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Braun: "Jeder fünfte Schulabgänger ist auf Grundschulniveau"

Das üppige Lehrstellenangebot löst nicht alle Ausbildungsprobleme

Mehr zu: Ausbildungsreife, Deutschland, Fachkräftebedarf, Hauptschule, Lehrstellenmangel, Berufliche Bildung
Berlin, 15.05.2008 -

Trotz der erfreulichen Entwicklung auf dem Lehrstellenmarkt: Die Probleme bei der Ausbildungsreife vieler Jugendlicher bestehen fort. Und es gibt große regionale Unterschiede. So sinkt in Ostdeutschland die Zahl der Bewerber drastisch.

"20 Prozent Schulabgänger, die nur auf Grundschulniveau rechnen, lesen, schreiben können, dürfen wir uns nicht leisten", sagte Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), im Interview mit der "Passauer Neuen Presse".

Diese Jugendlichen seien nicht ausbildungsreif; hier müssten "die Schulen einfach besser werden", so Braun. "Da wird auch der Ausbildungsbonus außer Mitnahmeeffekten wenig bringen." Die Jugendlichen benötigten konkrete Hilfen, etwa durch sozialpädagogische Betreuung.

Die Lehrstellensituation sei "so gut wie lange nicht", betonte der DIHK-Präsident. "Ich kann nur alle Jugendlichen auffordern, diese Chancen zu nutzen. Altbewerber profitieren im Übrigen besonders stark von dieser guten Entwicklung."

Bereits 2007 sei jede zweite Lehrstelle an einen Bewerber gegangen, der ein Jahr oder länger suchend gemeldet war. "Entscheidend bleibt aber, trotz der besseren Situation, generell die Qualifikation der Bewerber", so Braun. "Für die Schwächeren haben sich die Einstiegsqualifizierungen bewährt, die immer mehr Unternehmen anbieten."

Die starken regionalen Ungleichgewichte auf dem deutschen Ausbildungsmarkt hob DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben gegenüber der "Financial Times Deutschland" hervor: "In Westdeutschland erleben wir derzeit sinkende Bewerberzahlen, in Ostdeutschland ist es aber ein Einbruch." Gleichzeitig sei das Angebot an Lehrstellen im Osten um 17,3 Prozent gestiegen.

"Wir müssen uns auf andere Zeiten beim Lehrstellenmarkt einstellen", resümierte Wansleben. Hält die gesamtdeutsche Entwicklung bis zum Ausbildungsbeginn im Oktober an, könnte es nach Prognosen des DIHK erstmals seit sieben Jahren mehr Lehrstellen als Bewerber geben.

Gründe sind auf der Angebotsseite die gute Konjunktur, das Engagement der Paktpartner, aber auch das Bestreben der Betriebe, sich durch Ausbildung gegen den zunehmenden Fachkräftemangel zu wappnen. Bei den Bewerbern macht sich allmählich der Geburtenrückgang bemerkbar.

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