Lehrer, Eltern und Schüler erklärten, das Zentralabitur sei dieses Jahr eine Schikane der Prüflinge gewesen. Die Landesschülervertretung (LSV) NRW will jetzt eine Beendigung des "bildungspolitischen Experiments" und fordert die Landesregierung auf, das Zentralabitur wieder abzuschaffen.
Die Ergebnisse der Prüfungsklausuren sind zwar noch nicht bekannt, doch schon jetzt ist klar, dass die Aufgaben im Grundkurs Physik und im Leistungskurs Mathematik zu umfangreich waren. Aber auch die Auswirkungen auf Qualität des Unterrichts und Lernerfolg stehen zunehmend in der Kritik.
"Viele frustrierte Schüler beschweren sich bei uns", sagt Ansgar Seng (17) aus dem LSV-Landesvorstand. "Es ist an der Zeit, den Fehler Zentralabitur zu korrigieren", meint der Landesschülervertreter und fordert, "dieses bildungspolitische Experiment muss beendigt werden". Seng hält der Landesregierung vor, man verbaue hiermit jungen Menschen die Zukunftschancen. "Wir lehnen das Zentralabi nicht nur wegen der problematischen Umsetzung ab, sondern auch, weil der Unterricht schlechter geworden ist", erklärt er die Position der nordrhein-westfälischen SchülerInnenvertretung. Durch die Einführung des Zentralabiturs wurde nach Auffassung der LSV einseitiger Frontalunterricht im Schulalltag gefördert. "Wir stellen Frau Sommer ein schlechtes Zeugnis für dieses Schuljahr aus", sagt Ansgar Seng.
Mit Blick auf die Befürworter des Zentralabiturs erklärt die LSV: "Die von Arbeitgeberverbänden geforderte Vergleichbarkeit der Absolventen wird auf Kosten von Individualität und Selbstständigkeit der Schüler in unzureichender Didaktik durchgesetzt. Unternehmen sollten Persönlichkeiten als Schulabgänger fordern, nicht aber scheinbar perfekt vorprogrammierte Wissensspeicher. Das kann nicht der Zweck nordrhein-westfälischer Bildungspolitik sein."
Die Erklärung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung ist in den Augen der LSV NRW lediglich ein weiterer Versuch das verunglückte Zentralabitur schön zu reden. So wird nicht darauf eingegangen um ein wie vielfaches die Aufgaben in Physik einen längeren Umfang hatten. Dazu kommt dann noch, dass Kritik an den Aufgaben in Mathematik und deren Problematik komplett übergangen wird. Eine Überarbeitung der Erwartungshorizonte scheint immer unumgänglicher. Durch die Stellungnahme des MSW entsteht aber der Eindruck, dass das Schulministerium nun warten will, bis alle Proteste verstummen.
LSV NRW: Pressekontakt Horst Wenzel (Landesvorstand), 0175 3614852