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Neues Internetangebot zum Rechtsextremismus www.komplex-rlp.de bietet Jugendlichen, Eltern und Fachkräften Plattform für Information und Diskussion

Mehr zu: E-Learning, Politische Bildung, Rheinland-Pfalz, Werteerziehung, Sonderthemen
Mainz, 07.05.2008 -

"Mit dem heutigen Startschuss für die neue Internet-Plattform www.komplex-rlp.de wird die Unterstützung für Jugendliche und Eltern, die sich mit dem zunehmenden und immer raffinierteren Werben von Rechtsextremisten um junge Anhänger auseinandersetzen wollen oder müssen, um einen weiteren Baustein erweitert." Das unterstrichen Bildungs- und Jugendstaatssekretärin Vera Reiß und der Präsident des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV), Werner Keggenhoff, heute in Mainz. Gemeinsam mit vielen an der Entwicklung der Plattform Beteiligten schalteten beide heute das neue Internet-Angebot frei. Neben Sachinformationen zum Thema Rechtsextremismus insgesamt, dessen Entwicklung und Erscheinungsformen, neben Hinweisen und Anlaufstellen biete die neue Plattform insbesondere auch die Möglichkeit, informelle Netzwerke aufzubauen oder in moderierten Chats Tipps, Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen.

Die neue Internet-Plattform "komplex" sei nach dem speziell für Jugendliche gestarteten "Aussteigerprogramm (R)AUSwege", dem Konzept "Elterninitiativen gegen Rechts" und dem "Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus" das vierte Projekt auf Landesebene, das unter der Federführung des Landesjugendamts zu dem Problembereich Rechtsextremismus gestartet werde, betonten Reiß und Keggenhoff. Anfang des Jahres 2007 sei die Idee für dieses Projekt entwickelt worden, um neben der telefonischen (R)AUSwege-Hotline, die unter der kostenlosen Rufnummer 0800 – 4546000 erreichbar ist, und neben den Hinweisen durch Fachkräfte aus der Jugendsozialarbeit, aus den Beratungsdiensten oder den Strafverfolgungsbehörden einen alternativen, niedrigschwelligen Zugangsweg zur Zielgruppe der rechtsextremistisch gefährdeten Jugendlichen zu eröffnen. Das Projekt "komplex" wird finanziell getragen vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familien und Frauen, fachlich verantwortlich ist das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur. Die Entwicklung der Internet-Plattform wurde im Rahmen des Bundesprojektes "Vielfalt tut gut" unterstützt und erhielt im Jahr 2007 auch eine Förderung durch die Multimedia-Initiative Rheinland-Pfalz rlp-inform.

"Das Internet ist als Informations- und Kommunikationsmittel aus dem Alltag vieler Jugendlicher und Erwachsener nicht mehr weg zu denken. Allerdings nutzt auch die rechtsextremistische Szene diesen Kommunikationsweg seit Jahren und in zunehmendem Umfang zur Kommunikation und zu Werbezwecken", unterstrich Jugendstaatssekretärin Reiß. Der medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) – ein Kooperationsprojekt der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz und der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg – habe in seiner jüngsten Basisstudie zum Medienumgang 12- bis 19- jähriger junger Leute in Deutschland (Jugend, Information, (Multi)-Media 2007) festgestellt, dass 95 Prozent der Jugendlichen in dieser Altersgruppe in Haushalten leben, die ans Internet angeschlossen sind. Mittlerweile mehr als 83 Prozent aller Teenager geben an, zumindest mehrmals pro Woche, oft aber sogar noch häufiger "online" zu sein. Auch viele Eltern von Jugendlichen bestätigten, dass sie bei Problemen oder offenen Fragen zunächst im Internet nach Informations- und Beratungsangeboten suchen. Bei den Studienreihen JIM und KIM (Kinder und Medien) kooperiert der mpfs übrigens mit der SWR-Medienforschung.

"Diese Ergebnisse legten es nahe, das Internet als modernes und von der Zielgruppe genutztes Medium auch für die Beratung zum Thema Rechtsextremismus zu nutzen", hielt LSJV-Präsident Keggenhoff fest. Die Erfahrungen mit den bisherigen Unterstützungsangeboten für Jugendliche, Eltern und mit beruflich sowie ehrenamtlich in diesem Bereich der Jugendarbeit Engagierten hätten gezeigt, dass die Nachfrage nach fundierten direkten Hilfen landesweit groß sei. Sybille Nonninger vom Landesjugendamt erläuterte, die "Kommunikationsplattform gegen Rechtsextremismus - komplex" verfolge folgende Zielsetzungen:

  • Erschließung des Mediums Internet für eine aufsuchende Arbeit mit den Zielgruppen "Rechtsextremistisch orientierte Jugendliche", "Eltern" und "Fachkräfte";
  • Installierung eines Gegenpols zu den Angeboten der extremen Rechten im Internet;
  • Eröffnung von "Chatrooms" zur Auseinandersetzung mit den Jugendlichen, zur Motivation für den Einstieg in den Ausstieg bzw. zur Distanzierung;
  • Weitervermittlung an das Angebot von "(R)AUSwege" sowie anderer alternativer Hilfs- und Unterstützungsangebote;
  • Angebot eines zeitnahen, niedrigschwelligen Zugangs zu Information, Beratung und Hilfe für Eltern rechtsextremistisch orientierter Jugendlicher;
  • Verbesserung des Austauschs unter betroffenen Eltern im Rahmen von Internetforen und moderierten Chats;
  • Zeitgemäße und sachgerechte Motivation sozialer Fachkräfte zur Arbeit mit jungen Extremisten mittels Internet-gestützter Fachberatung;
  • Verbesserung der Kommunikation unter den örtlichen Fachkräften z.B. durch geschützte Foren und Chats.

Die Informations- und Kommunikationsplattform biete über den Portalmanager getrennte Zugangswege für die unterschiedlichen Zielgruppen der Plattform an, so Sybille Nonninger weiter. Darüber hinaus bestehe die Möglichkeit, externe Fachkräfte als Moderatorinnen und Moderatoren für Chats und Foren einzubinden. Für lokale Initiativen könnten im Bedarfsfall geschützte Bereiche zur internen Information und Kommunikation eingerichtet werden.

"Wir hoffen, dass dieses neue Angebot von Jugendlichen, Eltern und Fachkräften aus der Jugendarbeit rege genutzt wird. Und wir hoffen, dass die neue Plattform vielen Rat und Hilfe vermitteln kann und das Engagement und die Zivilcourage im Kampf gegen Rechtsextremisten stärkt", betonten Staatssekretärin Reiß und LSJV-Präsident Keggenhoff abschließend.

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