Schulleiter und Personalräte an Schulen in Schleswig-Holstein erhielten in den vergangenen Tagen Post vom Magazin FOCUS-SCHULE. In einem umfangreichen Fragebogen fragt das Münchener Magazin detaillierte Informationen zu den einzelnen Schulen ab. Von Schülerzahlen über den Prozentsatz der Kinder mit Migrationshintergrund bis hin zu den Durchschnittsnoten bei Vergleichsarbeiten reicht das Interesse des Magazins. Auch ob die Lebensläufe der Lehrkräfte im Internet stehen, möchte der FOCUS wissen. Ziel ist es eine Schuldatenbank für Deutschland zu erstellen.
Das geht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) entschieden zu weit. Daher rief der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn am Dienstag, den 22.4.08 in Kiel alle Schulleiter und Personalräte auf, die Umfrage zu boykottieren. Natürlich könne niemand den FOCUS an seinen Veröffentlichungen hindern. Aber man müsse sie schließlich nicht auch noch erleichtern. An Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave appellierte er: "Frau Erdsiek-Rave, unterstützen Sie das FOCUS-Ranking nicht mit ministeriellen Daten! Sorgen Sie dafür, dass schulbezogene Leistungs- und Prüfungsdaten aus den Schulportraits nicht mehr im Internet veröffentlicht werden!"
Der GEW-Landesvorsitzende hält das bundesweite FOCUS-Schulranking für völlig überflüssig. "Rankings sind dafür nicht geeignet, die soziale Wirklichkeit einer Schule abzubilden. Die örtlichen Gegebenheiten sind von Schule zu Schule derartig unterschiedlich, dass sie sich nicht in eine Art Bundesliga-Tabelle reinpressen lassen", so Matthias Heidn. Es sage nichts über die Qualität von Schulen aus, wenn beispielsweise eine Schule im Kieler Nobelviertel Düsternbrook im Ranking besser abschneide als eine Schule im Problembezirk Gaarden, die sich massiven sozialen Problemen ausgesetzt sehe. Schulrankings würden nur der sowieso schon weit fortgeschrittenen Entmischung unserer Gesellschaft Vorschub leisten. Das FOCUS-Ranking hätte so negative Auswirkungen auf Schulen und Kommunen, obwohl letztlich nur Äpfel mit Birnen verglichen würden.