniveaus unterschieden, die mit AN I als dem niedrigsten und AN V bzw. AN VI als dem höchsten Niveau bezeichnet sind.
3. In beiden Gruppen nimmt der Anteil von Schülerinnen und Schülern in höheren und höchsten Anforderungsniveaus deutlich und erfreulich zu. (Abb. 2)
Der Grundschule gelingt eine deutliche Verschiebung in höhere Anforderungsniveaus : Am Ende der Klasse 6 sind die Gruppen auf den unteren Leistungsniveaus sowohl im Leseverständnis wie in Mathematik nahezu verschwunden. Im Hinblick auf die Kompensation von Lernrückständen schneiden die Grundschulen - vor allem im unteren Segment - in der Studie (insgesamt, wenn auch von Fach zu Fach unterschiedlich) besonders positiv ab.
4. Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler erreichen auch an den Grundschulen hohe Leistungszuwächse. Nach der Studie erreichen diese Schülerinnen und Schüler höhere Leistungszuwächse in den grundständigen Gymnasien.
In der Studie wird betont, dass Schülerinnen und Schüler, die zur Klasse 5 auf die grundständigen Gymnasien wechseln, höhere Leistungszuwächse erreichen, als Schülerinnen und Schüler, die in den Grundschulen verbleiben (ELEMENT, Abb. 3.3, Seite 23 und Abb. 3.4, Seite 32). Ob die sehr kleine Gruppe besonders Leistungsstarker in den grundständigen Gymnasien einen stärkeren Entwicklungsschub erfährt als in den Grundschulen, lässt sich anhand der ELEMENT-Daten prinzipiell nicht entscheiden:
Die Autoren der Studie betonen ausdrücklich, dass sie keine Aussage dazu machen können, ob dies außerschulische Ursachen (wie z. B. eine besonders ausgeprägte Bildungsorientierung im Elternhaus) oder Ursachen in der frühzeitigen Aufteilung von leistungsstarken und weniger leistungsstarken Kindern hat. (ELEMENT, Seite 25)
Die Autoren betonen weiter, dass selbst dann, wenn der frühe Übergang in Gymnasien den schnelleren Leistungszuwachs erklären würde, nichts dafür spricht, dass die für eine kleine sehr positiv ausgelesene Minderheit beobachteten Befunde auch dann eintreten würden, wenn alle späteren Gymnasiasten bereits nach Klasse 4 in Gymnasien eintreten würden. (ELEMENT, Seite 68)
Bildungssenator Zöllner: "Zunächst einmal ist Prof. Dr. Lehmann für die ELEMENT-Ergebnisse zu danken. Diese mögen dazu beitragen, dass in der öffentlichen Diskussion dieser komplizierten Materie nicht vorschnell Schlussfolgerungen gezogen werden. Mein Fazit ist, dass die grundständigen Gymnasien vorrangig ein Angebot an Kinder mit besonderen Begabungen darstellen – seien sie musisch, sportlich, mathematisch-naturwissenschaftlich, sprachlich oder eine Hochbegabung. Deshalb ist es wichtig, dass Berlin ein Angebot für diese Schülerinnen und Schüler in den grundständigen Gymnasien hat. Die ELEMENT-Ergebnisse belegen, dass leistungsstarke Schülerinnen und Schüler in beiden Formen gut gefördert werden. Es wäre zu bedauern, wenn dieses sehr gute Ergebnis der Grundschulen in der öffentlichen Diskussion überlagert werden würde durch einen nicht auszuschließenden Vorteil von leistungsstärkeren Schülerinnen und Schülern an den grundständigen Gymnasien.
Mein Interesse ist es, alle Schülerinnen und Schüler optimal zu fördern. Deshalb werden wir die Ergebnisse von ELEMENT und den Unterricht in den Grundschulen genauer ansehen und prüfen, wie wir durch gezielte Maßnahmen in der Fortbildung, durch vermehrten Fachlehrereinsatz in den Grundschulen oder durch Kooperationen mit den Gymnasien die Arbeit in den Grundschulen noch weiter verbessern können, insbesondere auch bei der Förderung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler."
Der Abschlussbericht der ELEMENT-Studie findet sich unter www.berlin.de/sen/bildung/schulqualitaet/schulleistungsuntersuchungen
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