Deutscher Philologenverband (DPhV)
DPhV: Erkenntnisse der ELEMENT-Studie vorurteilsfrei zur Kenntnis nehmen!
Mehr zu: Berlin, Bildung in Zahlen, Bildungsberichte, Bildungsgerechtigkeit, Schulstruktur, SchuleDer Deutsche Philologenverband hat die nunmehr erfolgte vollständige Veröffentlichung der ELEMENT-Studie von Prof. Lehmann begrüßt, die sich unter anderem mit den Auswirkungen einer sechsjährigen Grundschulzeit in Berlin auf Lernfortschritte und Bildungsgerechtigkeit befasst. Gleichzeitig bedauerte der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger, dass sowohl der auftraggebende Berliner Senat als auch Teile der Bildungspolitik offensichtlich bislang nicht gewillt sind, die Ergebnisse vorurteilsfrei zur Kenntnis zu nehmen.
Der Verbandschef nannte es allerdings sehr erfreulich, dass den Gymnasien und den dort unterrichtenden Lehrkräften ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt werde, wenn es in der Zusammenfassung der Studie heiße: "Für alle untersuchten Fächer war festzustellen, dass der mutmaßlich anspruchsvollere Gymnasialunterricht in den Klassenstufen 5 und 6 in allen dort vertretenen Leistungsgruppen höhere Lernerfolge zeitigt."
Damit – so Meidinger – sei auch der zur Entkräftung der Studie erhobene Vorwurf hinfällig, die besseren Ergebnisse der grundständigen Gymnasien erklärten sich in erster Linie durch die "Selbstauslese". Als besonders nachdenklich stimmende und Konsequenzen fordernde Erkenntnisse der Studie bezeichnete der Verbandsvorsitzende folgende Befunde:
- Das Dominieren kompensatorischer Zielsetzungen in der Berliner Grundschule, wodurch leistungsstärkere Schüler tendenziell benachteiligt würden.
- Die Tatsache, dass nicht nur leistungsstärkere Kinder, sondern selbst die wenigen leistungsschwächeren Schüler, die vorzeitig auf das Gymnasium gehen, dort mehr lernen als ihre Altersgenossen mit vergleichbarer Lernausgangslage, die an den Grundschulen verbleiben.
- Die hohe Validität der Bildungsgangempfehlungen durch Berliner Lehrkräfte, die primär durch den Leistungsstand der Kinder und nicht durch den Status der Eltern bedingt sind.
- Die durchgängige Benachteiligung von Jungen im Übergangsprozess.
- Entgegen allen bisherigen Annahmen: Die Benachteiligung von Kindern aus Elternhäusern mit "durchschnittlichen" Bildungsabschlüssen gegenüber Kindern mit Eltern mit niedrigem bzw. privilegiertem Bildungshintergrund.
Der Philologenverbandsvorsitzende forderte den Berliner Bildungssenator Prof. Zöllner auf, sich den aufgezeigten Problemen zu stellen und sie nicht wie in der gestrigen Presseerklärung schönzureden.
"Handlungsbedarf besteht vor allem bei der Förderung besonders leistungsstarker Schüler, deren Potenzial in Berlin bislang unzureichend genutzt und gefordert wird, z.B. durch die Einrichtung von mehr grundständigen Gymnasialzügen. Ferner muss ein verstärktes Augenmerk auf den ´durchschnittlichen Schüler´ gerichtet werden, der bislang nicht angemessen gefördert wurde", sagte Meidinger. Im Hinblick auf die Benachteiligung von Jungen beim Übergang auf weiterführende Schulen mahnte der DPhV-Vorsitzende weitere länderübergreifende Studien an, um hier aus pädagogischer Sicht begründet und nachhaltig gegensteuern zu können.
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